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Das Fazit des ersten Teils unseres Saisonrückblicks 2004 war, dass Ferrari dank der roten Erfolgsfaktoren Politik, Mythos, hartes konzentriertes Arbeiten, das System Schumacher und Bridgestone zwei verdiente WM-Titel feiern durfte.

Bei der silbernen Konkurrenz von McLaren Mercedes gab es nach einem katastrophalen Saisonstart hingegen erst mit der Einführung des MP4-19B erste Achtungserfolge zu verzeichnen.

Das Überraschungsteam des Jahres, B·A·R Honda, konnte sich derweil im Laufe des Jahres immer weiter steigern und den Abstand zu Ferrari verringern. Aber auch im Ferrari befand sich noch so viel Potenzial, dass sie immer noch einmal nachlegen konnten. Dass heißt immer wenn B·A·R einen Schritt machte, konnten die Roten kontern, so dass der Abstand am Ende relativ gleich blieb.

Die brutalste Niederlage der Weißen war sicherlich Monza, wo Michael Schumacher den britischen Jungstar Jenson Button am Ende der Zielgeraden wie einen Formel 3 Piloten stehen ließ. Da reichen dann auch keine rapportierten 960-Suzuka-Super-Honda-PS im Heck des BAR006.

Gegen Saisonende schien es mir dabei so, als ob die Gegner aufgesteckt hätten. Denn so wie die Scuderia das letzte Saisondrittel dominierte, kann einem wirklich Angst und Bange werden. Schließlich war nichts und niemand mehr dazu in der Lage Ferrari ernsthaft zu gefährden. Dies gilt auch für den Brasilien GP, welchen bekanntlich Juan Pablo Montoya vor Kimi Räikkönen gewann.

Doch bei entweder stärkerem oder weniger starkem Regen hätte Rubens Barrichello auch das Abschlussrennen locker gewinnen können. Dass letztlich nur Rang drei heraussprang, war einzig und allein der Intensität des Regens zuzuschreiben. Ansonsten hätte der Brasilianer hier seinen Traum eines Heimsieges wahr machen können.

Michael Schumacher wirkte unterdessen sowohl in China als auch in Brasilien nicht mehr in Hochform und nicht mehr hochkonzentriert. Entsprechend erfreute er sich nach dem Erreichen seiner Saisonziele rein am Spaß des Grand Prix Racings.

Weniger erfreulich waren hingegen die abfallenden Leistungen bei Renault. Denn im gleichen Maße wie British American Racing immer mehr zulegen konnte, bauten die Franzosen drastisch ab. Interne politische Querelen rund um den fünf Rennen punktelosen Monaco-Sieger Jarno Trulli gipfelten in dessen Entlassung. Aber auch der hoch gehandelte Nachfolger und Weltmeister aus Kanada, Jacques Villeneuve, konnte überhaupt nichts für die Gelb-Blauen zerreißen.

Doch obwohl Villeneuve dabei sehr viel von seinem Mythos verlor, muss man zu seiner Verteidigung hinzufügen, dass seine Physis aufgrund der durch den erhöhten Reifengrip schnelleren Boliden nicht ausreichte und der unglaublich schwer zu fahrende, untersteuernde R24 nur einem Spezialisten wie Fernando Alonso, der das gesamte Jahr damit fahren durfte, entgegen kam.

Der junge Spanier fuhr auf alle Fälle erneut eine hervorragende Saison und bewies damit wieder einmal, dass er zusammen mit Kimi Räikkönen einer der Stars der Zukunft sein wird. Leider konnte sich sein Team gegen Jahresende nicht mehr steigern und ließ zudem die Zuverlässigkeit des Öfteren zu wünschen übrig.

Die Enttäuschung des Jahres 2004 ist jedoch BMW-Williams. Auszumachen ist dies ganz einfach an einem Zitat von Sir Frank Williams auf der Fahrzeugpräsentation in Valencia: "Alles andere als der WM-Titel wäre eine Enttäuschung."

Aber nicht nur der Teamchef dürfte nach dieser Saison enttäuscht sein, sondern auch wir als Betrachter und Fans. Denn das hässliche Auto war auch noch hässlich langsam. Da nützte auch der Montoya-Sieg am Ende des Jahres herzlich wenig. Die Saison war zuvor schon verkorkst und aufgrund des anstehenden Wechsels des Kolumbianers dürfte man sich darüber bei McLaren fast mehr gefreut haben.

Das weiß-blaue Debakel liegt meiner Meinung nach aber eher an WilliamsF1 und deren Auto als am Motorenpartner BMW und deren Zehnzylinder. So hege ich den leisen Verdacht, dass die Firmenstruktur in Grove mit Frank Williams Patrick Head und Sam Michael einfach nicht mehr dem Zeitgeist entspricht. Entsprechend ist Williams wohl auch im kommenden Jahr nicht der erste Ferrari-Jäger. Diese Rolle kommt eher McLaren Mercedes zu.

Ralf Schumacher ist bei seinem Horrorcrash glimpflich davon gekommen, scheint nach seiner Verletzungspause aber trotzdem schon wieder der alte zu sein, weswegen ich mich auf ihn und Toyota im kommenden Jahr freue. Ich kann mir vorstellen, dass da einiges kommen wird.

Insgesamt war die Saison aus deutscher Sicht sportlich wertvoll, da Michael Schumacher klar dominierte, aber als objektiver Berichterstatter und neutraler Beobachter empfand ich die Saison als teilweise ermüdend. Die Ereignisse glichen sich einfach oftmals zu stark.

Herausragende Rennen waren sicherlich das Crashfestival in Monaco, der spannende Grand Prix in Belgien, das Rennen der neuen Dimension in Shanghai und als Taktikrennen mit vier Schumacher-Boxenstopps der Frankreich GP in Magny Cours.

Die Lehren der Saison

Die unsägliche Regeldiskussion, die zu verbessernde Show, die politische Lähmung der Formel 1, die GPWC-Konkurrenzserie die drohend über Bernie Ecclestones Zirkus schwebt: Das sind alles Probleme die uns noch lange beschäftigen werden, wobei Ansätze zwar in Sicht sind, richtige Lösungen aber noch fehlen.

Für 2005 dürfte sich nach den Leistungen der abgelaufenen Saison deshalb folgendes Bild herauskristallisieren: Ferrari ist nach dem frühen Titelgewinn fünf Rennen vor Schluss auch 2005 erneut klarer WM-Favorit. Die Roten verfügen über einen Entwicklungs-, Erfahrungs- und Testvorsprung im Hinblick auf die neuen Autos, Reifen sowie Regeln und es ist nicht anzunehmen, dass Bridgestone noch einmal eine solche Schwächephase wie 2003 erleben wird. Somit liegt der achte Titel für Michael Schumacher absolut im Bereich des Möglichen.

Wenn Rubens Barrichello die Lockerheit des letzten Saisondrittels von 2004 gleich zu Beginn des neuen Jahres umsetzen kann und sich das Team von Anfang an auf ihn konzentriert, dann besitzt auch er eine Chance seinen Teamkollegen zu schlagen. Die meiste Spannung könnte dann entstehen, wenn Barrichello in den ersten Saisonrennen hoch punkten könnte. Denn dann würden wir sehen, welcher der beiden Ferrari-Piloten das bessere Ende für sich haben würde.

Die Verfolger werden dennoch näher dran sein als 2004. Allen voran sehe ich hier McLaren Mercedes in einer ganz starken Position auf Augenhöhe mit B·A·R. Diese beiden Teams sollten als erste Verfolger was Paket, Motor und Erfahrung angeht am ehesten Ferrari gefährlich werden können.

Gefolgt werden die Silbernen und Weißen von Renault und Williams, wobei bei den Franzosen sicherlich die Politik rund um die Zerrissenheit mit Flavio Briatore, die Konzernpolitik und das Motorenkonzept eine Rolle spielt, und bei Williams muss man einfach "nur" ein gutes Auto hinbekommen.

Knapp dahinter wird sich wieder Sauber einrangieren, die mit Jacques Villeneuve und den Michelin-Reifen einige neue Dinge ausprobieren. Der Reifenwechsel spielt meines Erachtens wieder einmal Ferrari in die Karten, da man sehr genau über die französischen Konkurrenzprodukte bescheid wissen wird.

Insgesamt werden auch 2005 wieder zehn Rennställe an den Start gehen. Drei Autos pro Top-Team wären ohnehin die denkbar ungünstigste Lösung gewesen. Stellen Sie sich einfach einmal vor, dass auf dem Podest Schumacher, Barrichello und Badoer stehen. Dass wäre für jeden anderen Hersteller der sportliche Alptraum.

Toyota sichert Jordan einen Motorendeal, Minardi ist ohnehin die Trumpfkarte von Bernie Ecclestone und Jaguar wird als Red Bull Racing Team weiter in der Formel 1 mitmischen. Somit ist das Horrorszenario von nur sieben Teams vom Tisch.

Am Kräfteverhältnisse der Formel 1 dürfte sich 2005 zwar eher wenig ändern, doch sollte die Spannung merklich gesteigert werden. Ferrari sollte nicht noch einmal dazu in der Lage sein 15 von 19 Rennen zu gewinnen. Sie werden allerdings erneut in jedem Rennen siegfähig sein.