In meiner Zeit in Japan habe ich bislang eins gelernt: Japan ist eine eigene Welt. Dennoch habe ich mich langsam dort eingelegt. Anfangs war es wirklich nicht so leicht, denn Japan ist etwas ganz anderes. Zum Glück stellt mir Toyota eine tolle Wohnung und ein Auto zur Verfügung, so dass ich immer mobil bin. Sollten sich einmal Fragen auftürmen, kann ich mich jederzeit an mein Team wenden.
Japan ist eine vollkommen andere Kultur und die Uhren ticken nicht nur wegen der Zeitdifferenz völlig anders als in Deutschland. Man hat am Anfang schon echt Probleme hier zurecht zu kommen. Ich würde mal sagen es gibt viel Neues und auch Schönes, es ist aber auch nicht unbedingt das Land wo ich mein Leben verbringen möchte.
Mein Wohnort in Gotemba ist aber sehr schön. Man kann den Mount Fuji sehr gut von meinem Wohnzimmer-Fenster aus sehen. Das ist wirklich ein gigantischer Berg. An manchen Abenden kann man unglaubliche Sonnenuntergänge erleben. So gesehen gefallen mir das Land und die Erfahrungen die ich mache ziemlich gut.
Einer der wenigen Nachteile ist, dass die Flugreisen ziemlich lange dauern. Aber das ist okay. Man gewöhnt sich irgendwann daran. In der Regel brauche ich zwei Tage, um mich an die Zeitumstellung zu gewöhnen.
Neues Land, neue Serie, neues Fahrverhalten
Neben dem Land und der Umgebung, gibt es für mich noch sehr viele weitere neue Faktoren. Zum Beispiel mein Tom's Toyota Team. Es sind alles sehr nette und aufgeschlossene Menschen und ich fühle mich bei ihnen sehr wohl. Mein Ingenieur ist schon sehr lange dabei und kennt sich wirklich sehr gut aus. Ich kann sehr viel von ihm lernen.
Im Gegensatz zu den europäischen Rennserien, sind mir die Strecken in Japan weitestgehend unbekannt. Aber es macht mir sehr viel Spaß neue Strecken kennen zu lernen. Besonders Suzuka ist für mich super gewesen. Es ist eine fantastische Rennstrecke. Leider hat man nicht so viele Testtage, was es nicht einfacher macht. Denn die anderen Topfahrer, die schon im 2. oder 3. Jahr hier fahren, kennen die Strecken aus den letzten Jahren. Allerdings lerne ich im Normalfall neue Rennstrecken recht schnell. Es sollte also kein Problem sein.
Mein F3-Auto ist dasselbe wie im Vorjahr in der F3 Euro Series, ein Dallara. Allerdings fahre ich mit einem Toyota Motor der etwas schwerer ist. Das verändert das Fahrverhalten in schnellen Kurven und beim Anbremsen. Das Auto neigt daher deutlicher zum Übersteuern.
Einen großen Unterschied machen die Reifen aus. In der japanischen F3-Meisterschaft wird mit Bridgestone-Reifen gefahren. Es sind sehr gute Reifen, die einen guten Grip-Level bieten. Allerdings muss man komplett anders damit fahren als in der Euroserie mit den Kumho-Reifen. Die Karkasse des Bridgestones ist sehr weich. Deswegen taucht das Auto beim Anbremsen stärker ein und macht das Auto damit nervöser. Man darf also nicht so hart pushen und es ist wichtig weich zu bremsen und beim Einlenken das Auto rollen zu lassen.
Der erste Sieg
Aber jetzt zum Sportlichen: Mein erstes Rennwochenende war schon ganz gut. Das erste Rennen war perfekt. Das hat schon echt gut getan gleich ganz oben zu stehen! Allerdings wäre ein Doppelsieg drin gewesen. Leider ist mir beim zweiten Rennen einer der Kollegen in der Spitzkehre beim Anbremsen ins Auto gefahren und hat dabei meinen Heckflügel abgeräumt.
Ab der 3. Runde musste ich das ganze Rennen ohne Heckflügel fahren. Da es auch noch sehr stark geregnet hat, war es nicht wirklich einfach das Auto auf der Strecke zu halten und nicht abzufliegen. Bis 3 Runden vor Schluss lag ich immer noch auf Platz 2 und erst in den letzten Runden musste ich noch Carbone und Reid vorbeilassen. Unter diesen Umständen war das schon ein gutes Wochenende.
Für den Rest der Saison bleibt es weiterhin mein Ziel, die Meisterschaft zu gewinnen. Allerdings weiß man nie was im Rennen so passiert. Aber es wäre klasse wenn es mit dem Titel klappen würde. Ich sehe etwa 4-5 Fahrer, die das Potenzial besitzen die Meisterschaft zu gewinnen. Es sind wirklich sehr starke Fahrer darunter. Einige aus der F3 Euro Series. An der Spitze wird in Japan genauso hart gefightet, wie in jeder anderen Serie.
Bereit für das erste Highlight
Mein F1-Einstieg bei MF1 Racing verlief problemlos. Ich habe mich sehr schnell an das Auto gewöhnt. Es ist zwar ein gewaltiger Unterschied zu allem, was ich bisher gefahren bin, aber trotzdem konnte ich recht schnell ans Limit gehen, was zu meinen Stärken zählt. Die Power und die Verzögerung beim Bremsen sind brutal.
Wenn ich einen F1-Boliden mit meinem F3-Auto vergleiche, ist der F1-Wagen überall um Welten besser. Der extremste Unterschied liegt in den Kurven und beim Anbremsen. Das Auto hat einen unglaublichen Grip und auch die Motorleistung ist einfach klasse.
Wie bei Tom's Toyota in Japan, hat mich auch das Midland Team sehr gut aufgenommen. Ich war zwei Tage in Silverstone um den Sitz anzupassen und um alles erklärt zu bekommen. Mit den unzähligen Lenkrad-Funktionen gibt es am Anfang viel zu lernen. Mein Ingenieur ist mir dabei sehr hilfreich gewesen und hat sich viel Zeit für mich genommen und mir einfach alles erklärt und gezeigt.
Für das neue Auto musste ich noch einmal nach Silverstone, um mir einen neuen Sitz für meinen Einsatz als Freitagstester anfertigen zu lassen. Sobald ich im Auto saß konnte ich es schon nicht mehr erwarten den nächsten Test zu fahren. Es ist einfach das größte Gefühl für mich in einem F1 zu sitzen.
Die Fabrik ist recht groß und modern. Auch wenn sie sicher im Vergleich zu den großen Werken in der F1 bescheiden ist, war es für mich beeindruckend zu sehen wie professionell Motorsport betrieben werden kann. Jetzt habe ich noch etwa einen Monat bis zu meinem ersten Freitagseinsatz. Die Vorfreude ist riesengroß. Es wird das erste wirkliche Highlight meiner Karriere.
Damit alles glatt läuft, hat das Team bereits mit mir über meine Aufgaben in den Freien Trainings gesprochen. Das endgültige Testprogramm für den Freitag, wird aber erst vor dem Rennwochenende im Detail besprochen. Bis dahin werde ich bestimmt noch das ein oder andere Gespräch mit meinen Teamkollegen führen. Die beiden haben ja schon einige Freitage gefahren und wissen schon genau worauf es ankommt.

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