Montag: Der neue McLaren Mercedes MP4-21 erlebt sein Testdebüt. Dienstag: Der neue Ferrari 248 F1 wird präsentiert. Mittwoch: Der neue Honda RA106 erwacht zum Leben.
"Wir möchten Rennen gewinnen. Das ist Plural..." An dieser Aussage werden das neue Honda-Werksteam, sein Teamboss Nick Fry und der neue RA106 gemessen werden.
Aber nicht nur Fry sorgte bereits im letzten Jahr für hohe Erwartungen: Beinahe jeder Verantwortliche beim ehemaligen British American Racing Team, welches seit dem letzten Jahr zu 100% im Besitz von Honda ist, hat sich Siege und noch mehr zum Ziel gesetzt.
"Im kommenden Jahr werden wir wieder um die Weltmeisterschaft kämpfen und würden gern so bald wie möglich Rennen gewinnen", kündigte Honda Racing Präsident Yasuhiro Wada an. "Und darum werden wir 2006 mit aller Kraft kämpfen."

Sportdirektor Gil de Ferran hielt die angekündigten Siege ebenfalls für realistisch. "Wir haben in jedem Fall zwei Fahrer, die Rennen gewinnen können, und ich bin zuversichtlich, dass die Entwicklungs- und Rennteams nicht nur gute Wagen produzieren, sondern sie auch gut genug fahren können, um dieses Ziel zu erreichen."
Noch deutlicher brachte Technikchef Geoffrey Willis die Maxime der Honda-Truppe zum Ausdruck: "Rubens und Jenson sind die besten Fahrer, die wir jemals hatten. Außerdem haben wir offensichtlich einen leistungsstarken Honda-Motor, und ich glaube, dass wir ein sehr gutes Fahrwerk haben. Folglich dürfte 2006 eines der besten Jahre werden, das wir jemals hatten." Die Schlussfolgerung lautet demnach: "Wir müssen 2006 unbedingt Rennen gewinnen. Wir müssen aber nicht nur lernen, wie man gewinnt, sondern wie man regelmäßig gewinnt."
Honda Racing Vizepräsident Otmar Szafnauer denkt sogar schon weiter als nur an Rennsiege: "Wir möchten 2006 schon Rennen und 2007 die Meisterschaft gewinnen - das sind unsere Ziele."
Das Auto: RA106
Das Werkzeug um diese zu erreichen ist der neue RA106, der am Mittwoch um 9:00 Uhr in Barcelona enthüllt wird. Das Arbeitsgerät von Jenson Button und Rubens Barrichello soll dabei laut Willis "optisch deutlich" anders als der BAR007 aussehen.
"Da wir [durch die Einführung von V8-Motoren] ziemlich viel Leistung verloren haben, ist eine effiziente Aerodynamik noch wichtiger geworden. Wir haben an der Verbesserung des Abtriebs gearbeitet, aber auch eine deutliche Verringerung des Luftwiderstandes erzielen können."
Zudem glaubt Willis, dass man die Aerodynamik des Vorjahresautos mittlerweile "viel besser" verstehe und somit den neuen Wagen "aerodynamisch viel moderner" gestalten konnte. "Wir haben in diesem Bereich sehr starke Verbesserungen erzielt."
Ein weiterer Ansatzpunkt ist der kompaktere V8-Motor, der laut Chefdesigner Kevin Taylor "der Aerodynamikgruppe einige neue Möglichkeiten" geboten hat. "Dieser Motor benötigt ja nur vier Auspuffrohre an jeder Motorseite, und deshalb steht in diesem Bereich jetzt viel mehr Platz zur Verfügung als beim V10-Motor."

"Ein 90 Grad-V8 Motor ist außerdem nicht so gut ausbalancierbar wie ein V10-Motor, so dass in bestimmten Drehzahlbereichen spürbare Vibrationen auftreten werden", nennt er eines der großen V8-Probleme. "Folglich konzentrierten wir uns vor allem darauf, wie wir die empfindlichsten Teile des Wagens vor Vibrationen schützen können."
Der Motor: RA806E
Damit wären wir beim neuen Achtzylinder-Aggregat von Honda. Dieses hört traditionell auf den Namen RA806E. Das Fahrzeug in dem es für Antrieb sorgen wird, wurde hingegen ebenfalls in alter Tradition RA106 genannt.
"Wir haben mit dem Konzept begonnen, nachdem die neue Regelung vor fast einem Jahr eingeführt wurde. Wir haben im April einen Motor in Mugello getestet, um die unterschiedlichen Fahreigenschaften eines V8-Motors und seine Wechselwirkung mit dem Fahrwerk zu untersuchen", blickt Wada auf das V8-Projekt zurück. Der endgültige wurde bereits im Dezember im neuen Conzept Car eingesetzt.
Der V8 sei jedoch kein V10-Motor, bei dem einfach zwei Zylinder weggelassen wurden. "Es handelt sich um einen völlig neuen Motor", betont Wada. "Die beiden Motoren haben ganz unterschiedliche Eigenschaften, und es gibt außerdem neue Regelungen über das Mindestgewicht und die minimale Kurbelhöhe sowie Beschränkungen bei der Auswahl einiger bestimmter Materialien. Folglich ist der V8 ein völlig neues Konzept."
Dennoch muss Wada zugeben, dass Honda "lieber mit einem V10-Motor" fahren würde. "Folglich ist es in gewisser Weise ziemlich schade, dass wir einen V8-Motor einsetzen müssen."
Für Neuzugang Rubens Barrichello entpuppte sich das neue Fahrgefühl sogar als "großer Schock": "Das erste Gefühl war ein Schock. Ich konnte mich überhaupt nicht daran gewöhnen."
Die Fahrer: Button gegen Barrichello
Mit Rubens Barrichello und Jenson Button stellt das neue Honda Werksteam in der kommenden Saison eine der nominell stärksten Fahrerpaarungen. Allerdings wird das B&B-Duo auch unter besonderer Beobachtung stehen: Bislang konnte keiner der beiden Fahrer die hohen Erwartungen an sie erfüllen.
Während Rubens Barrichello in seiner ersten Rolle nach der Nummer 1B-Position bei Ferrari beweisen muss, dass er tatsächlich genauso gut oder sogar besser als der siebenfache Champion Michael Schumacher ist, muss Button endlich den Vorschusslorbeeren als angeblicher Titelkandidat Taten folgen lassen.

Da scheinen Teaminterne Spannungen geradezu vorprogrammiert zu sein. Sportdirektor Gil de Ferran hat deswegen allerdings keine Bedenken. Im Gegenteil: Er freut sich sogar darauf!
"Jedes Team hätte gerne das Problem zwei Top-Fahrer zu haben die um die Spitze kämpfen", sagt der Brasilianer. "Es ist wie mit den Steuern: Man zahlt nur dann welche, wenn man auch Geld verdient. Und Geld zu verdienen ist eine gute Sache."
Auf die Formel 1 übertragen soll dies bedeuten: Man bekommt nur dann Ärger mit zwei erfolgreichen Piloten, wenn beide erfolgreich sind. "Das Problem entsteht nur", so de Ferran, "wenn beide um Siege und Podestplätze kämpfen. Ein solches Problem würde ich gerne haben."
Eine pauschale Lösung für das interne Duell wird es jedenfalls nicht geben: "Es wird keine klare Nummer 1 oder Nummer 2 geben", stellte der Sportdirektor klar. "Wir werden beide Fahrer mit dem gleichen Material versehen."
Jetzt bleibt nur noch abzuwarten, ob der RA106 und vor allem dessen Schöpfer ihre großen Versprechen von Siegen im Plural auch einhalten können. Denn schon vor einem Jahr posaunten Button, Willis & Co ähnliche Ziele von Siegen heraus. Danach sammelten sie in der gesamten ersten Saisonhälfte keinen einzigen Punkt.



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