Bald ist es so weit: Der 1. Große Preis der Türkei steht vor der Tür. Wir werfen einen Blick auf die sieben Schlüsselfaktoren der Bosporus-Premiere.
S wie Startaufstellung
Ein großes Fragezeichen steht vor dem Rennen über der Startaufstellung. Allerdings nicht was die Pole Position angeht, sondern im Hinblick auf das Ende des Grid. Dort nämlich müssen sich kurz vor 14:00 Uhr mitteleuropäischer Zeit vier Piloten ohne Rundenzeit, davon zwei mit Motorwechsel, sowie einer mit einer gestrichenen Rundenzeit einsortieren.
Und da es hierfür keine offiziellen Regeln, sondern nur diverse Präzedenzfälle gibt, bleibt die letztendliche Startaufstellung bis kurz vor dem Öffnen der Boxengasse ein kleines Geheimnis. Fest steht: In den letzten Startreihen finden sich folgende Fahrer wieder: Takuma Sato, Jacques Villeneuve, Robert Doornbos, Michael Schumacher und Narain Karthikeyan.
S wie Start

Ganz vorne steht hingegen Kimi Räikkönen, dem Norbert Haug einen guten Start wünscht, damit der Finne seinen "Vorteil der Pole Position" in der ersten Kurve umsetzen kann. Denn nicht nur der Schwabe rechnet in der erste Kurve mit möglichen Kollisionen im Hinterfeld.
So ist Fernando Alonso zwar froh hinter Kimi auf der sauberen Seite der Strecke zu stehen, doch hofft auch er, "dass das Rennen nicht wieder so chaotisch beginnt wie zuletzt in Ungarn. Dort verlor ich gleich in der ersten Kurve meinen Frontflügel und damit jede Chance auf ein Punkteresultat."
Ebenfalls mit einer engen ersten Kurven rechnet Nick Heidfeld. "Die erste Kurve nach dem Start wird hier noch interessanter und spannender als sonst", prophezeit er. "Zum einen, weil wir da zum ersten Mal alle Mann durchmüssen, und zum anderen, weil der Bremspunkt nicht einsehbar ist. Man fliegt blind darauf zu. Dennoch glaube ich nicht, dass die Fehlerquote im Rennen so hoch sein wird wie im Qualifying. Im Rennen findet man besser seinen Rhythmus."
S wie Setup

"Eine neue Strecke führt unweigerlich immer zu einem gewissen Grad der Unsicherheit", sagte Renault-Technikchef Rob White vor dem ersten Besuch des F1-Tross in Istanbul vorher. Dennoch "überraschte" die Franzosen an diesem Wochenende "überhaupt nichts". Das jedenfalls sagt Giancarlo Fisichellas Rennnigenieur Alan Permane.
"Der Renault R25 präsentierte sich von Anfang an gut abgestimmt", so Permane. "Wir mussten das ursprüngliche Setup an Giancarlos Rennwagen kaum verändern."
Zu verdanken haben die Gelb-Blauen dies den Computersimulationen, die laut Sauber-Technikdirektor Willy Rampf mittlerweile eine Genauigkeit von "plus/minus ein Prozent" besitzen.
"Damit können wir mit einem Grundmodel des Autos diverse Parameter evaluieren, wie z.B. den Abtriebslevel und die Bodenhaftung", verriet Rampf, dessen Team von einem hohen Abtriebsniveau ausging. "Nachdem die aerodynamische Konfiguration des Autos bestimmt ist, nutzen wir das Simulationsprogramm, um das mechanische Setup weiter zu optimieren, die Getriebeübersetzung zu definieren und die Ableitung der Bremsenergie zu bewerten. Damit können wir das richtige Bremsmaterial und die benötigte Bremskühlung auswählen."
S wie Strecke

Viel Lob heimste Architekt Hermann Tilke für den Istanbul Speed Park ein. Am besten dürften ihm natürlich die teilweise überschwänglichen Worte der 20 Hauptakteure gefallen haben, die sein neuestes Meisterwerk als "fantastisch" bezeichneten und es teilweise sogar "lieben".
Nichtsdestotrotz gab und gibt es auch einige Kritikpunkte an der Berg- und Talbahn vor den Toren Istanbuls. Allen voran die für einen neuen Kurs extrem wellige Fahrbahnoberfläche. Diese lässt Jenson Button sogar das Schlimmste befürchten: "Es wird definitiv welliger. Hoffentlich wird es während des Rennens nicht noch schlimmer."
Die wichtigste Bewährungsprobe für die türkische Adrenalinpumpe, wie wir den Kurs frei nach Robert Doornbos tauften, steht allerdings noch bevor: Das Rennen. Und in diesem gilt natürlich nur eins: Die zwei bis drei Überholmöglichkeiten, welche die Fahrer schon am Donnerstag bei ihrer ersten Besichtigung ausgemacht haben wollen, müssen nun für spannende Action sorgen. Erst wenn auch das eintrifft, kann Tilke endgültig in den Lorbeeren baden.
S wie Strategie

Auf einer neuen Strecke kann uns im Rennen alles erwarten: Zwei Stopps, drei Stopps oder vielleicht doch nur ein Stopp? Die Superhirne und Meisterstrategen zerbrechen sich noch immer die Köpfe über die Strategien der Rivalen und die Fahrer sprechen allenfalls von einer "guten Strategie". Im äußersten Fall hofft Ron Dennis sogar auf eine "siegreiche" Strategie.
Wie diese aussehen wird verrät natürlich niemand. Immerhin hoffen die Japaner von Bridgestone mit ihrer alten Reifen-Generation im Rennen auf die Distanz gesehen konkurrenzfähiger als im Qualifying zu sein.
"Unsere Zeiten auf den Long Runs waren im Freien Training jedenfalls sehr konstant", begründet Hisao Suganuma diese Theorie. Sein Gegenüber von Michelin badet sich derweil in der von Ross Brawn bestätigten falschen Reifenwahl bei Ferrari.
"Dies war ein sehr zufrieden stellender Tag für uns", so Pierre Dupasquier. "Alle unsere sieben Partner-Teams haben ein Auto in die Top-10 gebracht und ich bin mit der Performance unserer Reifen auf einer völlig unbekannten Strecke sehr zufrieden." Nach der Schmach von Indianapolis ist das Türkei-Wochenende also Balsam auf die wunde Seele der Franzosen.
S wie Speed

Wer auf den langen Geraden vor der folgenden Kurve überholen möchte, der muss einen entsprechend guten Top-Speed vorweisen. Oder umgekehrt: "Im Rennen wird es darauf ankommen, sich nicht überholen zu lassen", sagt Alan Permane. "Wir brauchen also eine hohe Endgeschwindigkeit."
Und eine solche konnten die beiden Renault-Piloten im Qualifying auch nutzen: Mit knapp 330 km/h führt Fernando Alonso sogar die Top-Speed-Wertung an. "Unsere Renault R25 funktionierten bislang makellos und erwiesen sich als absolut konkurrenzfähig - auch, was die Höchstgeschwindigkeit betrifft", betonte Denis Chevrier. "Wir sind uns sicher, dass wir alle Werkzeuge zur Verfügung haben, um die McLaren herauszufordern."
| Platz | Fahrer | Top-Speed |
| 1. | Fernando Alonso / Renault | 329,5 |
| 2. | Juan Pablo Montoya / McLaren | 326,3 |
| 3. | Giancarlo Fisichella / Renault | 325,3 |
| 4. | Ralf Schumacher / Toyota | 324,0 |
| 5. | Kimi Räikkönen / McLaren | 323,7 |
| 6. | Jarno Trulli / Toyota | 323,3 |
| 7. | Takuma Sato / BAR | 322,6 |
| 8. | Christian Klien / Red Bull | 322,4 |
| 9. | Felipe Massa / Sauber | 321,1 |
| 10. | Christijan Albers / Minardi | 319,5 |
| 11. | Mark Webber / Williams | 319,5 |
| 12. | Nick Heidfeld / Williams | 319,1 |
| 13. | David Coulthard / Red Bull | 318,7 |
| 14. | Tiago Monteiro / Jordan | 317,0 |
| 15. | Rubens Barrichello / Ferrari | 316,9 |
| 16. | Jenson Button / BAR | 308,3 |
| 17. | Michael Schumacher / Ferrari | 304,9 |
| 18. | Jacques Villeneuve / Sauber | 281,9 |
| 19. | Narain Karthikeyan / Jordan | 273,7 |
| 20. | Robert Doornbos / Minardi | 261,0 |
S wie Spannung

Für jede Menge Spannung ist vor dem ersten Grand Prix in der Türkei also gesorgt. Und das nicht nur weil der WM-Kampf zwischen Fernando Alonso und Kimi Räikkönen nun endgültig in seine entscheidende Phase einbiegt.
"Das Rennen morgen scheint eine ziemlich aufregende Sache zu werden!", sagt Alonso voraus. "Der Abstand zwischen beiden Teams erscheint mir auf dieser Strecke viel geringer zu sein als noch bei den Grands Prix zuvor. Außerdem wird es voraussichtlich wieder sehr heiß - unser Renault R25 liebt das. Also blicke ich ganz zuversichtlich in die nahe Zukunft."
Ganz anders sieht die Sachlage bei Michael Schumacher aus. "Jetzt muss ich schauen, was ich von da hinten aus machen kann, und wie ich irgendwie weiter nach vorne kommen kann", zeigte sich dieser etwas ratlos. "Es wird nicht so einfach werden, denn uns fehlt einfach der Grip. Wenn man die Performance des Wochenendes betrachtet, sieht es nicht gerade viel versprechend aus." Aber wer Michael Schumacher kennt, der weiß: Der siebenfache Weltmeister gibt niemals auf.



diese Formel 1 Hintergrund