Mit etwas verstärkter Aufmerksamkeit hatte Bruno Senna in Japan gerechnet - schließlich hatte sein Onkel Ayrton hier außerhalb von Brasilien immer seine treueste und größte Fangemeinde. "Aber dass es so extrem werden würde, hätte ich nicht gedacht", schüttelte er nur den Kopf, als er mit Kratzern an den Armen und Filzstiftspuren überall ins Fahrerlager kam.

"Das war unglaublich, wie die Leute sich auf mich gestürzt haben, ich bekam wirklich fast Angst, dass was passiert, jemand von denen oder auch mir. Dabei bin ich schon ohne Mütze vom Circuit Hotel ins Fahrerlager gegangen" - ohne die markante, blaue Embratel-Kappe sinkt der Erkennungsfaktor bei den Durchschnittsfans sonst doch deutlich ab.

"Aber hier hat das gar nichts genützt, die kamen schon von weitem wie wild auf mich zugestürzt, hatten auch alle wirklich viel Zeug von mir, Fotos, Kappen, T-Shirts... Es ist ja einerseits schön, wenn man merkt, dass die Leute einen so mögen, aber es ist auch schwierig, sich richtig zu verhalten. Ich konnte zum Teil nicht anders, als die wirklich auch wegzudrängen, wegzustoßen - das will man einerseits nicht, aber man macht es dann doch, aus reinem Selbstschutz..." Eines wusste Senna jedenfalls ganz genau: "Morgen laufe ich nicht mehr runter, da nehme ich mir ein Auto..."

Auf das Rennen freut er sich auf jeden Fall schon - auch wenn er weiß, dass es wieder ein sehr schwieriges Wochenende werden wird. "Ich kann es kaum erwarten, mal auf dieser Strecke zu fahren, weil sie so schön und anspruchsvoll ist" - viele, viele Videos hat er von Rennen auf diesem Kurs gesehen, nicht zuletzt natürlich deshalb, weil sein Onkel hier dreimal Weltmeister wurde.

"Ich glaube, ich kenne mich hier von Anfang an zumindest im Groben ganz gut aus, die Feinheiten wie Asphaltbeschaffenheit und so kann man freilich erst beim Fahren merken." Eine Kombination aus Spa und Silverstone sei Suzuka von der Charakteristik her, mit Downforcelevel etwa wie in England, "und die vielen langgezogenen Kurven machen es für die Stabilität unseres Autos sicher nicht einfach. Allerdings hat es nicht so viele Bodenwellen wie in Silverstone, das hilft vielleicht ein bisschen."