Thomas Preining (Manthey-Porsche) hat das ausfallträchtige Samstags-Rennen der DTM in Oschersleben von der Pole Position gewonnen. Damit dürfte der Norisring-Frust vor drei Wochen, als der Österreicher sogar Zweifel über seine Zukunft in der DTM aufkommen ließ, erst einmal vergessen sein. Preining lieferte vom ersten Startplatz eine blitzsaubere Leistung ab, geriet zu keinem Zeitpunkt unter Druck und fuhr seinen zweiten Saisonsieg nach 40 Runden über den Zielstrich.
Preining errang seinen zehnten DTM-Sieg mit 1,6 Sekunden Vorsprung auf den Zweitplatzierten Luca Engstler (Abt-Lamborghini). Maro Engel (Winward-Mercedes) komplettierte das Podest als Dritter und hat die Führung in der Meisterschaft übernommen. Der Mercedes-Veteran verdrängte Halbzeitmeister Nicki Thiim von der Spitze, nachdem der Aston-Martin-Fahrer nicht über P12 hinauskam. "Das war das Maximum, mit der Pace ging nix", sagte Thiim, der 20 Kilo Erfolgsballast an Bord seines langsamen Aston mitschleppte.
Lahmer Boxenstopp kostet Maro Engel Platz zwei
Im Rennen bei 26 Grad und Sonnenschein kam in der Spitzengruppe nur wenig Spannung auf. Engel gelang es nach dem Start von P3 zwar, den Zweitplatzierten Engstler zu kassieren und zur Jagd auf Preining anzusetzen. Die war allerdings nach den Pflicht-Boxenstopps beendet: Engel verlor beim Reifenwechsel an der Winward-Box mehr als drei Sekunden, musste zu Preining abreißen lassen und verlor obendrein Platz zwei an Engstler.
Der Lamborghini-Werksfahrer aus dem Allgäu bescherte den Äbten und dem brandneuen Temerario GT3 den zweiten Podiumsplatz in der laufenden Saison. Dem Fahrzeug mit der besten Balance of Performance im Feld scheint die Streckencharakteristik von Oschersleben ähnlich gut zu liegen wie dem Vorgängermodell namens Huracan.
Lucas Auer: Rennen war ziemlich langweilig
Engel holte dahinter seinen vierten Podestplatz im neunten Saisonrennen. Dass der Mercedes-AMG GT3 in Oschersleben zum Reigen der Favoriten zählt, stellte auch Lucas Auer (Landgraf-Mercedes, von P4 gestartet) mit dem vierten Platz unter Beweis. "War ziemlich langweilig, aber wir haben das Maximum rausgeholt", meinte der Österreicher. Mirko Bortolotti (GRT-Lamborghini) stellte mit P5 sein bestes Saisonergebnis ein. Der Ex-Champion gibt bei GRT den Einzelkämpfer, nachdem das Team in Folge der Verletzung von Maximilian Paul nur ein Auto am Start hat.
Arjun Maini (HRT-Ford) sorgte für die Aufholjagd des Rennens: Der von P12 gestartete Inder überquerte die Ziellinie als Sechster. Maini hielt sich beim Start geschickt aus einem Gerangel mehrerer Autos heraus und legte damit den Grundstein für das gute Ergebnis. Kelvin van der Linde (Schubert-BMW) fuhr auf Platz sieben beim Heimspiel von Schubert Motorsport, während Teamkollege Marco Wittmann wegen eines schleichenden Plattfußes ausfiel.
Timo Glock (Dörr-McLaren) erlebte - das hat Seltenheitswert - bislang ein problemfreies Wochenende und durfte sich über den achten Platz freuen. Sein von P5 gestarteter Teamkollege Ben Dörr fiel in Folge einer Kollision mit Jules Gounon aus.
DTM Punktestand: DTM Gesamtwertung 2026 als Tabelle
Sechs Ausfälle im Rennen: Nur 14 Autos im Ziel
Nur 14 der 20 gestarteten Autos sahen die Ziellinie. Die Liste der vorzeitigen Ausfälle war lang: Ben Dörr (Start-Kollision mit Gounon), Marco Wittmann (Schleichender Plattfuß kurz vor Boxenstopps), Nicolas Baert, Finn Wiebelhaus ("Wir hatten Rauch im Cockpit"), Marco Mapelli (Kollision mit Buus) und gegen Ende Jules Gounon, dessen Mercedes-Front zu stark beschädigt war für eine Weiterfahrt.
DTM Oschersleben: So lief das Rennen am Samstag
Die Startaufstellung: Thomas Preining erzielte seine sechste Pole Position in der DTM und die erste seit Mai 2024. Luca Engstler bescherte dem neuen Lamborghini Temerario GT3 mit P2 die beste Startposition beim DTM-Debüt. Dahinter folgten mit Maro Engel und Lucas Auer zwei Mercedes-Piloten - alle vier Mercedes-AMG GT3 gelangten in die Top-10 der Startaufstellung. Nicki Thiim, der als Meisterschaftsführender nach Oschersleben gereist war, kam nicht über P18 hinaus.
Der Start: Hinter Pole-Setter Thomas Preining machte Maro Engel sofort Attacke auf den Zweitplatzierten Luca Engstler und kam mit minimalem Kontakt vorbei. Zu den Gewinnern der Startphase zählten Mirko Bortolotti (von P7 auf P5), Arjun Maini (von P12 auf P6) und Kelvin van der Linde (von P15 auf P10). Der von P5 gestartete Ben Dörr verlor durch eine Kollision mit Jules Gounon den rechten Hinterreifen und musste in die Box abbiegen. Gounon fiel sechs Plätze bis auf P12 zurück.
Die erste Rennhälfte: Die Schubert-BMW-Piloten Wittmann und van der Linde pflügten mit frischen Reifen in den ersten Runden durchs Feld und belegten die Positionen acht und neun. Tom Kalender auf P10 konnte die Pace der BMW nicht mitgehen und zog einen Zug mehrerer Autos hinter sich her. Nach den ersten 10 Runden führte Preining mit 1,2 Sekunden vor Engel, Engstler und Auer. Ansonsten tat sich nicht allzu viel im ersten Renndrittel.
In Runde 12 ließ Wittmann seinen Teamkollegen van der Linde freiwillig vorbei, weil der Deutsch-Südafrikaner zu diesem Zeitpunkt eine bessere Pace hatte. Einen Umlauf später segelte Wittmann mit einem schleichenden Plattfuß durch die Wiese und musste kurz vor dem Öffnen des Pflichtboxenstopp-Fensters die Schubert-Garage ansteuern. Damit war das Rennen für den BMW-Fahrer vorzeitig beendet.
Der weitere Rennverlauf: Nicolas Baert eröffnete in Runde 14 den Boxenstopp-Reigen. Feller, Maini und Mapelli ließen in der darauffolgenden Runde neue Pirelli-Reifen aufziehen. Glock von P7, Kalender, Vermeulen und erneut Baert (Auto abgestellt) folgten in Runde 16. Für Finn Wiebelhaus wurde ebenfalls vorzeitig Feierabend in Folge eines technischen Problems.
Nach den Stopps von van der Linde und Thiim, kam Bortolotti in Runde 18 zum Pflicht-Stopp rein. Lucas Auer bog von P4 in Runde 19 ab, auch Buus steuerte die Boxengasse an. Abt-Lamborghini reagierte im folgenden Umlauf auf Auers Stopp und beorderte den Drittplatzierten Engstler an die Box. Der Lambo-Pilot behauptete den virtuellen dritten Platz.
In Runde 21 kamen Spitzenreiter Preining und Verfolger Engel zusammen zum Pflicht-Reifenwechsel rein. Engels Stopp dauerte gut 3 Sekunden länger. So musste er nicht nur Preining ziehen lassen, sondern auch noch mitansehen, wie Engstler mit seinem Lamborghini vorbeischoss und praktisch den zweiten Platz übernahm. Zu diesem Zeitpunkt fuhren nur noch Mapelli und Gounon auf ihren Startreifen.
Mapelli kollidierte nach seinem Reifenwechsel (Runde 24) am Ende der Boxenausfahrt mit Bastian Buus und rumpelte über die Wiese. Die Rennleitung kündigte eine Untersuchung nach dem Rennende an, während Mapelli seinen Abt-Lambo in der Garage abstellen musste. In der Schlussphase des Rennens tat sich praktisch nichts mehr auf der Strecke.



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