Mit dem ADAC GT Masters kehrte am vergangenen Wochenende nach vielen Jahren wieder eine hochklassige Rennserie zurück auf den Salzburgring. Kein Geheimnis: Der ADAC wollte sich mit dem ADAC Racing Weekend gleichzeitig einen Eindruck verschaffen, ob der österreichische Kurs in Zukunft wieder einen DTM-Lauf austragen kann. Im Fokus standen das Zuschauer-Erlebnis ebenso wie die Streckenbedingungen mit der berüchtigten Highspeedkurve namens Fahrerlagerkurve.
Rund 10.000 Zuschauer reisten am geschäftigen Motorsport-Wochenende (Formel 1, MotoGP und WEC) an den Salzburgring, um die Rennen des GT Masters Tourenwagen Junior Cup sowie diversen österreichischen Rennserien vor Ort zu verfolgen. "Dieses Rennwochenende diente dazu, voneinander zu lernen", wurde Salzburgring-Präsident Dr. Fritz Lehensteiner in einer Pressemitteilung zitiert. "Jetzt wissen wir: GT3-Autos passen perfekt auf den Salzburgring!"

Salzburgring: Wochenende beginnt mit schwerem Unfall
Bei aller Euphorie herrschten bei den GT-Masters-Teams angesichts der Salzburgring-Premiere mit GT3-Rennwagen berechtigte Sorgen, denn: Das lange Wochenende begann am vergangenen Donnerstag mit einem folgenschweren Unfall von Nico Hantke bei einem privaten Test mit dem Audi R8 LMS GT3 Evo2 des Teams Scherer Sport PHX.
Der 21-Jährige war ausgerechnet in der Fahrerlagerkurve abgeflogen und bestätigte damit eindrucksvoll die schon zuvor befürchtete Problematik an genau diesem ultraschnellen Streckenabschnitt, bei dem Hantke nach Zeugenaussagen über Reifenstapel, Leitplanke und Fangzaun hinaus spektakulär in einen Hang auf der linken Seite des Rennkurses geflogen ist.
Für Ron Moser, den Sohn des langjährigen Phoenix-Teamchefs Ernst Moser, der seit Januar 2025 als Geschäftsführer bei Scherer Sport PHX fungiert, war vor allem wichtig, dass sich sein Schützling bei dem spektakulären Crash keine Verletzungen zugezogen hat. "Nico ist im Medical-Center an der Rennstrecke untersucht worden und hat offenbar viel Glück gehabt", meinte Moser. "Ab Samstag haben wir drei Tage Zeit, um ein neues Auto aufzubauen, denn am Dienstag nächster Woche wollen wir zum nächsten GT-Masters-Event nach Spielberg aufbrechen."
Nach Begutachtung des rund 100.000 Euro teuren Schadens war für Moser klar, dass das Chassis nicht mehr repariert werden kann. "Deshalb werden wir nun aus zwei R8 einen machen und dabei auch noch andere Teile austauschen, die bei dem Unfall Schaden genommen haben."
Zur Problematik des Salzburgrings meinte Moser, dass beispielsweise mit einem GT3-Sportwagen die Reifen auf der linken Fahrzeugseite sehr stark beansprucht werden. Genau das war nach einer ersten Analyse auch das Problem beim Hantke-Abflug, der bei einem Longrun in der 27. von 30 geplanten Runden durch einen Reifenschaden hinten links ausgelöst worden ist.

Reifenschäden: Reglement kurzfristig geändert
Bei Recherchen, die Motorsport-Magazin.com vor Ort im Fahrerlager vornahm, wurde das ganze Ausmaß von Mosers Meinung zum heiklen Reifenthema erst klar: Demnach gab es mehr als ein Dutzend Reifenschäden.
Der ADAC nahm den Unfall nicht auf die leichte Schulter, sondern ordnete gemeinsam mit Renndirektor Sven Stoppe ein außerordentliches Team-Meeting an. Die Verantwortlichen reagierten und änderten das Reglement dahingehend, dass alle Teams am Wochenende einen zusätzlichen Reifensatz (und damit vier statt drei) verwenden durften. Das war auch der Wunsch von Moser, der glaubte, "dass wir damit weitere schwere Unfälle verhindern können".
Ist der Salzburgring GT3-tauglich?
Eine klare Meinung zu einem möglichen DTM-Event im Salzburger Land hatte auch der frühere BMW-Werksfahrer Jörg Müller, der nach seiner aktiven Rennkarriere verschiedenen Rennteams - beispielsweise im GT Masters und der NLS - sein Know-how vermittelt: "Ich habe hier mit BMW und dem Schnitzer-Team unzählige Testkilometer abgespult. Wegen des hohen Topspeeds haben wir eine künstliche Schikane auf der Gegengerade installiert, um damit die hohe Geschwindigkeit in der Fahrerlagerkurve zu reduzieren."
Dabei muss man wissen, dass die Werks-BMW in der damaligen Tourenwagen-WM- und EM über nur halb so viel Leistung (knapp 300 PS) verfügten, wie die heutigen GT3-Autos in der DTM und im ADAC GT Masters. Trotzdem lautete das Fazit von Müller: "Eine Veranstaltung mit GT3-Rennwagen würde ich nicht empfehlen und auf gar keinen Fall unterstützen."

Laut Arno Zensen, früherer Teamchef des DTM-Teams Rosberg und jetzt als Rentner Berater der Verantwortlichen am Salzburgring, ist klar, "dass hier viele Faktoren eine Rolle spielen". Dazu zählen vor allem die enge erste Schikane nach Start/Ziel und die Fahrerlagerkurve, die man "möglicherweise entschärfen" müsste. Darüber würden sich alle Beteiligten ihre Gedanken machen und die dann in die Überlegungen einfließen lassen.
Festhalten lässt sich: Die Verantwortlichen am Salzburgring haben sich sehr viel Mühe gegeben, wieder eine Großveranstaltung vor den Toren der Kulturstadt Salzburg (13 km entfernt) und der schönen Landschaft des Salzkammergutes zu installieren. Die Rennbahn ist ein Mekka für Motorsport-Fans und hat schon in der Vergangenheit bei WM- und EM-Läufen auf zwei und vier Rädern zehntausende Besucher angelockt, die auch auf den Naturtribünen einen guten Überblick auf den Hochgeschwindigkeitskurs haben.
Salzburgring-Geschäftsführer Ernst Penninger zog ein positives Fazit: "Rund 10.000 Zuseher haben spannenden Motorsport mit hochmodernen und historischen Fahrzeugen erlebt. Ich denke, alle Beteiligten hatten eine großartige Zeit. In den nächsten Wochen werden wir die Erfahrungen nutzen, um uns weiter zu verbessern."

ADAC GT Masters am Salzburgring: Schwerer Unfall am Sonntag
Das durch den privaten Test verlängerte Wochenende begann und endete mit einem schweren Crash, denn auch Emil Gierdrum wurde im Engstler-Lamborghini Huracan GT3 EVO2 die Reifen-Problematik bei Halbzeit des zweiten 80-Minuten-Rennens zum Verhängnis. Dieser Unfall hatte eine 20-minütige Reparatur der Streckenbegrenzung zur Folge.
"Insgesamt war es ein wirklich hartes Wochenende, was in einer Katastrophe endete", wurde Gjerdrum in einer Pressemitteilung des Teams zitiert. "Ehrlich gesagt war es das Schrecklichste, was ich je erlebt habe und so undankbar nach einem Rennen, welches eigentlich gut gelaufen wäre. Aber so ist das eben im Rennsport und das Wichtigste ist, dass ich ohne größere Verletzungen davongekommen bin, was viel über die heutigen Sicherheitsstandards der Rennfahrzeuge aussagt."
Sein Teamkollege und DTM-Pilot Luca Engstler ergänzte: "Der Salzburgring wirkt sich schwer auf die Perfomance der Reifen aus, was schlussendlich auch zu unserem Reifenschaden und den Unfall am Sonntag geführt hat." Die Siege in den beiden Rennen des ADAC GT Masters gingen an das Gaststarter-Team Dörr-McLaren mit DTM-Pilot Ben Dörr und Teamkollege Guilherme Moura de Oliveira (Samstag) sowie an Tim Zimmermann/Leyton Fourie aus dem BMW-Kundenteam FK Performance (Sonntag).
Bereits am kommenden Wochenende macht das ADAC GT Masters auf dem Red Bull Ring in Österreich zum dritten Auslandsgastspiel der Saison Halt. Im Rahmen der DTM trägt die GT3-Serie zwei Sprint-Rennen aus. Beide Läufe werden im Livestream auf Sport1.de, Joyn, ServusTV ON und Youtube.com/ADACMotorsports übertragen.

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