Vielleicht sollte McLaren diese Formel-1-Saison hier einfach beenden und es nächstes Jahr erneut versuchen. Nachdem der noch amtierende Konstrukteursweltmeister seit dem Ende der Europasaison mit einem Leistungsabfall zu kämpfen hat, erlebt McLaren im Mexiko-Qualifying den Supergau eines jeden Top-Teams: Oscar Piastri schafft es nicht einmal mehr ins Q3.

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"Ziemlich schlecht", bewertet Piastri, der genau vor einem Jahr in Mexiko die WM-Führung an seinen Teamkollegen und späteren Weltmeister Lando Norris verlor, seine eigene Leistung. Sein Qualifying-Ergebnis kann man sich auch nicht schönreden: Fast vier Zehntel fehlten ihm im Q2 auf die Top 10, damit war er dem Aufstieg nicht einmal nah.

Und das, obwohl er im Q1 mit Platz vier noch ziemlich solide aussah. Was lief schief? "Ich weiß wirklich nicht, was passiert ist", ist Piastri selbst mit der Frage überfordert. "Ich weiß nicht, was sich geändert hat. Es ist so komisch. Bis zum Q2 hat sich alles ziemlich gut angefühlt, um ehrlich zu sein." Auch seine erste Runde im zweiten Segment war nicht schlecht für eine erste Runde. Es scheiterte an der Verbesserung.

Warum hatte Piastri in Q2 keinen Grip? Teamchef liefert Erklärung

Piastri kam wie jeder Fahrer nach seiner Sicherheitsrunde an die Box, um sich neue Soft-Reifen abzuholen. Ab da ging es bergab. "Ich hatte in Q2 ohne Grund keinen Grip", beschreibt der Australier das Hauptproblem. "Die Balance, die ich zu Beginn des Qualifyings hatte, war komplett anders als bei meinem letzten Versuch in Q2."

Im ersten Qualifying-Abschnitt hatte Piastri mit Untersteuern zu kämpfen. Anschließend nahm das Team einige geringfügige Setup-Änderungen vor, "aber nichts, das so einen großen Unterschied erklären würde", ist sich Piastri sicher. Plötzlich übersteuerte sein MCL40 in Kurve sieben massiv. Er musste die Runde abbrechen. Sein Renningenieur wies ihn am Funk darauf hin, dass sein Bremsvorgang wohl zu hart war. "Du darfst das Auto mit der Bremse nicht zu sehr beunruhigen", meinte Tom Stallard.

Der zweite Versuch auf diesem Reifensatz verlief besser: Diesmal blieb der Snap in Kurve sieben aus, aber mit einer Verbesserung von lediglich einer Zehntel reichte es nur für Platz 13. "Das Problem bei Oscars zweitem Anlauf war, dass die Reifen in den eineinhalb Cooldown-Runden nicht genügend abkühlten", erklärt McLaren-Teamchef Andrea Stella. "Das ist sehr komisch und ist ein Problem mit der Charakteristik des Autos."

Um auf dem überholfeindlichen Autódromo Hermanos Rodríguez in die Punkteränge vorzukommen, braucht Piastri einen guten Start: "Ich weiß nicht mehr, was wir noch groß ändern sollten. Wir können am Setup auch nicht viel ändern. Deshalb bleibt uns nur ein Angriff in Kurve eins. Hoffentlich können wir da ein paar Positionen gutmachen."

Norris von MCL40 gebrochen: "Ich freue mich über P6"

Auf der zweiten Garagenseite lief es besser, aber nicht viel. Für Weltmeister Lando Norris schaute in Mexiko nur Startplatz sechs heraus. Entgegen den Erwartungen ist er damit jedoch zufrieden: "Uns ist nichts durch die Finger geglitten. Die Runde, die ich abgeliefert habe, war ziemlich phänomenal für das Auto, das wir haben. Deshalb freue ich mich über P6."

Ah, Galgenhumor. Norris hat die Phase der Frustration hinter sich gelassen und ist nun bei ironischer Akzeptanz angelangt. Der MCL40 ist so schrecklich, dass er den Weltmeister gebrochen hat. "Dass Oscar so weit hinten ist, zeigt, wie schwer wir es haben, wie schwierig es ist, mit diesem Auto einfach nur eine Runde aufzustellen", nimmt er seinen Teamkollegen in Schutz. Das willkürliche Verhalten des McLaren-Boliden ist nun schon länger ein Problem, aus dem niemand beim Team einen Hehl macht.

"Du weißt nie, was du bekommst", so Norris, der tatsächlich kurz als Kandidat die Pole Position im Gespräch war. In Q2, während sein Teamkollege nicht unter die Top 10 kam, führte er das Feld an. Doch da wusste der Brite schon, was ihn erwarten würde: "Nachdem ich meine Runde in Q2 gefahren bin, wusste ich, dass ich für Q3 am Arsch bin. Es war unmöglich, dass ich diese Runde wiederhole."

Norris rechnet ab: Nur 1 von 50 Runden magisch - Hoffnung ist schlecht

Während Piastri bereits die gesamte Saison über Schwierigkeiten hat, hat Norris immer wieder kleine Lichtblicke wie seine Leistung in Q2 oder die Bestzeit im dritten Freien Training zu bieten. Genau das sei aber ein Problem, ist der Weltmeister überzeugt: "Hin und wieder kann ich eine magische Runde aufstellen und dann hat jeder wieder ein bisschen Hoffnung. Aber das ist nichts Gutes, denn dann holt dich die Realität ein."

"In vielleicht einer von 50 Runden bringe ich etwas zusammen und dann sagt jeder: 'Oh, du hast ein gutes Auto', aber das ist nicht wahr. Wir sind zu langsam", rechnet er mit dem MCL40 ab. Dem Papaya-Boliden fehlt es laut Norris in jeder Kurve. Sie würden nur in den ersten drei Kurven zwei Zehntelsekunden pro Runde auf die Konkurrenz verlieren. "Diese Lücke kann ich unmöglich schließen."

Nur in Kurve sieben, die Stelle, an der sein Teamkollege verzweifelte, sei er gut. Die Q2-Bestzeit sei auch nur zustande gekommen, weil er in Kurve 12 Gegenwind hatte und deshalb nicht so stark bremsen musste – da wären wir wieder beim Bremsproblem. "Auf meiner nächsten Runde habe ich versucht, mit der gleichen Geschwindigkeit in die Kurve zu fahren. Dann habe ich das Heck und eine Zehntel verloren", kritisiert Norris weiter. "Wenn ich auf die Onboards der anderen schaue, verblüfft es mich, wie wir manchmal so schnell sein können."

Beim Weltmeister hat sich offenbar erheblicher Frust angestaut. Doch auch der Teamchef zeigt sich mit den Leistungen seiner Fahrer unzufrieden, wie er durchblicken lässt. "Das Team übernimmt die volle Verantwortung. Wir müssen sicherstellen, dass das technische Material, das wir zur Verfügung stellen, komplett ausgenutzt werden kann", schickt Stella zuerst voraus. Dann kommt das Aber: "Gleichzeitig haben wir Material, das konkurrenzfähiger ist als P6 und P13 im Qualifying. Es ist schwierig, 100 Prozent herauszubekommen, aber sowohl das Team als auch die Fahrer tragen die Verantwortung, mit dem abzuliefern, was wir haben."

Lando Norris fiel in Mexiko nicht nur wegen seiner unterdurchschnittlichen Leistung auf: Er könnte auch dafür verantwortlich sein, dass Max Verstappen die Pole Position flöten ging. Wie der Red-Bull-Fahrer die Situation einschätzt, erfahrt ihr in diesem Artikel: