Formel 1

Silberne Diva vs. Rote Göttin: Wir schauen uns die WM-Boliden genauer an

Mit dem Mercedes F1 W08 und dem Ferrari SF70-H standen die WM-Favoriten in der Saison 2017 früh fest. Wir werfen im Gespräch einen Blick auf die Boliden.
von Florian Becker
Ferrari vs Mercedes: Die Boliden der WM-Favoriten im Vergleich: (21:08 Min.)

Mit dem zur Saison 2017 geänderten Technischen Reglement sollte nach Jahren der Mercedes-Dominanz endlich wieder mehr als nur ein Auto in der Verlosung um den WM-Krone sein. Während die Weltmeister sich mit dem F1 W08 treu geblieben sind und wieder einen Titelkandidaten auf die Beine gestellt haben, hat Ferrari sich mit dem SF70-H als einziger Gegner die neuen Regularien zunutze gemacht. Seit dem Saisonauftakt in Melbourne herrscht ein knallhartes Tauziehen zwischen den beiden Top-Teams, deren Boliden mit ganz unterschiedlichen Stärken auftrumpfen.

Der enge Kampf zwischen den beiden Teams war so zunächst aber nicht abzusehen. Als Ferrari bei den Testfahrten wieder einmal mit den schnellsten Zeiten aufwartete, wollten viele noch nicht an eine ernsthafte Kampfansage in Richtung Mercedes glauben. Zu häufig waren die Italiener im Winter das Tempo mitgegangen, nur um dann gleich beim Saisonauftakt dem üblichen Rückstand hinterherzulaufen. Mercedes-Aufsichtsrat Niki Lauda sah es allerdings schon zu diesem Zeitpunkt anders: "Ich glaube, für Mercedes steht ein hartes Jahr bevor."

Ich glaube, für Mercedes steht ein hartes Jahr bevor.
Niki Lauda

Die österreichische Formel-1-Legende sollte Recht behalten: Zwar sicherte sich Hamilton beim Saisonauftakt in Melbourne wieder einmal deutlich die Pole Position, doch am Sonntag schenkte Vettel den silbernen Seriensiegern den ersten Wermutstropfen der Saison ein. Wer an einen glücklichen Ausrutscher der Scuderia dachte, wurde spätestens in Bahrain eines Besseren belehrt. Ferraris Bolide des Jahrgangs 2017 bewies in der ersten Saisonhälfte Wochenende um Wochenende aufs Neue, dass er Weltmeister-Potential hat.

Von der Unzuverlässigkeit, die Vettel und Teamkollege Kimi Räikkönen 2016 noch plagten, ist diese Saison nichts mehr zu sehen. Das gilt sowohl für die Technik, als auch für den Kommandostand. Während die Italiener sich angesichts unterlegenen Materials letztes Jahr bei der Strategie noch regelmäßig selbst ins Knie schossen, wurden 2017 bereits Siege durch den richtigen Riecher an der Boxenmauer gefeiert. Dass der SF70-H seine Stärken vor allem am Sonntag ausspielt, zeigt die Statistik.

Nach Pole Positions steht es 8:3 für Mercedes, bei den Siegen ist Ferrari beim Stand von 6:4 deutlich näher dran. Zu Saisonbeginn punktete Maranello am Renntag noch mit besserem Reifenmanagement. Als Mercedes die Pirelli-Pneus besser in den Griff bekam, schien es zeitweise so, als ob Ferrari die Luft ausgeht. Mit dem Sieg in Budapest zeigte die Truppe rund um Teamchef Maurizio Arrivabene rechtzeitig zur Sommerpause, dass der SF70-H seinem Widersacher aus Brackley nach wie vor den Schneid abkaufen kann.

Mercedes muss sich 2017 regelmäßig mit der Rolle des Ferrari-Jägers auseinandersetzen - Foto: LAT Images

Mercedes in einer ungewohnten Situation

Für Mercedes macht Ferrari die Saison 2017 zu einer neuen Herausforderung. Vorbei sind die Zeiten, als die Konkurrenz den Silberpfeilen mit einer halben Sekunde Rückstand pro Runde oder mehr hinterherhechelte. Die Mercedes-Chefetage mit Teamchef Toto Wolff an der Spitze spürt den Druck und sieht sich erstmals seit langer Zeit in der Rolle des Jägers - denn die WM-Führung gehört seit Australien Sebastian Vettel. In der Konstrukteurs-WM liegen die Silbernen zwar vorne, doch das ist hauptsächlich der Verdienst von Lewis Hamilton und Valtteri Bottas.

Mercedes tat sich vor allem in den ersten Rennen schwer, mit dem von Wolff als Diva bezeichneten Boliden aus den 2017er Reifen das Maximum herauszuholen. Hinzu kam, dass die FIA der vermeintlichen Wunder-Aufhängung der Silberpfeil-Ingenieure einen Riegel vorschob. Als größter Trumpf des F1 W08 blieb bisher vor allem die Pace im Zeittraining. Der Qualifying-Modus der Power Unit aus Brixworth sorgt nach wie vor dafür, dass Hamilton und Bottas sich für das Rennen die bessere Ausgangslage sichern können. Im Rennen müssen die Piloten dafür richtig ackern.

Selbst in Baku, als Hamilton im Qualifying über eine Sekunde schneller als die Ferraris war, gab es am Sonntag kein Entkommen. Auf winkligen Kursen wie Monaco oder Budapest muss man sich bei Mercedes bisher sogar mit der zweiten Geige abfinden. Richtig stark ist der Silberpfeil nach wie vor auf Rennstrecken wo viel Downforce gefragt ist. Auf dem Highspeed-Layout von Silverstone war Lewis Hamilton unantastbar. Mehr Fakten zu den Boliden der Top-Teams bekommt ihr im Video. Was denkt ihr? Welches der beiden Teams wird bei den noch ausstehenden Rennen die Oberhand haben? Wir freuen uns auf eure Meinungen und Kritiken in den Kommentaren.


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