Nach dem Ausfall des Rennwochenendes in Imola reisten alle Formel-1-Teams mit neuen Bauteilen nach Monaco. Neben dem viel diskutierten Mercedes-Update brachten aber auch die anderen Rennställe eine Vielzahl an Neuerungen ins Fürstentum mit. So finden sich an den Boliden von Alfa-Sauber respektive AlphaTauri acht bzw. neun neue Baugruppen. Motorsport-Magazin.com liefert einen Überblick über alle Technik-Updates beim Großen Preis von Monaco 2023. Was ist neu an den zehn F1-Rennwagen?

Red Bull: Die horizontalen Elemente des Heckflügels stehen bei der Monaco-Spezifikation so steil wie möglich im Wind, um maximalen Abtrieb zu generieren. Außerdem änderte Red Bull geringfügig das Design der Querlenkerabdeckung, um einen höheren maximalen Lenkeinschlag zu ermöglichen.

  • Vorderradaufhängung
  • Heckflügel

Ferrari: Die neu designte Hinterradaufhängung wird nun doch bereits in Monaco eingesetzt. Die Änderungen zielen in erster Linie darauf ab, die Luftströmung an der Hinterachse zu verbessern. Der Heckflügel steht ebenfalls steiler im Wind, aerodynamische Effizienz ist nirgendwo irrelevanter als in Monaco.

  • Hinterradaufhängung
  • Heckflügel

Mercedes: Adieu Null-Seitenkästen-Konzept, denn Mercedes folgt ab sofort dem überlegenen Seitenkasten-Design von Red Bull. Im offiziellen FIA-Dokument liest sich das wie folgt: Ein neuer Seitenkasteneinlass, wodurch die Luft besser in Richtung Unterbodenkante und Hinterachse strömen und gleichzeitig den Unterboden stärker in Richtung Asphalt pressen soll. Zum Bereich Seitenkasten gehört auch die Motorabdeckung. Diese ist im horizontalen Bereich gewachsen und soll dadurch den Anpressdruck erhöhen, sowie den Luftstrom in Richtung Hinterachse und Heckflügel verbessern.

Der Heckflügel wurde auch bei den Stuttgartern streckenspezifisch auf Monaco angepasst, im Bereich der Hinterachse wurden zusätzliche Luftleitbleche angebracht, um auch dort das zusätzliche Quäntchen Abtrieb herauszupressen. Zudem finden sich neue Venturi-Einlässe am generalüberholten W14, mit dem Ziel mehr Anpressdruck zu generieren und den Luftstrom in Richtung Diffusor zu verbessern. Für die neuen Seitenkästen wurde schließlich noch die Vorderradaufhängung überarbeitet. Der vordere obere Querlenker sitzt nun etwas weiter oben, der hintere obere Querlenker sitzt deutlich weiter unten. Dadurch wird im Idealfall der neue Seitenkasteneinlass besser angeströmt, was dann wiederum den Motor effizienter kühlt.

  • Vorderradaufhängung
  • Venturikanäle
  • Seitenkasten-Einlass
  • Motorabdeckung
  • Heckflügel
  • Luftleitblech

Alpine: Gleich vornweg, Heckflügel und Beamwing wurden speziell für den Straßenkurs in Monaco angepasst. Zusätzlich erhält die Vorderradaufhängung ein Update. Das ist zu einem Teil streckenspezifisch für einen erhöhten Lenkeinschlag und zum anderen Teil performance-relevant: Querlenker und Druckstrebe erhalten neue Verkleidungen, die ein Aufspalten der Luftströme verhindern sollen.

Zu guter Letzt ist bei den Franzosen der Seitenkasten in die Breite gewachsen, um eine tiefere "Schlucht" zu ermöglichen, die nun noch extremer als beim Seitenkasten von Aston Martin ist. Das soll die Anströmung von Heckflügel und Beamwing verbessern. Der breitere Seitenkasten soll ebenso zu einem stärkeren Unterdruck am Unterboden beitragen. In diesem Sinne erhielt auch die Unterbodenkannte einen zusätzlichen kleinen Einschnitt.

  • Vorderradaufhängung
  • Seitenkasteneinlass
  • Unterbodenkante
  • Heckflügel
  • Beamwing

McLaren: Um dem Angstgegner Bremstemperatur zuvorzukommen, vergrößerte das Team die Bremsbelüftungen an den Vorderreifen. Im Bereich der Hinterradaufhängung erhielt ein Luftleitblech einen Ausschnitt , der den Luftstrom verändert und die Performance des Luftleitblechs sowie des Unterbodens verbessern soll. Neben den üblichen Veränderungen am Heckflügel und Beamwing musste McLaren noch den Eingang der Venturi-Kanäle anpassen. Der Grund: eine in Imola in Kraft getretene technische Direktive.

  • Venturikanäle
  • Bremsbelüftung (vorne)
  • Luftleitblech
  • Heckflügel
  • Beamwing

Alfa Romeo-Sauber: Auch die Schweizer treten in Monaco mit einem überarbeitetem Seitenkasten an - anders als bei Mercedes sind optische Unterschiede bei der Motorabdeckung aber nicht zu erkennen. Der Seitenkasten soll auch in einer anderen Art und Weise mit dem Unterboden verknüpft sein. Mehr aerodynamische Effizienz und mehr Abtrieb sollen daraus resultieren. In diesem Zuge wurden auch die Abdeckung der Hinterradaufhängung sowie die hinteren Bremsbelüftungen angepasst. Speziell für den Circuit de Monaco wurden noch der Heckflügel und der Beamwing angepasst, ebenso wurden zur besseren Kühlung weitere Kühlschlitze hinzugefügt.

Alfa-Sauber spricht von vielen Updates, die meisten sind von außen allerdings nicht zu sehen, Foto: LAT Images
Alfa-Sauber spricht von vielen Updates, die meisten sind von außen allerdings nicht zu sehen, Foto: LAT Images
  • Motorabdeckung
  • Unterbodenkante
  • Unterboden
  • Hinterradaufhängung
  • Bremsbelüftung (hinten)
  • Heckflügel
  • Beamwing
  • Kühlschlitze

Aston Martin: Die Querlenker der Vorderradaufhängung wurden in geringfügiger Weise neu angeordnet, damit diese aerodynamisch besser interagieren. Zusätzlich wurden Frontflügelelemente im Rahmen der Regularien angepasst, um die Luftströmung in ihrer Aufwärtsbewegung zu optimieren. An den Bremsbelüftungen für die Hinterreifen wurden die Ein- und Auslässe modifiziert, damit die Bremsen effektiver gekühlt werden können. Zu diesem Zweck wurden auch die Abdeckungen der Querlenker und Zugstreben minimal angepasst. Auch Aston Martin fährt mit einem speziellen Monaco-Heckflügel.

  • Vorderradaufhängung
  • Frontflügelelemente
  • Hinterradaufhängung
  • Bremsbelüftung (hinten)
  • Heckflügel

Haas: Als einziges Team produzierte Haas keinen speziellen Frontflügel für das Wochenende in Monte Carlo. Lediglich das Profil aller horizontalen Frontflügel-Elemente wurde überarbeitet, um Luftverwirbelungen im unter Bereich der dahinterliegenden Radaufhängung zu minimieren. Diese wurde ebenfalls spezifisch für Monaco angepasst. Der Grund dafür dürfte vor allem darin liegen, einen größeren Lenkeinschlag zu ermöglichen.

  • Frontflügel
  • Vorderradaufhängung

AlphaTauri: Nachdem Red Bulls Schwesterteam bereits in Melbourne mit einem neuen Unterboden aufwartete, erhält dieser nur drei Rennen später sein nächstes umfangreiches Update. Der Unterboden wurde an der Oberseite sowohl bei den Venturi-Kanälen als auch im Bereich der Hinterreifen verändert. Im Bereich der Venturi-Kanäle sollen deutlich stärkere Vortex-Wirbel erzeugt werden, die sich dann entlang der Unterbodenkante weiterbewegen und dadurch den Unterboden besser versiegeln. Im hinteren Bereich soll der Diffusor durch die Anpassungen weniger von Luftverwirbelungen der Hinterreifen beeinflusst werden.

Der Seitenkasten-Einlass wurde schmaler und der Undercut größer, Foto: Motorsport-Magazin.com
Der Seitenkasten-Einlass wurde schmaler und der Undercut größer, Foto: Motorsport-Magazin.com

Weiterhin haben die Ingenieure den Seitenkasteneinlass verkleinert, indem der untere Rand des Einlasses nach oben versetzt wurde. Dadurch strömt mehr Luft in den Undercut, was wiederum den Anpressdruck erhöhen soll. Als Teil dieses Updates wurde deshalb auch die Motorabdeckung angepasst. Streckenspezifisch wurden ebenso Heckflügel und Beamwing angepasst. Besonders clever lösten die Ingenieure das Problem des begrenzten Lenkeinschlags. Statt die Spurstange im Bereich der Nase zu modifizieren, liegt der Fixpunkt am Rad selbst etwas weiter hinten als gewöhnlich. Der gleiche Lenkeinschlag führt dank der Anpassung zu einem stärker einschlagenden Vorderreifen.

  • Vorderradaufhängung
  • Unterboden
  • Venturi-Kanäle
  • Unterbodenkante
  • Diffusor
  • Seitenkasteneinlass
  • Motorabdeckung
  • Heckflügel
  • Heckflügel-Endplatte

Williams: Für den zusätzlich benötigten Lenkeinschlag wählte Williams eine etwas kompliziertere Variante: Das Team veränderte die Länge der Lenkhebel. Ansonsten passte Williams noch die Verkleidungen der Querlenker und Spurstangen an, damit diese besser in Kombination mit den in Monaco steileren Frontflügelelementen arbeiten. Ebenso wurde der Ausgang der Bremsbelüftungen an den Vorderreifen vergrößert, um die Bremsen stärker kühlen zu können. Zudem wurden natürlich auch der Heckflügel und der Beamwing für den einzigartigen Stadtkurs angepasst.

  • Bremsbelüftung (vorne)
  • Vorderradaufhängung
  • Lenkstange
  • Heckflügel
  • Beamwing