Belgien lief am Ende doch unglücklich für uns - ich hatte mir von dem Spa-Wochenende einiges versprochen. Erstens, weil unser Auto vom Downforce-Level her sehr gut zu dieser Strecke passt, zweitens, weil Spa auch meine absolute Lieblingsstrecke ist. Aber irgendwie waren wir zumindest vom Qualifying an alles andere als vom Glück verfolgt - auch wenn sich in den Sessions zuvor - und gerade im freien Training am Samstagvormittag, im Tockenen, gezeigt hat, dass unsere Annahme, hier zumindest mal wieder mit den anderen Neuen wirklich kämpfen zu können, durchaus richtig war.
Ganz am Anfang des freien Trainings am Samstag, als ich für das Fernsehen meine Live-Streckenbeschreibung aus dem Cockpit gemacht habe, war es allerdings zumindest an einigen Stellen noch ziemlich nass. Das macht so eine Aktion dann gar nicht so einfach, zumindest, wenn man mit kalten Reifen aus der Box kommt, wenn man dabei nicht allzu langsam fahren will, gleichzeitig reden und erklären soll, so dass beim Zuschauer auch was Vernünftiges und Verständliches ankommt - und man aber auch noch höllisch aufpassen muss, dass man nicht irgendwo auf einem Wasserfleck ausrutscht und abfliegt. Aber mir hat's Spaß gemacht - ich hoffe, den Zuschauern auch. Ich habe es am Freitag schon mal gemacht - da wurde es aber nur als Test aufgezeichnet, am Samstag früh dann leicht gesendet...

Im Qualifying fing es prompt im entscheidenden Moment wieder zu regnen an und in der ersten Runde, als alle noch mit Slicks draußen waren, hatte ich das Pech, dass da vor mir Hülkenberg und de la Rosa abflogen, durchs Gras rodelten und dann genau vor mir wieder auf die Strecke kamen. Dadurch habe ich über zwei Sekunden verloren, hatte also praktisch überhaupt keine echte Zeit stehen, war deutlich hinter meinem Teamkollegen - und das hat die Entscheidung für den zweiten Versuch sehr schwer gemacht.
Mit Intermediates auf Nummer Sicher oder mit Slicks auf der inzwischen wieder ein bisschen abtrocknenden Strecke auf Risiko? Angesichts der Tatsache, dass ich keine Basis hatte, keine "Sicherheitszeit", und dass wir mit unserer wenigen Downforce doch immer ziemlich lange brauchen, um die Slicks auf Temperatur zu bringen, habe ich mich für die Inters entschieden. Aber auch wenn die Runde damit gut war und ich damit meinen bisher besten Startplatz herausgefahren bin, habe ich mich nachher doch ein bisschen geärgert.
Ich bin überzeugt: Wenn ich die Slicks genommen hätte, hätte ich locker ins Q2 fahren können - und das wäre für uns bei HRT natürlich schon was ganz Tolles gewesen - und wahrscheinlich die einzige Chance in diesem Jahr, das überhaupt zu schaffen. Aber es wäre natürlich Risiko dabei gewesen - es hätte auch schiefgehen können...
Im Rennen ging es mit dem Pech weiter. Ich hatte zwar einen Superstart, wohl den besten überhaupt in diesem Jahr, bin auch noch sehr gut aus der La Source rausgekommen, aber dann von einem Force India rechts und einem Toro Rosso links in die Zange genommen worden, ich musste stark abbremsen, dadurch sind mir natürlich viele vorgekommen. Dazu haben die zwei sich auch noch berührt, es flogen Teile, die auf oder unter meinem Frontflügel landeten, der wurde beschädigt, ich musste an die Box, Flügel wechseln.

Dass wir dabei gleich auch auf Intermediates gegangen sind, war wahrscheinlich nicht die beste Idee, weil es auch gleich wieder aufhörte - aber das ist in Spa halt immer ein Lotteriespiel. Andere haben sich auch verschätzt. Jedenfalls musste ich eine Runde später gleich wieder rein, um mir wieder Slicks zu holen. Es wäre dadurch sicher kein einfaches Rennen geworden, ich war schon ziemlich weit hinten - andererseits: Gar nicht so weit hinter Kovalainen, und der ist noch ganz gut vorgekommen.
Wie auch immer - in der sechsten Runde war es eh vorbei, weil links hinten etwas an der Befestigung der Aufhängung gebrochen ist. Wenigstens bin ich bei dem folgenden spektakulären Dreher nirgendwo angeschlagen, kam noch an die Box zurück. Aber es war schon sehr schade - ich hatte mich auf dieses Rennen wirklich sehr gefreut.
So habe ich es nur von außen genau verfolgen können. Es sind schon einige ganz schöne Fehler passiert, aber daran sieht man halt, wie schwierig es unter solchen Bedingungen ist. Wenn selbst mein Landsmann Rubens Barrichello so daneben greift - fehlte da etwa die Erfahrung? Ich bin nachher noch zu ihm und habe ihn ein bisschen aufgezogen... Mein WM-Favorit ist jetzt im übrigen Mark Webber, der macht im Moment wirklich einen Superjob, ohne Fehler, ganz ruhig...
Diese Woche in Monaco habe ich mich jetzt noch mal sehr gezielt auf einen ganz besonderen Wettkampf vorbereitet, bei dem ich am Sonntag starten werde: Beim Tristar111 von Monaco, einem 111-Kilometer Triathlon, starten Lucas di Grassi und ich als Staffel. Lucas schwimmt am Anfang den einen Kilometer und läuft die zehn Kilometer am Ende - mein Teil ist die 100-Kilometer-Radstrecke. Kein einfacher Kurs, da sind vier ziemlich heftige Berge mit Anstiegen von fünf bis zehn Kilometer Länge und bis zu zehn Prozent Steigung drin, insgesamt sind es über 1700 Höhenmeter.

Mal sehen, wie lange wir brauchen - ich rechne für mich schon mit einer Radzeit so an die vier Stunden... Bei einem Test am Sonntag vor Spa bin ich mal 115 mit einer langen 20-Kilometer-Steigung gefahren und ein paar kleineren gefahren - da habe ich knapp fünf Stunden gebraucht. Das war aber natürlich kein Wettkampf- sondern Trainingstempo, mit Herzfrequenz von 160 und auch bei 35 Grad Hitze. Also ein bisschen mehr ist da schon noch drin...
Für Monza müssen wir mal sehen, wie wir da aussehen - es wäre halt schön, wenn wir dafür einen neuen, kleineren Heckflügel bekommen könnten, sonst steht ein bisschen zu befürchten, dass das nicht ganz so gut passen wird wie in Spa. Am Monza-Sonntag endet dann auch mein Helmdesign-Wettbewerb, für den ich schon in Spa mit einem besonderen Helm geworben habe. Also, wer noch mitmachen will, um ein spezielles Design zu entwerfen, das an den 50. Geburtstag von Ayrton in diesem Jahr erinnert - schaut auf meiner Homepage vorbei: www.brunosenna.com.br
Der Sieger bekommt eine von mir unterschriebene Replica - und ich werde den Helm dann bei einem Rennen in diesem Jahr tragen, bevor er zugunsten der Foundation versteigert wird. Ich hoffe, wir schaffen es, ihn bis Brasilien fertig zu kriegen. Das ist alles ein bisschen kompliziert, weil das Design zwar in Brasilien gemacht wird, der Helm aber noch einmal nach Europa muss, um dort zusammengesetzt zu werden, und dann ja wieder nach Brasilien muss. Wenn es nicht klappt, wird es halt Abu Dhabi - aber Brasilien wäre natürlich schöner...

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