Formel 1

Formel 1: Red Bull schreibt Pole ab, dafür Attacke im Rennen

Red Bull zeigte in Brasilien eine starke Trainingspace. Geringe Chancen im Qualifying. Der Plan fürs Rennen steht: Ferrari und Mercedes mit Druck zermürben.
von Florian Becker

Motorsport-Magazin.com - Red Bull überraschte in den Trainings der Formel 1 für den Brasilien GP am Freitag mit einer starken Performance. Max Verstappen schnappte sich am Vormittag die Bestzeit und auch im 2. Freien Training waren Daniel Ricciardo und er in Schlagdistanz zu Mercedes und Ferrari. Das Wochenende in Interlagos scheint für das Team mehr bereitzuhalten, als zunächst angenommen. Der guten Pace entgegen stehen allerdings wieder Probleme mit der Technik.

Mit "nicht schlecht" viel das Fazit von Red-Bull-Berater Dr. Helmut Marko im Gespräch mit Motorsport-Magazin.com zwar eher verhalten aus, doch nachdem Verstappen am Vortag noch die Plätze fünf und sechs als so gut wie in Stein gemeißelt bezeichnet hatte, war der RB14 auf der Berg- und Talbahn von Interlagos doch deutlich besser unterwegs.

"In Sektor zwei sind wir sehr stark", so Marko. Tatsächlich scheint der mittlere Streckenabschnitt Red Bull in diesem Jahr mit seinen Kurven zu retten. Die fast nur aus Vollgas bestehenden anderen beiden Sektoren kosteten in der Vergangenheit aufgrund des Powerdefizits des Renaultmotors zu viel Zeit.

"Das was uns am meisten weh tut ist die lange Bergauf-Gerade", sagt Marko, dass sich daran auch 2018 nichts geändert hat. In Mexiko machte die Höhenlage von über 2000 Metern über dem Meeresspiegel die Motorensorgen vergessen, sodass Red Bull selbst im Qualifying die klare Nummer eins war. Eine weitere Pole Position schließt man in Interlagos aber aus.

Red Bull schreibt Pole in Brasilien ab: Konkurrenz im Qualifying zu stark

"Für die Pole werden wir uns unter diesen Bedingungen wohl ziemlich strecken müssen", sagt Ricciardo, der in Mexico City die dritte Pole seiner Karriere einfuhr. "Wir hatten am Nachmittag ein anständiges Auto und uns fehlten drei Zehntel, das ist etwas zu viel." Vor allem wenn die Konkurrenz den Quali-Modus auspackt, wovon er ausgeht: "Es ist wahrscheinlich, dass sie morgen aufdrehen."

Verstappen glaubt, dass es am Samstag die von ihm prognostizierten Positionen werden. "Sobald sie im Q3 ihre Motoren aufmachen, werden wir zu kämpfen haben", so der 21-Jährige. Dass Red Bull nicht unbedingt die Pole braucht, um Rennen zu gewinnen, hat das Team in den vergangenen Jahren eindrucksvoll bewiesen. Im Rennen soll auch in Brasilien wieder deutlich mehr gehen.

Red Bull baut auf Rennpace: Longruns und Reifenmanagement als Trumpf

"Die Rennpace sieht solide aus", meint Ricciardo. Marko pflichtet seinem Fahrer bei. "Auf den Longruns sehen wir wieder ganz gut aus", so der Österreicher. Wie in Mexiko könnte sich das Reifenmanagement als Red Bulls großer Trumpf erweisen. Etwas, das dem Team auch strategisch wieder Möglichkeiten eröffnet. Davon könnte vor allem Ricciardo profitieren, der nach einem Turboladerwechsel fünf Plätze weiter hinten starten wird.

"Alle drei Reifen sehen für den Rennstart nicht schlecht aus, also werden wir am Sonntag etwas anderes versuchen" so der Australier. Blistering, wie es bei Ferrari deutlich zu sehen war, war laut Marko bei Red Bull kein Thema. In Mexiko war vor allem Mercedes wegen der Reifen auf verlorenem Posten. Ohne den Höhenluftvorteil glaubt Marko aber nicht, dass Reifenmanagement alleine in Sao Paulo reichen wird.

"Kompensieren kann man es nicht", sagt er über den Leistungsnachteil. "Aber wir werden näher dran sein. Und wenn man näher dran ist, kann man natürlich Druck machen. Und mit Druck, wir haben ja gesehen, Vettels Reifen hat nicht gut ausgeschaut." Im Rennen soll also alles noch drin sein. Bleibt am Ende des Tages nur noch die Frage der Zuverlässigkeit.

Defektteufel bei Verstappen: Ölverlust kostete um ein Haar Mexiko-Sieg

Nach langer Zeit erwischte es in Brasilien auch wieder einmal Max Verstappen. Der Red Bull mit der Startnummer 33 stand die gesamte erste Hälfte des FP2 an der Box. "Es ist schade, dass ich den Anfang vom zweiten Training verpasst habe. Dann ist man etwas aus dem Tritt und muss sich durchs Programm arbeiten. Auf meinem Supersoft-Run hatte ich dann auch noch Verkehr, das ist nicht ideal", sagt er.

Ein Öl-Leck erforderte eine längere Reparaturpause. Der Defekt war schon zum Ende des ersten Trainings aufgetreten, wie Marko erklärte. "Wir haben zum Ende des FP1 wegen des Öl-Lecks schon aufgehört", sagt er. Das Problem soll seinen Angaben nach mit dem Motor zu tun gehabt haben. Die bei Red Bull zuletzt häufiger aufgetretenen Hydraulikprobleme seien kein Thema. "Die sind gelöst", so Marko.

Bei dem Öl-Leck soll Verstappen außerdem noch richtig Glück gehabt haben, wie Teamchef Christian Horner gegenüber dem britischen TV-Sender Sky Sports erklärt: "Der Riss könnte schon in Mexiko aufgetreten sein, denn es gab etwas Ölverlust den wir nicht zuordnen konnten. Also hatte er wahrscheinlich ziemliches Glück, dass er das Rennen zu Ende fahren konnte."


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