Bislang ist Zandvoort definitiv nicht das Formel-1-Wochenende des Kimi Antonelli. Der WM-Führende beendete nach Sprint-Qualifying und Sprint nun auch am Samstag das reguläre Qualifying erneut hinter Teamkollege George Russell. Eine Serie an kleinen Fehltritten wird ihm danach erst so richtig akut bewusst.
Antonelli hatte im 1. Training am Freitag eigentlich noch entspannt begonnen und direkt die Bestzeit gefahren: "In FP1 fühlte ich mich gut. Dann hatte ich gestern natürlich den Fehler im Qualifying." Schon in SQ1 - wo ein Weiterkommen in einem Mercedes eine ganz einfache Übung sein sollte - rutschte er unnötig ins Kies, beschädigte sich den Unterboden und musste das restliche Sprint-Qualifying mit einem beschädigten Auto leben.
"Das hat mir definitiv Selbstvertrauen weggenommen", analysiert Antonelli am Samstag. Ein ganzes Sprint-Qualifying mit einem Schaden und schlechter Balance, daraus entstand als Konsequenz zwangsweise ein ganzer Sprint im Verkehr und ein unscheinbarer vierter Platz.
Kimi Antonelli lässt sich von Zandvoort-Nieselregen verschrecken
"Und heute im Qualifying hatte ich - primär, weil das Gefühl im Auto nicht wirklich da war - immer noch Probleme damit, in den Rhythmus zu finden und Rundenzeiten abzuliefern", meint Antonelli. "Vor allem in Sektor 3 und in der Schikane." Er brauchte bis Q3, um die Balance des Autos zu verstehen und mit Feinabstimmungen in den Griff zu bekommen.
Und als er schließlich meinte, zu wissen, was er in Q3 für eine Pole-Attacke tun musste, tauchten auf dem letzten Versuch Regentropfen auf. Mercedes stellte für beide Fahrer die Reifenvorbereitung um und verzichtete auf die zusätzliche Vorbereitungsrunde, die man davor das ganze Wochenende stets raus aus der Box gefahren war. Das alles schien Antonellis Rhythmus sofort wieder zu brechen.
"Auf der letzten Runde habe ich in der ersten Kurve einen Fehler gemacht und bin es zu locker angegangen, als ich den Regen auf dem Visier gesehen hatte, das war ein richtig mieser erster Sektor", nimmt sich Antonelli in die Pflicht. Der Regen war nämlich reine Kopfsache, nichts außer ein paar Tropfen auf dem kalten Visier. Der warme Asphalt hatte ausreichend Grip, um Verbesserungen zuzulassen.
Wegen seines Zögerns hatte Antonelli nach drei Kurven über zwei Zehntel Rückstand auf Teamkollege George Russell, der sich von den paar Tropfen nicht beeindrucken ließ. Über die Runde hinweg holte er zwar wieder etwas auf, doch am Ende trennten ihn 31 Tausendstel von Russell. "Schade, ich dachte die Pole wäre drin gewesen." Stattdessen ist es P3, mit Russell auf P2 und Lando Norris 0,133 Sekunden weiter vorn auf Pole.
Kimi Antonelli will Zandvoort zum Weckruf im WM-Kampf machen
P3, da ist zwar noch nichts verloren, aber Russell zeigte mit Sprint-Pole, Sprint-Sieg und Startplatz zwei für den Grand Prix, wie viel mehr im Mercedes steckte. Das wiederum ist Antonelli nicht entgangen. Zum ersten Mal schafft das für ihn das Bewusstsein, dass er sich voll im WM-Kampf befindet, in dem alle inzwischen wegen eines riesigen Vorsprungs von aktuell 53 Punkten auf den ersten Verfolger davon sprechen, dass er es nur mehr selbst verlieren kann.
"Nein, Druck spüre ich keinen, aber dieses Wochenende war ein sehr guter Weckruf", ist Antonelli ehrlich. "Dass du es nie locker angehen darfst. Wenn du das tust ... ich habe gestern einen Fehler gemacht, heute einen Fehler in Q3."
"Ist jetzt nicht so, dass ich dieses Wochenende angespannter fahren würde, aber es ist ein guter Weckruf, um die Dinge wieder auf Schiene zu bringen und Ergebnisse dann abzuliefern, wenn es zählt", findet Antonelli. Von P3 aus soll das im Rennen durchaus möglich sein: "Die Rennpace war [im Sprint] gut, wir steckten nur in verwirbelter Luft. Morgen werde ich versuchen, einen guten Start zu haben und dann ein gutes Ergebnis einzufahren."



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