Während nach den Freitags-Trainings in Kanada das große Klagen wegen der schmutzigen und rutschigen Strecke ausbrach, die den Reifen so richtig einheizte, schien Sebastian Vettel doch recht cool zu sein. "Das war ganz gut. Ich denke, wir sind dabei. Es macht Spaß, die Strecke gefällt mir, auch wenn es am Morgen rutschig war. Das ist normal", sagte er. Immerhin sei hier lange kein Rennen gefahren worden, die Strecke sei teilweise neu asphaltiert worden und das wirke sich eben aus. "Am Anfang war es wie auf Glatteis, aber mittlerweile wird es besser."

Ideal war es aber auch nicht. Die weichen Reifen bauten stark ab und die Autos rutschten viel. "Ich denke, das wird bis Sonntag besser." Denn bis dahin sollte viel Gummi drauf sein. Am Freitag versuchte Vettel wegen des fehlenden Grips noch, die Zeit auf der Bremse herauszuholen, deswegen blockierten auch die Vorderräder öfter. "Man könnte die Bremsbalance nach hinten stellen, aber dann hat man auf der Hinterachse das gleiche Problem. Man muss einen Kompromiss finden. In der Regel kommt die Strecke zu einem. Man muss Geduld haben und darauf schauen, dass man die Reifen nicht viereckig bremst, sondern sie noch halbwegs rund lässt", meinte Vettel.

Ein gewisses Risiko ging er am Freitag dennoch schon. Zumindest gestand er zu, dass er den berüchtigten Mauern des Circuit Gilles Villeneuve näher kam als geplant. "Man muss sich da rantasten. Es ist ein Tanz auf dem Seil. Wenn es in die Hose geht, dann gleich richtig. Die Mauer gibt nicht nach, bei einem grünen Streifen ist das anders. Das ist die Herausforderung hier, trotzdem muss man jedes Bisschen heraus kitzeln", erklärte er. Immer voll am Limit zu fahren, bringe aber auch nichts, da das nicht schnell sei. Einen WM-Tipp für das Spiel Deutschland-Australien hatte er auch parat, auch wenn er mit seinem Teamkollegen Mark Webber nicht gewettet hatte: "Ich glaube, die Australier sollten wir im Griff haben."