Formel 1

Unschöner Formel-1-Rekord: Nico Hülkenbergs Podium-Fluch

Nico Hülkenbergs 129. F1-Rennen könnte ihm in Singapur einen ungewollten Rekord bescheren. Dabei war der Renault-Pilot schon nah dran am erlösenden Podest.
von Florian Becker

Motorsport-Magazin.com - Nico Hülkenberg hatte sich seine Formel-1-Karriere bei seinem Debüt 2010 sicherlich etwas anders vorgestellt. Mit Meistertiteln in der Formel 3 Euroserie und der GP2 stieg der damals 22-Jährige mit Williams in die Königsklasse auf. Sieben Jahre und 128 Rennen später wartet er immer noch auf seinen ersten Treppchenbesuch in der Formel 1. Wenn es in Singapur nicht klappt, erleichtert er Landsmann Adrian Sutil um den zweifelhaften Titel, der F1-Pilot mit den meisten Starts ohne Podest zu sein. Dass es in dieser langen Zeit noch nicht gereicht hat, gleicht einem Fluch. Motorsport-Magazin.com wirft einen Blick zurück auf Hülkenbergs verzweifelte Jagd nach Edelmetall.

Top Ten: F1-Fahrer mit meisten GP ohne Podium

Fahrer GP ohne Podium
Nico Hülkenberg 128
Adrian Sutil 128
Pierluigi Martini 119
Philippe Alliot 109
Pedro Diniz 98
Ukyo Katayama 95
Jonathan Palmer 83
Marc Surer 82
Vitantonio Liuzzi 80
Piercarlo Ghinzani 75

Brasilien 2012 - Hülkenbergs unvollendete Meisterprüfung

Nico Hülkenberg ließ sich auf der großen Bühne der Formel 1 von Anfang an nicht lumpen. Im Debüt-Jahr mit Williams ließ er am vorletzten Rennwochenende der Saison in Brasilien mit einer überraschenden Pole Position aufhorchen. Der Rookie wurde seinem Ruf als zukünftiger Grand-Prix-Sieger in allen Belangen gerecht. Nach einem Jahr Auszeit kehrte er 2012 mit Force India in die Königsklasse zurück und machte dort weiter, wo er 2010 aufgehört hatte. In Interlagos führte er abermals eine Gala-Vorstellung auf. Der unter Mischbedingungen stets starke Hülkenberg zeigte in Brasilien über weite Strecken ein fahrerisch und taktisch erstklassiges Rennen.

In der 18. Runde seines 39. Grand Prix übernahm er dabei erstmals die Führung. Diese sollte er bis Runde 48 halten - bis ihn Hamilton überholte. Hülkenberg wäre an diesem Sonntag in Sao Paulo mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit mit einem Podestplatz belohnt worden. Da es Hamilton jedoch nicht gelang den Force-India-Piloten abzuschütteln, setzte dieser in der 55. Runde zum Konter für den Sieg an - mit fatalen Folgen: Beim Angriff ins Senna-S verlor er das Heck und riss Hamilton aus dem Rennen. Er konnte zwar weiterfahren, doch mit Platz fünf wurde aus dem Podium nichts.

Italien & Korea 2013 - Hülkenbergs Sauber-Wunder

Zur Saison 2013 wechselte Hülkenberg von Force India zu Sauber. In der ersten Saisonhälfte machte es der C32 ihm schwer, sich in Szene zu setzen. Nach der Sommerpause kam das schweizerisch-deutsche Gespann dann doch richtig in Fahrt. In Monza qualifizierte Hülkenberg sich auf einem starken dritten Rang und fuhr im Rennen auf Platz fünf. Er überquerte die Ziellinie dabei lediglich zehn Sekunden hinter Sieger Sebastian Vettel. Auf den dritten Platz fehlten ihm gerade einmal vier Sekunden. Wenige Wochen später warf er in Korea wieder einmal seine Qualitäten als Regen-Fahrer in die Waagschale.

Unter schwierigsten Bedingungen kämpfte er sich auf Platz vier nach vorne und verteidigte diesen gegen Hamilton, Alonso und Rosberg. "Ich bin heute eines der besten Rennen meiner bisherigen Karriere gefahren. Ich hatte schon früher Autos im Spiegel, aber heute waren es einige und es war ziemlich anstrengend. Lewis hat am Ende richtig Druck gemacht", konstatierte Hülkenberg damals. Die Anerkennung der Gegner wurde ihm an diesem Tag zweifelsohne zuteil, doch für die Statistik stand letztendlich nur die Blechmedaille zubuche.

Mit einem der schwächsten Autos seiner Karriere zeigte Hülkenberg 2013 bei Sauber einige seiner besten Rennen - Foto: Sutton

Bahrain 2014 - Perez schnappt das Podium weg

Nach einem einjährigen Sauber-Gastspiel kehrte Hülkenberg 2014 zurück zu Force India, wo er Podest-Garant Sergio Perez zur Seite gestellt bekam. Der Mexikaner hatte zu diesem Zeitpunkt in Diensten von Sauber bereits drei Podien eingefahren. Hülkenberg sollte bald herausfinden, warum. Beim dritten Saisonrennen in Bahrain kämpfte er mit Williams-Pilot Felipe Massa um die dritte Position, nachdem er sich vom zwölften Startplatz aus vorgearbeitet hatte. Perez befand sich in Lauerstellung nutzte ein Scharmützel der Beiden aus, um vorbeizugehen.

Gegen Rennende wurde das Force-India-Duo von Daniel Ricciardo im Red Bull eingeholt. Während der Australier Hülkenberg noch abfing, ging Perez als Dritter weniger als eine halbe Sekunde vor diesem über die Ziellinie. Hülkenberg hatte an diesem Sonntag klar die bessere Pace. Die schnellste Rennrunde des Deutschen war stramme sechs Zehntel schneller als die von Perez, obwohl beide ihre besten Rundenzeiten im 37. respektive 36. Umlauf mit gleichen Spritmengen hinlegten. Die Podiums-Ehren wurden dennoch dem kaltschnäuzigen Perez zuteil.

Monaco 2016 - Strategie-Pech raubt Podest

Mit einer exzellenten Qualifying-Performance hatte sich Hülkenberg 2016 in den Häuserschluchten von Monaco mit Platz fünf in eine ausgezeichnete Ausgangslage gebracht. Starker Regen am Sonntag brachte die übrigen Zutaten für eine mögliche Podest-Überraschung mit sich. Hülkenberg hielt zunächst seinen fünften Platz. Als die Strecke abtrocknete, lief er jedoch in eine Strategie-Sackgasse. Er wechselte in Runde 15 früh auf Intermediates. Sein Pech dabei: Er kam danach hinter langsameren Fahrzeugen auf die Strecke, die noch auf Regenreifen unterwegs waren.

Perez hatte bei der Strategie das bessere Händchen. Hülkenbergs Teamkollege blieb länger draußen, stoppte auf Platz drei liegend in Runde 21 und hatte danach freie Bahn. Hülkenberg kämpfte unermüdlich weiter, überholte beim Herausbeschleunigen aus der letzten Kurve heraus sogar noch Nico Rosberg im Mercedes und wurde Sechster. Trösten konnte ihn das aber nicht: "Alles in allem habe ich das Gefühl, dass ich eine große Chance verpasst habe."

Sergio Perez griff einige von Hülkenbergs potentiellen Podestplätzen ab - Foto: Force India

Europa 2016 - Hülkenberg vergibt seine beste Chance

Hülkenberg war dank seiner Regen-Fähigkeiten in Brasilien 2012 schon richtig nah am Podium dran. 2016 hingegen beschenkte ihn die Formel-1-Premiere in Baku mit dem bisher wohl konkurrenzfähigsten Boliden seiner Karriere. Auf dem Power-Kurs in Aserbaidschan trumpfte Force India mit dem Mercedes-befeuerten VJM09 richtig auf. In den Trainings warteten Hülkenberg und Perez als zweite Kraft hinter den Silberpfeilen auf. Ein Podium aus eigener Kraft war in Reichweite.

Hülkenberg verschenkte diese Chance jedoch schon am Samstag. Im Q2 wollte der Emmericher offenbar etwas zu viel und war seine schnellste Runde weg. Der Einzug ins Q3 blieb ihm verwehrt - Startplatz zwölf war das Resultat. Am Rennsonntag zeigte Perez abermals, wie das Podium geentert wird. Der Mexikaner qualifizierte sich zunächst als Zweiter, musste jedoch eine Strafversetzung von fünf Positionen aufgrund eines Getriebewechsels hinnehmen. Im Rennen erkämpfte er dennoch Platz drei. Hülkenberg wurde Neunter.


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