Auch in Brasilien wird im ersten Training am Freitag wieder Colton Herta für 60 Minuten im Cadillac sitzen. Der Grund ist inzwischen offensichtlich: Das Team nutzt diese Trainings-Einsätze, um Herta die letzten nötigen Superlizenz-Punkte und damit eine Formel-1-Starterlaubnis zu verschaffen. Das Beharren darauf zieht die Zukunft von Valtteri Bottas inzwischen stark in Zweifel. Der Finne kontert darauf vor dem Brasilien-Wochenende.

Warum sollte Cadillac schließlich zusätzliche Trainings für Herta ansetzen? Sein Pflichtprogramm mit den vier vom Reglement verlangten Rookie-Trainings hatte der Amerikaner eigentlich schon beim USA-GP beendet. Doch diese vier Trainings reichen wegen seiner zugleich enttäuschenden Formel-2-Saison nicht für die Superlizenz. Ihn in Mexiko und in Brasilien erneut Trainings fahren zu lassen, ist die Folge.

Das befeuert die ohnehin schon anhaltenden Gerüchte über die Zukunft von Valtteri Bottas. Zuletzt hatten sowohl Teamchef Marcin Budkowski als auch Team-CEO Dan Towriss selbst bei expliziten Nachfragen auf eine Cockpit-Garantie für Bottas verzichtet. Hertas Name steht auf der Liste der Alternativen. Auch die Namen des von Haas gefeuerte Esteban Ocon oder des Mercedes-Testfahrers Fred Vesti geistern umher.

Valtteri Bottas überrascht: Bin nicht zum Fight ums Cockpit bei Cadillac

"Ich bin ziemlich überrascht von dem ganzen Lärm, denn ich kenne meine Situation, und vom Team kommt nur, dass sie zufrieden mit dem sind, was ich mache", zeigt sich Bottas am Donnerstag in Brasilien irritiert davon. "Ich denke, es ist ziemlich klar. Wir haben aktuell größere Probleme als die Fahrer, die es zu lösen gilt. Mexiko ist ein gutes Beispiel." Mehr über den Grund für Bottas' heftigen Unfall nach Aufhängungsschaden gibt es hier:

"Sehr seltsam" wäre für Bottas jetzt daher ein Fahrerwechsel. "Deshalb glaube ich nicht, dass sich meine Situation ändern wird. Das war immer der Deal. Das ganze Jahr über habe ich Anweisungen befolgt. Manchmal war es sehr klar, dass ich versuche, das Auto bloß ins Ziel zu bringen. Leute außerhalb sehen vielleicht das große Ganze nicht. Daraus entstehen Kritiker, das ist normal in diesem Sport."

Wiederholt betont Bottas in diesem Jahr, dass sein großer Rückstand zu Teamkollege Sergio Perez oftmals durch die experimentellen Umstände im Team zustande kommt. Als Neueinsteiger muss Cadillac noch viele Probleme aussortieren, und zu diesem Zweck fahren die Fahrer oft unterschiedliche Programme, manchmal sogar unterschiedliche Teile. Erst in Mexiko wurde Bottas im Qualifying als Windschattenhelfer für Perez abgestellt und lag deshalb eine Sekunde zurück.

"Die Leute, die es wissen müssen, die wissen das, so denke ich, und ich habe auf dieser Seite Unterstützung", meint Bottas. "Sie wissen, dass ich liefern kann, wenn ich das Auto dazu habe. Bis jetzt haben sie mir nur noch kein so ein Auto gegeben. Und das war im ersten Jahr immer zu erwarten."

"Ich kam mit dem Mindset hierher, die Dinge für die Zukunft zu verbessern, Probleme zu lösen", unterstreicht Bottas. "Definitiv nicht mit dem Mindset, um meinen Sitz zu kämpfen. Das war das ganze Jahr über nicht in meinem Kopf. Es drehte sich alles darum, die Dinge für nächstes Jahr zu verbessern und hoffentlich ein stärkeres Auto zu haben."

Bottas sicher, aber Cadillac-F1-Chef vage: Wir haben keine Eile

Bottas sprach erst nach dem Rennen in Mexiko erneut mit Team-CEO Dan Towriss auch darüber: "Mein letzter Stand ist, dass sie nicht darauf aus sind, etwas zu ändern. Die Dinge müssen lediglich noch vom Vorstand bestätigt werden. Das ist alles."

Towriss hatte sich vor dem Mexiko-Wochenende zuletzt gegenüber dem US-Medium 'Racer' vage gegeben: "Wir lieben Valtteri, und er hat alles getan, was wir von ihm erbeten haben. Und ich sehe auch wirklich, wie er die Herausforderung annimmt. Ich sehe gerne, wenn wir auf die Fahrer blicken, wie er unter Druck reagiert."

"Dass wir darüber sprechen, erhöht natürlich den Druck auf den Fahrer, und Valtteri dabei zuzusehen, wie er darauf reagiert - er ist ein absoluter Profi", so Towriss. "Er wird kämpfen, kämpfen, kämpfen, und wir lieben alles, was er tut. So sind wir nicht in Eile, hier irgendeine Entscheidung zu treffen. Wir werden uns einfach auf das Rennfahren konzentrieren." Während das Gerücht umgeht, wonach die Eigentümer TWG, die Towriss vertritt, womöglich Anteile verkaufen wollen. Mehr dazu gibt es hier: