544 Punkte trennen Mercedes und Williams in der Konstrukteursweltmeisterschaft. Auch wenn James Vowles schonungslos zugibt, dass die Fehler, die das Team über den Winter gemacht hat, in seiner Verantwortung liegen, prangert er die aktuelle Zweiklassengesellschaft in der Formel 1 an. Laut dem Williams-Teamchef teilen die vier Top-Teams die fetten Punkte unter sich auf, während sich die restlichen sechs Rennställe mit den Krümeln begnügen müssen.

"Wenn man die vergangenen 15 Jahre des Sports betrachtet und die fünf Jahre mit Budgetobergrenze herausnimmt, dann holen die vier Topteams aktuell 83 Prozent aller Punkte. Davor lag dieser Wert irgendwo im Bereich von 70 Prozent. Mit anderen Worten: Wir haben die Situation verschlechtert", kritisiert Vowles. Ein Blick auf die aktuelle WM-Tabelle unterstreicht seine Aussage. Vor dem Singapur GP liegt Racing Bulls als "Best-of-the-Rest" bereits 466 Punkte hinter Mercedes.

Die Formel 1 fährt in Singapur. Wann findet das Freie Training statt? Wann beginnt das Qualifying und der Große Preis von Singapur? Findet ein Sprint statt?

Budgetobergrenze: Ein Ziel übertroffen, zweimal gescheitert

2021 wurde die Budgetobergrenze in der Formel 1 mit dem Ziel eingeführt, finanzielle Nachhaltigkeit, sportliche Chancengleichheit und eine Annäherung des Feldes zu schaffen. Laut Vowles hat der Sport das erste Ziel zwar übertroffen, ei bei den anderen beiden jedoch gescheitert. 2026 liegt die Budgetobergrenze bei ca. 215 Millionen US-Dollar. Logistik, Entwicklung, Produktion, Simulationen und der Testbetrieb fallen unter die Budgetobergrenze oder auch Budget Cap. Ausgenommen sind Ausgaben wie Fahrergehälter sowie die Bezüge der drei bestbezahlten Mitarbeiter eines Rennstalls.

Das führt bei den Teams zu einer schwierigen Abwägung: Stellt man zusätzliches Personal ein oder investiert man lieber direkt in die Performance des Autos? Daraus hat sich laut James Vowles eine Zwei-Klassen-Meisterschaft entwickelt, in denen die kleineren Teams kaum Möglichkeiten haben, zur Spitze aufzuschließen. Vowles, der mit Mercedes zwischen 2014 und 2021 sieben Fahrer- und acht Konstrukteurstitel in Folge holte und sich nun bei Williams am anderen Ende der Tabelle wiederfindet, verdeutlicht das Kernproblem.

Ferrari-Strategiefail? Danner: Hamilton war Extraklasse! (03:42 Min.)

"Ich bin vom besten Team zum schlechtesten Team gewechselt und was ich realisiert habe, ist, wie wenig Infrastruktur dort teilweise überhaupt vorhanden ist. Erst als ich zu Williams gekommen bin, habe ich verstanden, wie die Budgetobergrenze einen bei der Arbeit, die man leisten muss, benachteiligt. Dieses Geld fließt nicht ins Auto, nicht in einen Frontflügel und nicht in ein Update. Es fließt in Systeme, die ich allein dafür brauche, um die grundlegendsten Dinge erledigen zu können", so Vowles.

Toto Wolff klagt über fehlendes Geld für die Weiterentwicklung des Mercedes F1-Boliden. Bei Ferrari und McLaren sieht die finanzielle Lage ganz anders aus. Aber woran liegt das? Mehr dazu in diesem Artikel:

F1-Teamchef warnt vor Teufelskreislauf

Je länger dieser Zustand anhält, desto größer wird das Risiko einer dauerhaften Spaltung des Feldes. Für die kleineren Teams droht ein Teufelskreis: Ohne Aussicht auf Top-Platzierungen sinkt die Attraktivität für Sponsoren und Investoren, was den Fortschritt bremst und den Wert der Teams stagnieren lässt. Doch wie könnte die Lösung aussehen? "Die Lösung besteht nicht darin, die Budgetobergrenze abzuschaffen. Aber wir müssen darüber nachdenken, welche Mechanismen wir innerhalb dieses Systems benötigen, um sicherzustellen, dass wir alle mit denselben Werkzeugen und unter denselben Voraussetzungen arbeiten. Denn heute ist das nicht der Fall", betonte der Williams-Teamchef.

Er schlägt ein gestaffeltes Aufholsystem (sliding scale) innerhalb des Budget Cap vor, das es Teams außerhalb der Top-4 erlaubt, mehr Geld auszugeben. Geht es nach Vowles, sollte diese Regelung bereits 2027 in Kraft treten. Doch bevor sein Vorschlag Realität werden kann, muss das Thema bei der nächsten Sitzung der F1-Kommission eingebracht werden. Für eine Regeländerung ab 2027 ist zum jetzigen Zeitpunkt eine Supermehrheit erforderlich – also die Zustimmung der FIA, der FOM sowie von mindestens sechs der zehn Teams (Williams und fünf weitere). Für Anpassungen ab 2028 reicht eine einfache Mehrheit (FIA, FOM und vier Teams).

Mercedes musste in Malaysia ohne Kühlwesten auskommen. Dem System fehlt die Zuverlässigkeit und auch ein Cost-Cap-Zugeständnis der FIA löst das Problem nicht. Mehr dazu in diesme Artikel: