Während man im Medienwald das alte Schreckgespenst großteils "vom Tisch" schreibt, wird die Herstellervereinigung GPMA nicht müde zu betonen, dass das Gespenst namens Herstellerserie immer noch lebt. Dass sich die fünf in der GPMA vertretenen Hersteller Renault, Mercedes, BMW, Toyota und Honda mit ihrer Einschreibung für die FIA-Weltmeisterschaft 2008 von der Idee einer eigenen Rennserie vollends verabschiedet hätten, will auch Mercedes-Rennleiter Norbert Haug nicht gelten lassen.

Gegenüber der dpa erklärte Haug: "Mit der Einschreibung vergibt man sich nichts. Als letzte Konsequenz bleibt immer noch eine eigene Serie, auch wenn ich die Wahrscheinlichkeit dafür als gering einschätze."

Dass es überhaupt zu der Einschreibung kam, liegt an der vorgezogenen Nennfrist, welche FIA-Präsident Max Mosley vom FIA-World Motor Sport Council absegnen ließ. Wer bis zum 31. März nicht nennt, hat in punkto Reglement kein Mitspracherecht. Kein Wunder also, dass der FIA im Kampf gegen die "Rebellen" zumindest ein Teilsieg zuerkannt wird. Haug wehrt sich gegen diese Betrachtensweise: "Ich sehe es nicht so, dass die Hersteller klein beigegeben haben. Sie fühlen sich nicht in die Knie gezwungen."

Jetzt, nachdem sie genannt haben, wollen die fünf Automobilgiganten auch ihr Mitspracherecht in Anspruch nehmen. "Man muss sich jetzt zusammensetzen und das Reglement so modifizieren, wie es den Wünschen der Mehrheit der Teams entspricht", sagt Norbert Haug. Die Streitthemen gehen in der Formel 1 niemals aus - nachdem sich zunächst Mosley für ein dreijähriges Einfrieren der Motorenentwicklung aussprach, haben Vertreter von Ferrari, Renault und Cosworth bei einem Treffen in Maranello sogar eine Version ausgeheckt, wonach die Motoren fünf Jahre eingefroren werden sollen. Gewisse Ausnahmen sollen jedoch erlaubt sein, vor allem wenn es um Maßnahmen zur Kostensenkung oder zur Erhöhung der Standfestigkeit geht. Dass diese Regelungen viel Diskussionsstoff bieten, versteht sich von selbst.

Motoreneinfrieren: Brauchbarer Ansatz mit Feinschliff-Bedarf

Norbert Haug bezeichnet das "Motoreneinfrieren" als einen "brauchbaren Ansatz", der jedoch noch einen "Feinschliff" brauchen würde. Erfreulich sei in diesem Zusammenhang jener Passus, wonach Regeländerungen nunmehr mit einer einfachen Mehrheit erwirkt werden können, fügte Haug hinzu.

Letztlich geht es hinter den Kulissen immer noch ums "liebe Geld" - die Verhandlungen zwischen der CVC, den neuen Vermarktern der Formel 1 respektive Bernie Ecclestone und den Herstellern sollen bereits weit fortgeschritten sein, es geht um das neue, ab 2008 zur Geltung kommende Concorde-Abkommen und um die Aufteilung des TV-Kuchens. Haug sagt dazu klipp und klar: "Die Hersteller sorgen für den Wettbewerb und den Kampf an der Spitze. Wir wollen einen Teil von dem Kuchen haben. Wir wollen eine klare Steigerung der Einnahmen, ein liberales Reglement und eine deutliche Kostensenkung."