Michael Schumacher. Michael Schumacher. Michael Schumacher. Und ein bisschen Kimi Räikkönen, Ferrari und McLaren-Mercedes. Die Formel 1-Welt kennt nichts anderes mehr. Der siebenfache Weltmeister kommt aus den Schlagzeilen nicht mehr heraus: Die große Krise bei Ferrari. Der neue Teamkollege. Der V8-Ferrari. Das Aufleben des Schumacher/Mercedes-Gespensts. Der ewige Rücktritt des 36jährigen. Der Vertragspoker des Willi Weber, um die Verlängerung bei den Roten. Der kommende Heim-GP der Scuderia. Und schließlich der angebliche Vorvertrag von Kimi Räikkönen, bei ebendieser. Das komplexe, weltumspannende Mediengetriebe dreht sich nur noch um diese Themen, ein Zahnrad dreht das andere, letztlich geht es immer um Michael Schumacher. Die Präsenz des erfolgreichsten Formel 1-Piloten aller Zeiten war in Zeiten des gewohnten aber einzigartigen und daher geschichtsträchtigen Dauersiegens über lange Zeiträume wesentlich geringer.
Michael Schumacher sieht eigentlich "keinen Grund, sich in dieses Thema weiter zu vertiefen", wie er einem Reporter von Autosport-Atlasbei den laufenden Testfahrten in Monza erklärte. "Ich habe euch [den Medien, d. Red.] sehr deutlich erklärt, was ich denke. Und ich habe meinen Standpunkt nicht geändert. Ich werde mich irgendwann im nächsten Jahr entscheiden - und das ist alles."
Geheimtreffen
Das sieht die Bild-Zeitung anders. Sie will zum einen "den deutschen Traum endlich wahr werden" lassen, montierte bereits Schumachers roten Helm in einen Silberpfeil und berichtete, dass "der deutsche Super-Deal immer mehr in Fahrt" komme. Und sie will aus "absolut sicheren Quellen" wissen, dass Kimi Räikkönen einen Vorvertrag bei der Scuderia für 2007 unterschrieben hat - und schloss daraus: "Ferrari lässt Schumi fallen!" Und wenn dann auch noch 64,2 Prozent der Leserschaft "Setz dich in den Silberpfeil, Schumi!" anklicken, dann gibt es nur einen Weg: "Schumi muss noch fünf Rennen Ferrari-Frust bis Vertragsende aushalten. Dann ist er frei für die neue Traum-Ehe." Und "aufgedeckt" wurde diese wiederum durch zwei "Geheim-Treffen" von Michael Schumacher und Mercedes-Rennleiter Norbert Haug.

Dem britischen Kollegen erzählt Schumacher in Monza: "Es stimmt, dass ich am letzten Wochenende ein Treffen mit Norbert hatte, aber ich hatte bereits viele Meetings mit ihm, über viele Jahre hinaus - denn wir sind gute Freunde. Wir haben über viele Dinge geplaudert. Aber warum dann plötzlich jemand so eine Geschichte daraus macht - das weiß ich wirklich nicht."
Vertragspoker
Ganz so unerklärbar sind die möglichen Beweggründe jedoch nicht. Eine Erhöhung der Auflage respektive der Verkaufszahlen hat schließlich noch keiner Zeitung geschadet. Ein Schaden ist eine solche Medienpräsenz auch nicht für Schumacher-Manager Willi Weber - erst recht nicht, wenn damit ein zahlungskräftiger Mitbewerber im Kampf um die Dienste des Siebenfachweltmeisters auf der Bühne steht. In einer Zeit, in der Ferrari ein Angebot zur Vertragsverlängerung über 2006 hinaus vorgelegt hat und Weber prinzipiell, wie er sagt, mit einer Erhöhung des Preises in Vertragsverhandlungen einsteigt. 40 Millionen Euro soll der neue Preis betragen, das wären um fünf Millionen mehr als bisher. Und da passt es gut für Weber, Ferrari ein wenig zappeln zu lassen mit dem Vertragsangebot aus Maranello: "Wir haben Zeit..."

Während also der eine das Medienfeuer ein wenig schürt, ist der andere fleißig am Löschen. Vor allem in Italien war man besorgt. Schumacher auf seiner Website: "Gut, dass wir im Vorfeld des Italien-Grand Prix immer etwas mit den italienischen Journalisten machen, so konnte ich ihnen Gesternabend zum unendlichen Mal sagen, dass ich a) bei Ferrari noch immer sehr glücklich bin, unabhängig von den momentanen Ergebnissen, und dass ich b) nicht daran denke, Ferrari zu verlassen und zu einem anderen Team zu wechseln. Um ehrlich zu sein, weiß ich nicht, wie oft ich das schon gesagt habe, das hat sich auch nie geändert. Und mehr gibt es dazu eigentlich nicht zu sagen."
Störfeuer
Doch es ist Michael Schumacher höchstpersönlich, der noch einen anderen möglichen Nutznießer aus dem Medientrubel und vor allem den Mercedes-Heimkehrgerüchten vermutet. In einem Interview mit der italienischen Zeitung La Repubblica grübelte der Weltmeister: "Ich weiß nicht, ob Mercedes damit Ferrari stören möchte, aber das wird sicher nicht gelingen." Und überhaupt: "Einige Niederlagen" würden "nicht genügen", damit er seine Meinung über Ferrari ändern würde, sagte der Deutsche. Und einmal mehr erklärte er, dass er für den Rest seiner Karriere "in einem Ferrari sitzen" möchte.
Bleibt noch das Thema Rücktritt. Ein Dauerbrenner, der natürlich auch jetzt gern gespielt wird. Der 36jährige erklärt dem Autosport-Atlas-Kollegen: "Ich denke, es ist sehr leicht zu verstehen. Meine weitere Karriere wird nicht mehr besonders lange dauern, das sind keine zehn Jahre mehr und ich kann mir nicht vorstellen, woanders zu fahren. Und ich sage nun schon seit vielen Jahren, dass ich nicht zurücktreten möchte. Jedes Jahr fragen mich die Medien, ob ich zurücktreten werde. Du kennst das Geschäft besser als ich."
Und Kimi Räikkönen? Räikkönen und Schumacher ab 2007 Teamkollegen bei Ferrari? Schon den deutschen "Aufdeckern" gegenüber hat Schumacher erklärt, er hätte überhaupt nichts gegen Räikkönen als Teamkollegen. "Ich habe mit niemandem ein Problem", bestätigt Schumacher dem britischen Kollegen. Und: "Das ist auch so eine Geschichte - jene, wo stets behauptet wird, ich würde meine Teamkollegen aussuchen. Ich denke nicht, dass ich jemals meinen Stallkollegen ausgesucht habe."

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