Wann haben Sie mit dem V8-Projekt begonnen?

Luca Marmorini: Als wir unser V8-Projekt beschlossen haben, wollten wir den Motor noch vor der Sommerpause 2005 im Auto testen. Das war unser Ziel. Normalerweise benötigt man für einen neuen Motor acht Monate für das Design und die Produktion sowie weitere vier Monate Entwicklung auf dem Prüfstand. Also begannen wir acht Monate vor Februar 2005, dem ersten geplanten Prüfstandtest, mit dem Design des Motors. Nach einer Weile veränderte die FIA die Regeln, weswegen wir unser Design daran anpassen mussten. Wir mussten also noch einmal anfangen und der Februar-Termin rutschte in den März. Am 21. März ließen wir den Motor dann zum ersten Mal an.

Wie verlief der erste Test auf der Strecke?

Luca Marmorini: Der erste Test im Interimsauto war im Juli in Jerez. Zu dieser Zeit durften wir nicht mit mehr als zwei Autos gleichzeitig fahren, weswegen der V8 nur fahren konnte, wenn eines der V10 Autos in der Box blieb. Es gab nicht viel Zeit, aber es war ausreichend um einige Tests zu bestreiten und zu lernen. Wir legten an mehreren Tagen rund 1.000 Kilometer zurück. Es war ein ziemlich kurzer Test, aber wir konnten noch vor der Testpause im August einige Änderungen vornehmen. Danach kehrten wir Ende September auf die Teststrecke zurück. Dann kam die Testpause im Oktober. Ende November waren wir dann mit einer rennbereiten Version des Motors fertig.

Wie viel wurde vom V10 übernommen?

Luca Marmorini: Unsere Philosophie besagte, dass wir keine tragenden Teile vom V10 verändern wollten, außer es brachte uns einen deutlichen Leistungsvorteil oder war unumgänglich. Wir konnten die meisten internen Teile übernehmen und einige haben die gleiche Zeichnung wie beim V10. Auf diese Weise konnten wir uns auf die neuen Dinge beim V8 konzentrieren. Toyota hat aus den USA große Erfahrung mit V8-Motoren, aber wir haben uns auf die neue Herausforderung konzentriert einen V8 auf 19.000 Umdrehungen zu bringen. Ich denke, dass war die richtige Entscheidung. Wenn wir den V8 und den V10 öffnen und hineinschauen könnten, dann würden Sie erkennen, dass diese Motoren von den gleichen Leuten gebaut wurden.

Was hat sich seit dem ersten Test im Juli am meisten verändert?

Luca Marmorini: Die gesamten hydraulischen Systeme und die Anbringung im Auto wurden auf Basis unserer V10-Erfahrungen durchgeführt. Beim ersten Test hatten wir große Probleme mit den Systemen, da die Vibrationen sehr stark waren. Wenn die Hydraulik nicht mehr richtig funktioniert, dann kann man nicht Gas geben und deshalb mussten wir alles modifizieren. Der V10 vibrierte auch, aber wir mussten unser System und die Aufhängung an die neuen Vibrationen anpassen. Als wir den TF106 im November fuhren, blieben wir kein einziges Mal wegen der Motoraufhängung stehen. Somit konnten wir uns auf die Motor-Zuverlässigkeit und Performance konzentrieren. Zudem passte der Motor in der Juli-Spezifikation nicht in das 2006er Auto. Deshalb mussten wir kleinere Modifikationen am Getriebe vornehmen. Im Bezug auf die Schlüsselkomponenten und internen Teile ist es aber der gleiche Motor gewesen.

In diesem Jahr gibt es zum ersten Mal ein Mindestgewicht von 95kg. Wie mussten Sie sich daran anpassen?

Luca Marmorini: Sagen wir es so: Wenn wir den Motor von den Prüfstandsversuchen im März wiegen würden, dann war dieser im Bezug auf das Gewicht eher ein F1-Motor als jener den wir jetzt einsetzen. Die internen Teile sind die gleichen, aber der Motor aus dem März wurde mit der 2005er Technologie gebaut und war sehr leicht. So hätte unser Motor aus der Saison 2005 das 2006er Reglement für die V8 nicht erfüllt! Aus diesem Grund mussten wir das Gewicht erhöhen.

Wie eng haben Sie mit dem Chassis-Team zusammengearbeitet?

Luca Marmorini: Ein F1-Motor ist Teil des Autos. Er kann nicht gut sein, wenn er nicht gut ins Auto passt. Auf diese Weise könnte man nicht gewinnen. Sobald wir mit einem neuen Motor beginnen, setzen wir uns mit den Chassis-Leuten zusammen. Somit kommt viel Input für einen neuen Motor von der Chassis-Seite. Das Chassis-Design spielt auch eine wichtige Rolle bei den Arbeitsbedingungen des Motors. Wir haben viele Modifikationen am Motor vorgenommen, um dem Auto zu helfen. Der Motor nimmt viel Platz weg und die Auspuffrohre haben ebenfalls ein großes Volumen. Rundherum müssen die Aerodynamiker ein gutes Auto designen. Deshalb stehen wir immer in Kontakt mit ihnen und versuchen ihnen zu helfen ein besseres Auto zu designen. Schließlich muss das Auto auch genügend Kühlung aufbringen. Dabei ist es ein riesiger Vorteil alles unter einem Dach zu bauen.