Erst zum zweiten Mal macht der Formel 1 Tross an diesem Wochenende beim Großen Preis von Bahrain auf der hochmodernen Streckenanlage von Sakhir im Mittleren Osten Station.

Angesichts des ungewöhnlichen Wüstenflairs, des vielen Sandes, der überrascht dreinschauenden Kamele, des arabischen Einflusses und der vielen anderen für Europäer ungewöhnlichen Umstände sollte man meinen, dass der Rahmen für ein spannendes und abwechslungsreiches Wochenende gegeben ist. Doch in der Formel 1 ist nichts normal. Oder etwa doch?

Ein schrecklich normales 1. Freies Training

Was macht ein Formel 1 Pilot an seinem ersten Trainingstag auf einem noch ziemlich unbekannten Kurs? Ganz klar: Er fährt zu Beginn der ersten Trainingsstunde einmal auf die Strecke um die Systeme und den Funk zu überprüfen, steigt aus seinem heißen Cockpit aus und wartet in der Box darauf, dass die Session beendet ist. So oder so ähnlich praktizierten alle Fahrer den Start in das dritte Rennwochenende des Jahres. Der unrühmliche Rundengeiz war auch in Bahrain angekommen.

Denn dank der Zwei-Wochend-Motoren und dem damit verbundenen Materialschonen sowie der äußerst staubigen und griplosen Strecke, wagte sich im ersten Training kaum jemand aus der Box. Für die gelangweilten Zuschauer galt es also die Sandkörner zu zählen.

Ein schrecklich normales 2. Freies Training

Und was machen die 24 Auserwählten während der zweiten Trainingsstunde? Sie fahren das ein oder andere Mal öfter aus der Box, sammeln dabei "wichtige Daten", die "über Nacht analysiert" werden müssen, und erleben einen "ganz normalen Freitag".

Die meiste Arbeit erledigten auch heute wieder die vier aktiven Testpiloten der Bottom6-Teams, welche nicht an die Motoren- oder Reifenbegrenzungen gebunden sind und somit ihre Umläufe ohne Angst vor Strafversetzungen drehen können. Wenig überraschend holte sich deshalb McLaren-Tester Alex Wurz die Bestzeit eines ganz normalen Freitags in Bahrain.

Ein schrecklich normales Press Release

Nach diesem 'Spektakel' auf der Rennstrecke, beginnt ein nicht minder 'abwechslungsreiches' Medienspektakel. Der Reihe nach bereiten die zehn Teams ihre Pressemitteilungen vor, in welchen sie äußerst innovativ alle von einem "normalen", "gewöhnlichen", "problemlosen" oder sogar "produktiven" Auftaktfreitag sprechen.

Demnach wurde auf den wenigen absolvierten Runden am Setup gefeilt, das Handling verbessert, die Reifenwahl vorbereitet und das komplette geplante Programm abgespult. Wer dies 'an jedem verdammten Freitag' auf's Neue erlebt weiß, dass dies alles andere als ein Aprilscherz zum heutigen Scherztag ist.

Aber zumindest Renault bewies heute zum zweiten Mal in dieser Saison, dass auch die ach so abgehobene und fanferne Königsklasse hinter ihren Fahrerlagerdrehkreuzen noch Spaß versteht. So hängten die Franzosen ihrer Pressemitteilung zum heutigen "schrecklich normalen Freitag" eine Meldung über ein "innovatives Becherhaltersystem" im Cockpit der beiden Renault-Piloten an.

Jenes System soll aber nicht nur einem Trinkflaschendefekt wie bei Fernando Alonso in Malaysia vorbeugen, sondern auch den "Schwerpunkt senken" und somit "Leistungsvorteile" bringen. Dank dieses unerwarteten Anflugs von Humor, sorgten die Franzosen dafür, dass der Freitag in Bahrain letztlich doch kein "schrecklich normaler Freitag" war...