Formel 1

Formel 1, Racing Point mit neuem Geld: Endlich normales Team!

Dank neuer Eigentümer ist Racing Point 2019 alle Geldsorgen los. Nach langem Kampf kehrt damit Normalität ein. Trotzdem: Neues Auto leidet noch unter 2018.
von Markus Steinrisser

Motorsport-Magazin.com - 2019 haben die Formel-1-Testfahrten für Racing Point endlich einmal gut begonnen. Denn das ehemalige Force India ist nach einem lange andauernden Kampf die Geldsorgen los. Sergio Perez und Lance Stroll bekamen von Tag eins weg einen fahrbaren Untersatz bereitgestellt, der auch funktioniert.

Vorbei sind die Zeiten, in denen das Team erst im letzten Moment Teile bekam und sich bei der Entwicklung mit finanziellen Einschränkungen abfinden musste. 2019 ist allerdings noch nicht perfekt, wie Technikchef Andy Green am Rande des Tests erklärt: Der neue RP19 leidet noch teilweise unter den Geldsorgen des Vorjahres.

Racing Point befreit: 2019 endlich neue PCs

Die Freude im von Andy Green angeführten Technik-Team von Racing Point ist schon fast überschwänglich. Beim ersten Treffen mit den Medien in Barcelona scherzt Green: "Es ist eine andere Art zu arbeiten, ein bisschen ein Schock. Ich glaube, man nennt das normal. Wir sind fast wieder ein normales Team."

Die neuen Eigentümer um Lawrence Stroll haben das Team von allen Schulden befreit, und zum ersten Mal seit langem konnten sich Green und seine Mitarbeiter in der Winterpause ganz auf das Entwickeln eines neuen Autos konzentrieren. "Neue Hardware kommt in der Fabrik an, und das erste, was ihr seht, sind unsere neuen Laptops und PCs, die keine acht Jahre alt sind", beschreibt Green.

Damit kündigt Green an, dass der RP19 von jetzt an immer in perfektem Zustand bereitstehen wird: "Wir können das Auto, das wir haben wollen, auf die Strecke bringen. Wir werden in Melbourne ein Auto auf die Strecke bringen, welches das bestmögliche Auto ist, das wir zu dem Zeitpunkt bauen können. Das haben wir zuvor noch nie gemacht. Das ist aufregend."

Racing Point: 2018-Mangel reicht bis in 2019 hinein

Ohne Einschränkungen, das ist aber für Racing Point dann doch noch relativ. Jetzt hat das Team zwar keine Geldsorgen mehr, doch die Insolvenz aus dem Vorjahr hat für die Saison 2019 einige Einschränkungen mitgebracht. Die Entwicklungen für 2019 mussten schließlich schon früh in der Saison 2018 gestartet werden - als die Geldsorgen noch groß waren. Zu dem Zeitpunkt sogar größer als je zuvor.

Der RP19 ist dem VJM11 noch gezwungenermaßen ähnlich - Foto: LAT Images

Die Konsequenz ist, dass der Racing Point RP19 nicht überall wirklich "2019" ist. "Das Chassis ist praktisch das vom Vorjahr, das Getriebe ist vom Vorjahr, da gibt es viel Altes", erklärt Green. "Wir konnten da nicht alle Änderungen durchziehen, die wir hätten machen wollten."

Als die neuen Eigentümer Racing Point im August übernahmen, waren diese Entscheidungen schon so weit vorangeschritten, dass ein kompletter Entwicklungsstopp und ein Umdenken nur für noch mehr Probleme gesorgt hätte. Dann wäre weniger als ein halbes Jahr Entwicklungszeit für die neuen Komponenten geblieben. In der Formel 1 eigentlich unvorstellbar.

Racing Point will das Beste machen - organisch wachsen

Große Schritte sind für die Formel-1-Saison 2019 bei Racing Point daher noch nicht anberaumt. Das Team will (und muss) mit dem leben, was es hat. Dank der Schuldenfreiheit sind sie jetzt zumindest in der Lage, die ganze Saison über Upgrades zu bringen.

Racing Point testet in Barcelona schon fleißig - Foto: LAT Images

Die wirklich großen Pläne schmiedet Racing Point erst für 2020. "2020 sehen wir uns definitiv jetzt schon an", sagt Technik-Chef Green. "Das ist ein Auto, mit dem wir einen großen Schritt machen wollen. Mit dem wir das Investment nutzen wollen."

Inzwischen wird das Team weiter wachsen. Nachdem das veraltete Equipment ausgetauscht wurde, soll expandiert werden. Nicht mit der Holzhammer-Methode, sondern organisch. "Es passiert in dem Tempo, in dem wir es haben wollen", sagt Green. Nur nichts überstürzen - in der Formel 1 gewinnt nicht automatisch das Team mit dem größten Budget. Selbst Werksmannschaften wie Toyota mussten diese Lektion lernen.

Alles braucht seine Zeit, dem ist sich Andy Green auf jeden Fall bewusst: "Wir werden den gleichen Ansatz verfolgen, den wir für die letzten Jahre hatten. Wenn wir wachsen, dann wachsen wir organisch, und wir werden die passenden Leute ins Team holen. Wir werden alles Nötige intern machen, und das dauert seine Zeit, aber es passiert."


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