Die italienischen Tifosi sorgen alljährlich für ein ausverkauftes Haus und kreieren traditionell eine einzigartige Atmosphäre: Besonders die einheimischen Teams und Fahrer dürfen sich der bedingungslosen Verehrung der Fans gewiss sein. "Ihr Enthusiasmus ist einfach mitreißend", zeigt sich beispielsweise Lokalmatador Jarno Trulli Jahr für Jahr aufs Neue begeistert.
Der Grand Prix von San Marino in Imola ist fast schon traditionell der Auftakt zu den europäischen Rennen der Formel 1 Weltmeisterschaft. Das Rennen ist zugleich das erste Heimrennen für die Scuderia Ferrari vor dem Großen Preis von Italien im königlichen Park von Monza. Schließlich liegt die Strecke nur eine Autostunde von Maranello entfernt. Aber auch das Minardi-Nachfolgerteam der Scuderia Toro Rosso hat es von seiner Heimat in Faenza nicht weit zur Strecke. Ein Grand Prix auf italienischem Boden bedeutet deswegen vor allem eins: Begeisterte Tifosi, die jeden Quadratmeter Zuschauerplatz zum Ort der Verehrung für ihre Vollgas-Helden umfunktionieren.

Weniger Begeisterung löst die Streckenführung des 4,933 Kilometer langen "Autodromo Enzo e Dino Ferrari" aus: Der ständige Wechsel von kurzen Geraden und unharmonischen Schikanen beansprucht Motoren und Bremsen gleichermaßen, gilt fahrerisch allerdings als nicht besonders anspruchsvoll. Dabei nennen Fahrer wie Ingenieure immer wieder einen kritischen Punkt: Es ist elementar, eine Abstimmung zu erarbeiten, die den Piloten erlaubt, über die Randsteine zu fahren, ohne bei hoher Geschwindigkeit die Stabilität zu verlieren. Nur wer sein Auto derart abstimmt, dass das aggressive Überfahren der hohen Kerbs problemlos gelingt, wird beim Grand Prix von San Marino wirklich schnell sein. Den Renningenieuren bereiten vor allem die Randsteine in der Variante Alta und Variante Bassa Kopfzerbrechen. Während für ein sicheres und richtungsstabiles Überfahren der Kerbs weichere Feder- und Dämpferraten erwünscht sind, erfordern die schnellen Richtungswechsel in den Schikanen eine steifere Auslegung.
Darüber hinaus ist in den zahlreichen Bergauf-Passagen viel Motorkraft gefragt. Die Beschleunigung aus den Schikanen verlangt zudem nach einer guten Traktion.
Seinen klassischen Charakter als Hochgeschwindigkeitsstrecke verlor der Kurs, nachdem er nach den tödlichen Unfällen von Ayrton Senna und Roland Ratzenberger 1994 entschärft und umgebaut wurde. Aufgrund der in den Kurs eingefügten Schikanen werden die Bremsen besonders stark beansprucht, was von den Boliden nicht nur zuverlässige Bremsen verlangt, sondern auch ein perfektes Setup von Nöten macht. Zusammen mit Bahrain und Montreal ist Imola die härteste Strecke für die Bremsen. Zudem sind auf dem 'Autodromo Enzo e Dino Ferrari' die richtige Balance des Fahrzeugs sowie ein gutes Ansprechverhalten von großer Bedeutung.

Wie bei den Grand Prix in Interlagos und Istanbul wird auch in Imola entgegen dem Uhrzeigersinn gefahren, was den Fahrern zusätzlich zusetzt. Auch die Zuverlässigkeit der Boliden wird auf dem Grand Prix-Kurs in der Emilia Romagna auf eine harte Probe gestellt: Das brutale Überfahren der Kerbs - für eine schnelle Rundenzeit unverzichtbar - ist hauptsächlich für die traditionell hohe Ausfallrate in Imola verantwortlich. Größter Stressfaktor neben den Erschütterungen ist das kurzfristige Durchdrehen der Antriebsräder, wenn diese beim Sprung den Bodenkontakt verlieren, beim Landen aber schlagartig wieder Grip finden. Um die Gefahr des Überdrehens zu mindern, arbeiten die Techniker intensiv an den Drehzahlbegrenzern. Da aber auch ein übermäßiger Einsatz des Begrenzers über die Renndistanz ungesunde Vibrationen auslöst, vereinbaren die Renningenieure mit den Fahrern für das Rennen zum Teil veränderte Schaltpunkte oder eine abweichende Linienwahl.
Die Streckengeschichte
Die Motorsporttradition in Imola reicht bis in die 1940er Jahre zurück, damals fanden erste Rennen auf öffentlichen Straßen statt. Der Grundstein für die traditionsreiche Strecke in der Nähe von Bologna wurde am 22. März 1950 gelegt. Am 21. April 1952 wurde der Kurs feierlich mit einem Rennen ohne Meisterschaftsstatus eröffnet. Der Sieger war Jim Clark auf Lotus. Damals gehörten noch öffentliche Straßen zum Parcours. Das änderte sich erst 1979. Elf Jahre nach dem ersten Rennen fand der erste ein Formel 1-Lauf statt.

1970 wurde der Kurs nach Dino Ferrari benannt, der Name seines Vaters wurde 1988 nach dessen Tod hinzugefügt. Imola ist auch nach den vor einigen Jahren durchgeführten Umbauten, welche aufgrund der beiden tödlichen Unfälle von Roland Ratzenberger und Ayrton Senna 1994 notwendig wurden, ein interessanter Kurs mit einer tollen Atmosphäre geblieben. Es gibt schnelle Kurven mit hohen Ansprüchen an die Aerodynamik und andere, wo es vor allem auf Traktion ankommt. Am 3. Mai 1981 wurde der erste Grand Prix von San Marino ausgetragen, der seitdem beinahe schon traditionell den Auftakt der Europasaison der Formel-1-Weltmeisterschaft markiert.
Schon zwei Jahre nach seinem WM-Debüt stand das Rennen im Autodromo unter keinem guten Stern: Die englischen - in der Konstrukteurs-Vereinigung FOCA organisierten Teams - boykottierten den San Marino-Grand Prix, so dass die turbo-befeuerten Boliden von Renault und Ferrari den Sieg unter sich ausmachten. Nach dem Ausfall beider französischer Renner duellierten sich die Ferrari-Stars Gilles Villeneuve und Didier Pironi - zur Show, wie der legendäre Kanadier, dem der Sieg im Vorfeld versprochen war, glaubte. Doch Pironi überrumpelte den arglosen Villeneuve, der tief enttäuscht Rache schwor. Im Qualifying zum folgenden Grand Prix im belgischen Zolder setzte er alles auf eine Karte und prallte auf den ausrollenden March von Jochen Mass. Villeneuve wurde aus dem überschlagenden Ferrari geschleudert und erlag seinen Verletzungen.



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