Milimeterarbeit kennen sie aus ihren Cockpits, aus der Höhe einer LKW-Zugmaschine sieht das freilich noch einmal ganz anders aus, wenn man einen komplizierten Hindernisparcours bewältigen soll. Da muss sich dann auch ein Formel-1-Fahrer ziemlich aus dem Fenster hängen, um die Abmessungen seines Gefährts möglichst exakt im Griff zu haben. Aber eines ist auch sicher: Man gebe Formel-1-Piloten einen fahrbaren Untersatz jedweder Art in die Hand -oder genauer gesagt, unter den Hintern, mache noch einen kleinen Wettbewerb daraus - und man hat eine Supershow, an der alle ihren Spaß haben und man die Cracks nachher meist kaum noch wieder aus den Autos herausbekommt. Und wenn das spanisch-deutsche HRT-Team auch auf der Rennstrecke meist am Ende des Feldes zu finden ist - was den Fun-Faktor für gelungene PR-Aktionen angeht, liegt die Truppe von Teamchef Dr. Colin Kolles weit vorne.
Vor dem Grand Prix von Deutschland auf dem Hockenheimring durften sich Bruno Senna und seine Teamkollegen Sakon Yamamoto und Karun Chandhok als Truck-Geschicklichkeitsfahrer versuchen Claus Kerschensteiner vom Verkehrsbildungszentrum Mainfranken in Unterpleichfeld bei Würzburg und Steffen Nordmann vom ADAC Fahrsicherheitszentrum hatten für das HRT-Team den Event im Infield des Hockenheimrings organisiert. Ein Hütchenparcours war zu überwinden, in einem engen Quadrat mit der Zugmachine möglichst schnell zu wenden und dann noch der Abstand zweier Fässer aus einiger Entfernung so zu bestimmen, dass man gerade noch durch passte - und das natürlich alles auf Zeit, aber auch im direkten Duell - zweimal die gleiche Aufgabe war nebeneinander aufgebaut.
Wenn schon, dann richtig
"Puh, das wird gar nicht einfach", stellten die PS-Profis fest, als ihnen ein LKW-Fahrlehrer vom VBZ Mainfranken einmal vormachte, wie es geht - wobei Chandhok es gleich mal von der lockeren Seite sah: "Doch, schon einfach, die Hütchen sind ja alle leicht, die kann man doch umfahren" - was er später auch noch wahrmachen sollte. Dafür erwachte bei Bruno Senna sichtlich der Ehrgeiz: Ganz genau verfolgte der Brasilianer jeden Radeinschlag, jeden Millimeter - ganz nach dem Motto: "Wenn schon, dann nachher bitte richtig, dann will ich auch was zeigen."

Weil sich der vierte HRT-Pilot, Christian Klien, am Ende doch vor dem Event gedrückt hatte, man aber für ordentliche Qualifikationsläufe ja doch besser mindestens vier Fahrer braucht, sprang Steffi Kache, normal im VBZ eher für Organisatorisches zuständig, als Gegnerin für die Profis ein. Wobei sie klar bewies, dass dumme Sprüche über "Frau am Steuer" absolut nicht angebracht sind. Sakon Yamamoto, der Japaner mit viel Sponsorgeld, der hier in Hockenheim für Stammfahrer Chandhok im Cockpit sitzen wird, hatte knapp das Nachsehen, was er überhaupt nicht wahrhaben wollte: "Das kann doch nicht sein!". Worauf Chandhok, der in seinem Qualilauf gegen Bruno Senna deutlich den Kürzeren gezogen hatte, und lieber unter lautem Gehupe unter Missachtung aller Hindernisse quer über den Platz tobte, dann plötzlich zum Duell gegen die erfolgreiche Lady keine Lust mehr hatte, sich angeblich "langweilte" und lieber die spanische TV-Reporterin Laia Ferrer fahren ließ, während er sich danebensetzte und schlaue Kommentare abgab... Wissendes Grinsen freilich überall: "Der weiß schon, warum, Inder sind auch Machos, gegen eine Frau zu verlieren, das geht ja wohl gar nicht..."
Viel Gefühl
Gesamtsieger mit deutlicher Tagesbestzeit von 3 Minuten und 54 Sekunden wurde schließlich Bruno Senna - das aufmerksame Beobachten hatte sich gelohnt. "Irgendwas muss man ja mal wieder gewinnen", grinste der Brasilianer bei der feierlichen "Diplomübergabe" - sein Formel-1-Auto gibt ihm dazu ja derzeit keine Gelegenheit. Die Profi-Fahrlehrer, die als Beifahrer in den Zugmaschinen mit wertvollen Tipps zur Seite standen, waren speziell von seiner Leistung, aber auch von der der anderen Formel-1-Piloten auf dem ungewohnten Terrain sehr überrascht: "Die haben da sofort unheimlich viel Gefühl dafür gehabt, auch dafür, Größen und Abstände richtig einzuschätzen. Da merkt man schon, dass sie eine ganz besondere Begabung für alles, was mit Fahren zu tun hat, haben!"

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