1. - Wie konnte sich Alonso beim Start an die Spitze setzen?
Fernando Alonso hatte es am Samstag nach dem Qualifying noch mutig angekündigt: "Ich muss noch vor der ersten Kurve in Führung gehen, um eine Chance zu haben." Es passierte wirklich. Der Ferrari-Pilot kam beim Start perfekt weg und kassierte gleich Sebastian Vettel, der sich trotz Anstrengung nicht verteidigen konnte.
Da Mark Webber zu sehr mit seinem Teamkollegen beschäftigt war und diesen im Rückspiegel hatte, zog Alonso innen fair vorbei. "Der Start war gut", stellte Alonso anschließend fest. "Wir hatten dieses Jahr noch keine guten Starts und heute hat es endlich funktioniert. Auf der langen Geraden bis Kurve eins kann man den Windschatten gut nutzen." Zumindest das gelang dem Spanier.
2. - Warum fiel Alonso im Rennen so stark ab?
Es hätte die Sensation werden können: Fernando Alonso düpierte beim Start die beiden Red Bulls und ging in Führung. Doch aus dem ersten Ferrari-Sieg 2011 wurde nichts - ganz im Gegenteil. Zum Schluss musste sich der Spanier sogar überrunden lassen. Zunächst sah es gut aus für den Ferrari-Star, auch wenn er sich nicht entscheidend absetzen konnte.
Dann schlug die Zeit der harten Reifen - und brach Alonso das Genick. Der 150° Italia kam überhaupt nicht mit der neuen Pirelli-Mischung zurecht und verlor jegliche Balance. Die bis dahin gute Rennpace war dahin, Alonso musste das Feld ziehen lassen. "Warum haben sie [Pirelli] einen Reifen mitgebracht, der weniger Grip besitzt als der alte, schneller abbaut und zwei Sekunden Zeit kostet", fragte Alonso nach seinem Heimrennen sichtlich frustriert.
3. - Warum war McLaren so nah an Red Bull dran?
Im Qualifying bleibt Red Bull die beherrschende Macht, doch im Rennen hat McLaren aufgeholt. Die Rennpace der Briten wird immer besser und liegt teilweise schon auf dem Niveau der Bullen. Barcelona hat gezeigt: In den schnellen Kurven hat der RB7 die Nase vorn, doch auf der langen Gerade liegen die Vorteile beim MP4-26. Hamilton machte im dritten Sektor konstant Zeit auf den Führenden gut.
Eine Rolle spielte dabei allerdings auch Vettels KERS, das offenbar zeitweise wieder einmal nicht funktionierte - Vorteil McLaren, denn das Hybridsystem der Briten gilt als äußerst zuverlässig. "Ich habe das Gefühl, im Qualifying fallen wir im Vergleich zu Red Bull bei der Pace zurück, was sehr eigenartig ist", meinte Jenson Button. "Im Rennen geht es aber nicht nur um die Aerodynamik, sondern auch um Strategie, Reifenschonen, KERS, etc."

4. - Wieso kam Hamilton nicht an Vettel vorbei?
Das Szenario bestimmte den Spanien GP: Runde um Runde jagte Hamilton dem führenden Vettel hinterher und zeitweise machte es den Anschein, dass der McLaren-Pilot den Weltmeister noch schnappen würde. Doch Vettel fuhr seinen vierten Sieg schließlich nach Hause. Dabei musste sich der 23-Jährige mächtig anstrengen, denn Hamilton konnte mehrmals den verstellbaren Heckflügel einsetzen und auf KERS bauen.
"Man darf sich nicht den kleinsten Fehler erlauben, muss perfekt fahren", meinte Christian Danner gegenüber Motorsport-Magazin.com. Das gelang Vettel, der auch noch harte Reifen fuhr, die eine Runde älter als Hamiltons Pneus waren. Laut Helmut Marko sei es zwar verdammt knapp gewesen, doch Red Bull hatte ausgerechnet, dass eine halbe Sekunde Vorsprung reichen würde.
Vettel schaffte es Rundenlang, genau diesen Zeitabstand zu Hamilton zu halten. Dabei hatte er noch Glück, dass er nicht vom Verkehr aufgehalten wurde. Zum Schluss rettete ihm wohl die Zeit den Sieg. "Die letzten zehn Runden habe ich mich wie in China gefühlt, als die Reifen immer mehr abbauten. Ich habe gebetet, dass es bei Lewis ähnlich aussehen würde", verriet Vettel. Hamilton glaubte, dass ein paar Runden mehr vielleicht für ein finales Überholmanöver gereicht hätten.
5. - Was meinte Helmut Marko mit der "Ferrari-Spionage"?
Spionage. Ein verpöntes Wort in der Formel 1, das jeder nur ungern in den Mund nimmt. Red-Bull-Motorsportberater Helmut Marko tat es nach dem Spanien GP trotzdem. "Uns ist aufgefallen, dass Ferrari eine Art Spionage hatte", klagte er die Italiener an. Wie kommt Marko zu dieser Vermutung? Er erklärte, dass man Mark Webber bei seinem ersten Stopp sehr spät in die Box gerufen habe. Das sollte einen Vorteil gegenüber Alonso bringen.
"Trotzdem hat es Ferrari geschafft, ihn auch reinzuholen. Sie konnten auf uns reagieren", so Marko. Er glaubte, dass Ferrari die Red-Bull-Box beobachten lässt: "Man kann ja sehen, wer wann zu den Reifen geht. Wir haben das schnell abgestellt." In der Folge habe die Crew sich erst kurz vor dem Einfahren auf den Stopp vorbereitet. Ferrari wollte sich zu den Vorwürfen bislang nicht äußern.
6. - Warum schaffte es Webber nicht aufs Podium?
Mark Webber war auf dem besten Wege zum kompletten Countdown-Mann. Der Red-Bull-Pilot hatte sich von Grand Prix zu Grand Prix konsekutiv um einen Rang verbessert. Es fehlte nur der Sieg, dann wäre die Serie perfekt gewesen. In Barcelona hatte er sogar die Pole geholt, wurde aber gleich beim Start von Vettel und Alonso kassiert. Die Strategie von Red Bull war in der Folge vornehmlich auf den besser platzierten Vettel ausgerichtet. Bereits beim ersten Stopp büßte Webber viel Zeit auf die Spitze ein und fiel in der Folge immer weiter zurück.

Nach dem Rennen erklärte der Australier: "Heute war alles eine Frage der Strategie. Sebastian kam nach vorne und konnte sich absetzen. Danach war es ein reines Schachspiel mit den Boxenstopps - es war wenig Rennsport auf der Strecke." Wenn man bei der Strategie nur ein wenig daneben gelegen habe, sei man bloßgestellt worden, meinte Webber weiter. Am Ende wurde es nur Platz vier auf dem Circuit de Catalunya.
7. - Wieso stoppte Button nur drei Mal?
Zunächst sah es überhaupt nicht rosig aus für Jenson Button. Beim Start kam der McLaren-Pilot schlecht weg und verlor gut fünf Positionen. Die Briten reagierten auf das Dilemma und änderten die Boxenstopp-Strategie. Während Hamilton - wie die anderen an der Spitze - vier Mal in die Box kamen, überquerte Button die Ziellinie mit drei Stopps. "Es war eine fantastische Strategie, dadurch kam ich auf das Podium", jubelte der Weltmeister von 2009 anschließend.
Button war auf den weichen Pirellis gestartet und hatte für die nächsten beiden Stints wieder weiche Reifen aufziehen lassen. Dank seiner schonenden Fahrweise schaffte er es, mit den drei Sätzen bis zur 48. Runde auszukommen. Zum Vergleich: Vettel hatte seinen ersten Satz nach nicht einmal zehn Runden verschlissen. "Es war toll, wie ich an Mark und Fernando vorbeifahren konnte, als sie auf harten und ich auf weichen Reifen waren", so Button. Zum Ende des Rennens bot die Strecke genügend Grip, um den großen Nachteil der harten Reifen wettzumachen.
8. - Wie schaffte es Heidfeld in die Punkte?
Vettel verteidigte den Sieg, doch der heimliche Star des Rennens war Nick Heidfeld. Das Qualifying musste er auslassen, nachdem sein R31 im 3. Training Feuer gefangen hatte. Von ganz hinten musste der Lotus Renault GP-Pilot das Feld aufrollen. Es klappte: Er ließ nicht nur Teamkollege Vitaly Petrov hinter sich, sondern sammelte als Achter noch ein paar Punkte ein. Heidfeld haderte sogar noch mit dem Ergebnis, weil er die beiden Mercedes vor sich im Visier hatte. Zum Schluss habe einfach die Zeit zum Überholen gefehlt, glaubte der 33-Jährige.
"Das ist eine enorme Leistung, er hat ein klasse Rennen gefahren", attestierte auch Kai Ebel. Heidfeld war auf den harten Reifen ins Rennen gegangen und hatte schon beim Start einige Positionen gutgemacht. Zudem vertraute das Team auf eine Dreistopp-Strategie - sie ging auf. Heidfeld sparte sich wertvolle Zeit in der Boxengasse und pflügte sich durchs Feld, ohne großartig aufgehalten zu werden.



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