Formel 1

Formel 1 USA 2017: Die Tops und Flops aus Austin

Lewis Hamilton dominiert in Texas, Sebastian Vettel lässt Kampfgeist vermissen. Überragende Show vor dem Rennen. Die Tops und Flops zum USA GP.
von Chris Lugert
Die Highlights vom US Grand Prix aus Austin: (01:25 Min.)

Top: Hamilton mit dominantem Texas-Rodeo

Lewis Hamilton und Austin - das passt wie der Käse zum Beef. Sechstes Formel-1-Rennen in Texas, fünfter Sieg. Der - was seine Persönlichkeit betrifft - ohnehin als halber Amerikaner durchgehende Brite fuhr auch 2017 zu einem klaren Sieg in Austin. Daran konnte auch Sebastian Vettel nichts ändern, obwohl der Deutsche das Rennen zu Beginn für einige Runden anführte.

"Ich liebe diese Rennstrecke. Ich denke, sie ist nun mein Lieblingskurs. Ich habe es so genossen, heute diese Kurven zu fahren", strahlte Hamilton nach seinem Sieg. Seine nun sechs Siege beim USA GP - bereits 2007 gewann er in Indianapolis - machen ihn zum erfolgreichsten Formel-1-Fahrer überhaupt im Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Begrenzt sind diese wohl nur für Hamiltons Konkurrenten, ihn dort zu schlagen.

Top: Verstappen pflügt mal wieder durch das Feld

Max Verstappen sorgte bereits vor der letzten Runde (siehe Flops) für Aufsehen. Von Rang 16 gestartet, kämpfte sich der Niederländer nach seiner Motorenstrafe nach vorne. Solche Aufholjagden kennt man inzwischen von ihm, Austin rundete sein Mosaik ab. Bereits nach drei Runden war Verstappen in den Top 1 angekommen, doch sein Vorwärtsdrang hielt an.

Auch dank seiner Strategie führte Verstappen das Rennen nach 21 Runden sogar an und leistete trotz eigentlicher Chancenlosigkeit zumindest kurz Widerstand gegen Lewis Hamilton. Nach einem frühen zweiten Reifenwechsel folgte dann die große Aufholjagd, die ihn in der Endabrechnung kurzzeitig bis auf Rang drei brachte. Geworden ist es dann Platz vier.

Top: Sainz beweist Palmers mangelnde Tauglichkeit

Nico Hülkenberg sollte sich war, anziehen. Carlos Sainz feierte in Austin ein starkes Debüt für Renault und wurde direkt Siebter. Damit verschaffte er den Franzosen die Gewissheit, dass auch ihr zweiter Bolide schnell und nicht von bösen Geistern befallen ist. Es war schlicht Jolyon Palmer - Sainz' Vorgänger - der nicht imstande war, das Potenzial des Autos auszuschöpfen. "Es war ein großartiges Debüt für mich mit Renault und ich habe es wirklich genossen", resümierte Sainz nach seinem ersten Einsatz.

Carlos Sainz wurde bei seinem Renault-Debüt Siebter - Foto: Sutton

Top: Kvyat meldet sich zurück

Ebenfalls eine starke Leistung zeigte Daniil Kvyat, Sainz' Ex-Kollege bei Toro Rosso. Die letzten zwei Rennen musste er zuschauen, nun kehrte er zurück und konnte direkt wieder in die Punkte fahren. Rang zehn für den Russen, der in Mexiko aber erneut zum Zuschauen verdammt ist. Sein Cockpit übernimmt wieder Pierre Gasly.

Top: Hartley mit solidem Formel-1-Debüt

Ein unauffälliges, aber fehlerfreies Debüt gab Kvyats Kurzzeit-Kollege Brendon Hartley. Der amtierende Le-Mans-Sieger verunfallte am gesamten Wochenende nicht, auch das Rennen überstand er schadlos. "Es war hart, aber es war auch ein fantastisches Grand-Prix-Debüt", sagte der Neuseeländer.

Die Pace war nicht wirklich überragend, angesichts seiner ersten Runden in einem Formelauto seit 2012 aber annehmbar. "Die Pace war gut, besonders am Ende. Ich denke, mein einziger Fehler war es, mich von Stroll überholen zu lassen. In der Folge kam ich nicht mehr an ihm vorbei, er hat mich etwas aufgehalten", haderte er. Sein Einsatz hinterließ offenbar Eindruck, Hartley darf auch in Mexiko wieder fahren.

Top: Mega-Show vor dem Rennen

Mit Spannung wurde die groß angekündigte Fahrer-Präsentation vor dem Rennen erwartet. Ringsprecher-Legende Michael Buffer war vor Ort und rief die Fahrer heraus, hinzu kamen kleine Einspieler. Sebastian Vettel und Lewis Hamilton wurden sogar gesondert aufgestellt, wie zwei Gladiatoren in der Arena.

Ein ungewohntes Szenario, das sich aber gelohnt hat. "Hier war es echt gut. Es gab viele Promis, die das alles genossen haben. Michael Buffer, die Bands, das alles passt gut zu Austin. Ich denke, das war ein Erfolg", meinte Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff. Bei jedem Rennen wäre die Show vermutlich nicht angebracht, aber der Versuch darf durchaus als gelungen bewertet werden.

Die Show vor dem Start war ein großer Erfolg - Foto: LAT Images

Flop: Strafe gegen Verstappen legt Schleier auf Mega-Rennen

Zweikämpfe, Überholmanöver, Action - der USA GP bot Spektakel vom feinsten, den Höhepunkt gab es in der letzten Runde. Max Verstappen zeigte ein fantastisches, aber diskutables Manöver gegen Kimi Räikkönen im Kampf um Platz drei. Verstappen setzte sich innen - am Ende zu weit innen - gegen den Finnen durch, an einer Stelle, die für Überholmanöver überhaupt nicht geeignet scheint. Doch das kümmerte ihn wenig.

Doch statt dieses Manöver dem Rennen die Krone aufsetzt, gab es die Strafe der Rennleitung. Ob diese berechtigt ist oder nicht, soll an dieser Stelle nicht aufgegriffen werden. Tatsache ist: Die Formel 1 hat sich durch die politische Entscheidung um den Ruhm für die sportliche Show gebracht. Keiner redet über das Rennen, alle thematisieren die Strafe. Ein Trauerspiel.

Flop: Vettel verteidigt sich nicht

Ferrari hatte in Austin nicht die Pace von Mercedes, das musste Sebastian Vettel trotz seiner Führung zu Rennbeginn recht schnell akzeptieren. Und dennoch schien es doch sehr fragwürdig, wie wenig sich der Deutsche wehrte, als Hamilton zum Angriff ansetzte. Von Kampflinie war keine Spur, einzig ein Vorbeiwinken per Handzeichen hätte noch gefehlt.

"Wir hatten einfach nicht die Pace, ich musste ihn ziehen lassen. Eigentlich dachte ich, dass es schwer werden würde, hier zu überholen, aber er war zu diesem Zeitpunkt eine gute halbe Sekunde schneller, wenn nicht sogar noch mehr", rechtfertigte er sich. Dennoch: Bedenkt man, dass sogar Verstappen sich später auf viel älteren Reifen gegen Hamilton zu wehren versuchte, muss die Frage nach dem Biss erlaubt sein, den Vettel noch hat - oder auch nicht mehr hat?

Hamilton vs. Vettel: So lief das Formel 1-Duell in Austin 2017: (04:04 Min.)

Flop: Bottas erneut schwach

Die Leiden des jungen V. gehen weiter. Valtteri Bottas sucht nach wie vor seine Form, in Austin gab es den nächsten Nackenschlag. Nur Rang fünf, von einem besonders am Ende keineswegs am Limit fahrenden Lewis Hamilton weit distanziert, zudem von Sebastian Vettel im Zweikampf düpiert. "Ich bin noch immer enttäuscht über mein Rennen und ich werde einige Zeit brauchen, um es wegzustecken", so Bottas weit nach Rennende.

Rückhalt gab es immerhin von Niki Lauda, der den Großteil der Verantwortung für Bottas' Probleme bei Mercedes sieht. "Es ist schwierig für ihn, denn das Auto ist schwierig zu fahren. (…) Wenn man ihm kein gutes Auto gibt, kann er auch keine Leistung zeigen", stellt er klar, der zudem Verbesserungen von Mercedes fordert, um das Auto fahrbarer zu machen.

Flop: Immer wieder Magnussen

Kevin Magnussen findet in der Formel 1 wohl keine Freunde mehr. Auch in Austin war der Däne in mehrere Zwischenfälle verwickelt. Im Training geriet er mit seinem Teamkollegen Romain Grosjean aneinander, im Qualifying behinderte er Sergio Perez. Es folgte eine Strafe von drei Startplätzen. Und im Rennen kam es gleich zu zwei Kollisionen. Die erste erfolgte gleich zu Beginn, am Ende der langen Geraden fuhr er Pascal Wehrlein ans Hinterrad, kassierte aber keine Strafe. Für Wehrlein war das Rennen beendet.

Gegen Rennhalbzeit dann die Sauber-Rache von Marcus Ericsson. An derselben Stelle wollte er eine Überrundung von Sebastian Vettel ausnutzen, um im Schlepptau des Ferrari an Magnussen vorbeizuziehen. Magnussen sah ihn aber nicht - oder eben doch - und warf die Tür zu. Wieder knallte es, aber dieses Mal war Magnussen nach Ansicht der Stewards unschuldig. Ericsson bekam eine Fünf-Sekunden-Strafe.

Kevin Magnussen sorgte erneut für Kopfschütteln - Foto: LAT Images

Flop: Gasly verzichtet umsonst auf Austin

Pierre Gasly gehörte auch zu den Austin-Flops, obwohl - oder gerade weil - er nicht anwesend war. Der Plan war es, für Toro Rossos nächstjährigen Motorenpartner Honda den Titel in der japanischen Super Formula klarzumachen. Das Finalwochenende fand parallel zum USA GP der Formel 1 statt.

Doch schwere Wetterkapriolen sorgten für die Absage des kompletten Rennwochenendes. Kein Rennen, keine Chance für Gasly, den Titel noch zu holen. Der ging an Hiroaki Ishiura mit einem halben Punkt Vorsprung vor dem Franzosen. Trost für Gasly: Schon in Mexiko darf er wieder für Toro Rosso in der Formel 1 ran.

Flop: Qualifying-Verschiebung kostet Nerven

So schön die Show vor Rennbeginn war, so unnötig war die Verschiebung des Qualifyings am Tag zuvor. Da Justin Timberlake im Anschluss an die Qualifikation ein Konzert gab, verschob man die Session um zwei Stunden nach hinten, um beide Veranstaltungen zu kombinieren.

Der Arbeitsplan der Teams geriet dadurch aber komplett durcheinander, statt zwei gab es nun vier Stunden Pause zwischen FP3 und Qualifying. Diese Zeit fehlte dann abends zum Durchschnaufen. Und auch für die TV-Zuschauer in Europa war die Verschiebung eine Zumutung. Das Qualifying begann erst 23:00 Uhr mitteleuropäischer Zeit.


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