Am Samstag stand Pole-Mann Michael Schumacher ganz klar im Mittelpunkt des Medieninteresses. Doch trotz seines zweiten Platzes und der Wiederauferstehung der Scuderia Ferrari, stahl ihm am Renntag ein junger Landsmann die Show: Nico Rosberg fuhr bei seinem GP-Debüt locker flockig auf den siebten Rang und holte damit seine ersten beiden WM-Zähler!
"Nico hatte einen Klasse-Einstand mit tollen Manövern", schwärmte sogar Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug. "An dem Jungen werden wir noch viel Spaß haben."
Dabei begann sein Rennen alles andere als gut: Bereits in der ersten Kurve kollidierte er mit Nick Heidfeld und drehte seinen Landsmann und Williams-Vorgänger. "Nach der ersten Kurve dachte ich schon, es ist gelaufen", blickte Nico zurück. "Ich wollte an Nick vorbei, aber da war kein Platz mehr. Auch wenn ich gehofft hatte, Nick würde mir vielleicht noch ein bisschen mehr Raum lassen. Es war aber wohl mein Fehler, da fehlt mir halt mitten im Pulk doch noch ein bisschen die Erfahrung."

Quick Nick schilderte die Situation ähnlich: "Ich habe nach dem Start mitten im Verkehr gesteckt. In der ersten Rechtskurve musste ich ganz nach innen. Dann hat mich Nico Rosberg von hinten erwischt und mein Auto umgedreht. Es war zwar zum Glück nicht so beschädigt, dass ich nicht weiterfahren konnte, aber nach der Aktion war ich natürlich ganz hinten."
Für Nick sollte das aber nicht das einzige harte Duell werden. Kurz danach duellierte er sich mit Ralf Schumacher und wenig später mit David Coulthard. Dieser Zweikampf sollte - zumindest auf dem Papier - Folgen haben: "Der Zweikampf mit David hat mir besonders viel Spaß gemacht. David kam nach dem Rennen mit einem breiten Grinsen zu mir. Er fand den Kampf auch klasse. Wir hatten uns nicht berührt, es war fair. Trotzdem habe ich von den Sportkommissaren nach dem Rennen eine Verwarnung bekommen."
Das Potenzial des Teams kann Nick nach dem ersten Rennen nur "schwer" einschätzen. "Aber es ist natürlich enttäuschend, von Startplatz zehn keine Punkte geholt zu haben. Nach dem Qualifying waren wir positiv überrascht, unser Speed im Rennen war eher eine negative Überraschung."
Aber zurück zum Mann des Tages: "Sicher war das ein toller Auftakt und es zeigt sich auch, dass das Team und das Auto eine Menge Potenzial haben", freute sich Nico Rosberg. "Aber man sollte jetzt auch nicht zu euphorisch werden." Die tollen Überholmanöver gegen Christian Klien und David Coulthard haben ihm einen "Riesenspaß" gemacht. "Ich habe vorher immer gehört, es ist unmöglich in der Formel 1 zu überholen - aber es geht."
Das erfuhr Christian Klien am eigenen Boliden. "Es ist eine Schande, dass mich Nico im Verlauf der letzten Runden überholte, denn deshalb fiel ich in der Schlussphase vom siebten auf den achten Platz zurück", trauerte der Vorarlberger einem Zähler nach. Ansonsten war er jedoch zufrieden. "Nach all den Problemen, unter denen wir im Winter litten, ist es großartig, dass heute beide Autos ins Ziel kamen. Zu Beginn lief es gut, und ich konnte ein paar Plätze gutmachen. Später gelang es nicht, das Tempo beizubehalten. Ich verlor etwas Zeit - der Wagen schien Grip zu verlieren. Außerdem hatte ich ein Problem mit der Kupplung."
Noch schlimmer erwischte es Ralf Schumacher. "Dieses Wochenende war von Anfang an ein harter Kampf", ließ der Toyota-Pilot nach seinem katastrophalen Saisonstart wissen. "Nach den Problemen im Qualifying, nutzten wir den Nachmittag als Testsession, um wichtige Daten für die kommenden Rennen zu sammeln. Ich war auf einer Dreistoppstrategie und Jarno auf zwei Stopps. Auf diese Weise können wir versuchen so viel wie möglich über unser neues Paket zu lernen."

Und dann war da noch einer: "Was soll ich sagen? Es ist so schön und so schade zugleich!", sagte Michael Schumacher nach seinem zweiten Platz. "Ich meine, wenn uns im Winter jemand erzählt hätte, dass wir im ersten Rennen Zweiter werden, hätten wir das nie geglaubt und wären extrem glücklich darüber gewesen, und natürlich sind wir sehr glücklich über dieses Ergebnis. Es ist klasse! Aber dann, wenn man bedenkt, wie eng es dann doch war, wäre ich natürlich gerne vorne geblieben und hätte auch gewonnen."
Ein Rennfahrer will eben immer gewinnen, insbesondere wenn er in einem Ferrari sitzt und er schon sieben WM-Titel eingefahren hat. "Ich habe durch das Qualifying eine Runde verloren, als ich wegen Verkehrs zu langsam war – und nun zu sehen, dass diese Runde am Ende rennentscheidend war, ist schon schade. Trotzdem, heute ist ein wundervoller Tag, denn wir haben gesehen, dass wir ein sehr gutes Auto haben. Ein Auto, das wir über die Saison hinweg weiter entwickeln können, und das ist sehr wichtig. Denn in dieser Saison wird der Wettkampf sehr hart sein. Aber wir sind dabei, und das ist schön zu wissen."



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