Die FIA bat in Bahrain wieder zur Pressekonferenz mit den Ingenieuren der Königsklasse - die "Superhirne" der Formel 1 mussten in diesem Jahr eine Verdopplung der Lebensdauer bei den Motoren und eine drastische Vermehrfachung der Lebensdauer der Reifen in ihre Arbeit integrieren - für viele eine große Herausforderung. Und so wollte man nach den ersten beiden Saisonrennen eine Zwischenbilanz zu den neuen Regeln hören - von den Motorentechnikern Mattia Binotto (Ferrari), Denis Chevrier (Renault), Mario Illien (Mercedes) und Otto Sznafnauer (Honda) sowie den Reifentechnikern Hiroshi Yasukawa (Bridgestone) und Michelin-Motorsportdirektor Pierre Dupasquier.
Das Kostensparen war neben dem Einbremsen der Boliden einer der wesentlichen Beweggründe für die einschneidenden Regeländerungen der Sportbehörde. Bei den Motoren jedoch wurde aus der Kostenreduktion ein erheblicher Mehraufwand, wie Mario Illien vorrechnet: "Die Regeln für dieses Jahr kamen relativ spät und darüber hinaus müssen wir für nächstes Jahr einen neuen 2,4 Liter V8-Motor entwickeln. Alles in allem sind die Kosten für diese Saison gestiegen." Dass die Entwicklung der Achtzylinder-Aggregate ebenfalls und noch dazu erhebliche Mehrkosten verursacht, versteht sich von selbst.
Szanfnauer: In diesem Jahr keine Einsparungen!
FIA-Präsident Max Mosley wollte mit seinen Motorenregeln Geld einsparen - das Ergebnis, eine Kostenexplosion auf dem Motorensektor, stellt die Formel 1 quasi in ein schräges Licht des Absurden. Die sündteure Sparmaßnahme gerät zum Treppenwitz der Königsklasse. Während bei den Reifen laut den Technikern zumindest bei der Stückzahl einiges eingespart wird, bringt die Zweiwochenend-Regel auch aufgrund ihrer späten Einführung, aber vor allem wegen ihrer auf lediglich ein Jahr befristeten Gültigkeit wenig bis gar nichts. Es werden zwar weniger Motoren gebaut, wie das Illien bestätigt, doch dafür musste kurzfristig die Lebensdauer verdoppelt werden - und so sagt auch Hondas Otto Szanfnauer: "In diesem Jahr werden wir kein Geld einsparen."
Zugleich starteten die Motorenhersteller längst mit der völligen Neuentwicklung der V8-Motoren. Diese würden zwar erhebliche Mehrkosten zur Folge haben, wie Ferrari-Techniker Binotto bestätigt, aber: "Es ist jetzt einfach die Zeit dafür gekommen, die Performance der Formel 1-Autos zu reduzieren."
So sieht das auch Max Mosley. Man hat den Eindruck - wird nicht gespart, wird auf die Einbremsung der Boliden verwiesen. Wird nicht eingebremst, wird auf die Kostenreduktion verwiesen. Mosley scheint ein Meister in diesem Verweis-Spiel zu sein. Denis Chevrier glaubt jedoch an die Reduktion der Stückzahlen: "Wir haben zu keinem Zeitpunkt erwartet, dass wir im letzten Winter Kosten einsparen könnten. Aber von der Reduktion der Stückzahlen erwarten wir uns eine große Einsparung." Was der Renault-Techniker vergisst: Am Ende des Jahres werden die V10-Motoren ins Museum wandern...
Reifenhersteller setzen auf reduzierte Stückzahlen!
Auch die Reifenhersteller geben offen zu, dass die Entwicklung der neuen, langlebigen Pneus Extrakosten verschlungen hat und man bei den Tests ungeniert Geld verbrannt hat - doch auch sie bringen die reduzierten Stückzahlen ins Spiel. Dupasquier sagt: "Beim Testen hat sich vom Aufwand her gar nichts verändert. Aber zu den GP brachten wir früher zehn Reifen-Sets pro Fahrer, jetzt sind es nur noch vier. Das ist ein signifikanter Unterschied, das ist weniger als die Hälfte."
Um wie viel es billiger kommt, anstatt 200 nun 60 Reifen-Sets zu produzieren, hat der Michelin-Direktor nicht vorgerechnet. Es stellt sich die Frage, ob die Stückzahlen der Gummis tatsächlich eine derartige Einsparung bringen können? Verglichen zu den immens hohen Entwicklungs- und Testkosten...
Die FIA hat sich entschlossen, die Idee eines Einheitsreifens endgültig zu verwerfen - stattdessen hat Mosley eine seiner typischen 180 Grad-Wendungen unternommen und die Formel 1 für alle Gummigiganten geöffnet. Bridgestone-Yasukawa begrüßt diese Entscheidung: "Ich hoffe, dass neue Reifenfirmen in die Formel 1 kommen." Michelin-Dupasquier sagt: "Ich weiß nicht, ob wir darauf hoffen können, dass neue Reifenhersteller in die Formel 1 kommen - aber wir haben den Einheitsreifen massiv bekämpft, da so etwas keinen Sinn machen würde."
Keine bösen Überraschungen in den Melbourne/Malaysia-Motoren!
Jetzt - nach zwei Rennwochenenden - haben die Motorenhersteller beim Öffnen ihrer in Melbourne und Malaysia verwendeten Aggregate unliebsame Überraschungen entdeckt? Diese Frage hätte sich der Interviewer vor der Pressekonferenz gleich selbst beantworten können. Denn welcher bei einem der Automobilkonzerne beschäftigte F1-Techniker würde nun allen Ernstes antworten: "Jawohl, wir haben fürchterliche Dinge entdeckt. Abgerissene Pleuel, in den Zylindern eingeschmolzene Kolben und völlig verbogene und noch dazu Haarrisse aufweisende Kurbelwellen..."?
Was man zu der Techniker-PK noch sagen könnte: Die Techniker sind die Techniker. Die Hersteller sind die Hersteller. Mosley ist der FIA-Präsident. Der Sport ist der Sport. Die Fans sind die Financiers dieses Sports. Und Mosley machte sie gar zu den Rettern der Formel 1. Weil die weltgrößten Automobilkonzerne sparen müssen, helfen jetzt die Fans aus. Für den gleichen und sündteuren Eintritt verzichten sie zumindest in den Trainingseinheiten auf Action auf der Rennstrecke, damit die armen Hersteller ihre Maschinen schonen können. Jeder einzelne, der am Freitag Morgen auf einer Tribüne oder vor dem Fernsehgerät die gähnend leere Strecke beobachtet und mit dem Einnicken kämpft, darf sich geehrt fühlen: Er hilft den Automobil-Konzernen beim Sparen. Und gibt es etwas schöneres, als anderen zu helfen?

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