Favoriten-Sterben im aufregenden Sonntagsrennen der DTM auf dem Sachsenring! Beim Sieg von Ayhancan Güven (Manthey-Porsche) gerieten gleich mehrere Titelanwärter in arge Probleme. Darunter Pole-Setter Jack Aitken (Emil-Frey-Ferrari), der beim Kampf um den Sieg von Thomas Preining (Manthey-Porsche) ins Kiesbett gedreht wurde. Ausgerechnet Preining, der im Rennen am Samstag den sichergeglaubten Sieg in der vorletzten Runde weggeworfen hatte!
Preining (P11 im Ziel) kassierte für den Aitken-Treffer drei Penalty Laps und war ebenso raus aus dem Kampf um den Sieg, nachdem er sich in der ersten Rennhälfte spannende Duelle mit seinem Teamkollegen Güven geliefert und zunächst die Oberhand behalten hatte.
UPDATE: Zweitplatzierter Dörr disqualifiziert!
Aitken wurde aus dem Kiesbett geschleppt und durfte das Rennen auf Anordnung der Rennleitung fortsetzen. Trotz eines Rundenrückstandes gelang es ihm zunächst, auf den 15. Platz zu fahren und damit theoretisch einen Punkt mitzunehmen. Kurz nach dem Zieleinlauf kassierte Aitken allerdings eine 1-Sekunden-Strafe für eine Kollision mit Maximilian Paul und fiel auf P16 zurück.
Pepper fällt aus: "Das war ein Selbstmord-Manöver"
Gut für Aitken: Auch Titelanwärter Jordan Pepper (GRT-Lamborghini) ging leer aus! Der Zweitplatzierte vom Samstag zog sich im Kampf mit Ben Green (Emil-Frey-Ferrari) einen Reifenschaden zu und stellte seinen Lamborghini Huracan vorzeitig in der Boxengasse ab. "Ich hätte ihn wohl einfach vorbeifahren lassen sollen", meinte Pepper. "Das war ein Selbstmord-Manöver. Es ist einfach enttäuschend."
Mit Aitken, Pepper und Preining erlebten drei der Top-4-Fahrer in der Meisterschaft böse Rückschläge. Nutznießer war wieder einmal Manthey-Fahrer Güven, der schon am Samstag den Sieg abgestaubt hatte. Dem Türken gelang trotz 20 Kilo Erfolgsgewicht an Bord das seltene Kunststück, einen Doppelsieg an einem Rennwochenende einzufahren.
Güven feierte seinen vierten Saisonsieg und ist plötzlich mittendrin im Titelkampf. Mit 145 Punkten belegt er den dritten Gesamtplatz hinter Wieder-Spitzenreiter Lucas Auer (150 Punkte, Platz 9 im Rennen) und Pechvogel Aitken (148 Punkte).
Ben Dörr holt erstes McLaren-Podest in DTM
Bei all dem Drama hielt sich Ben Dörr (Dörr-McLaren) schadlos und erreichte sensationell den zweiten Platz hinter Güven. Der 20-Jährige hatte das Rennen vom achten Platz aufgenommen, überzeugte mit guter Pace und profitierte nicht zuletzt von den Schwierigkeiten der vorne platzierten Fahrer. Das Team Dörr Motorsport konnte sich über seinen ersten Podestplatz in der DTM freuen. Jules Gounon (Winward-Mercedes) komplettierte das Podium als Dritter mit seinem neuen Mercedes-AMG GT3.
Green, der trotz der Kollision mit Pepper keine Strafe erhielt, überquerte die Ziellinie als Vierter. Heimliche Sieger waren Marco Wittmann und Rene Rast auf den Positionen fünf und sechs: Die beiden Ex-DTM-Champions hatten das Rennen aus der 'BMW-Angststrecke' nur von den Plätzen 17 und 18 in Angriff genommen. Die Plätze sieben und acht gingen an Maro Engel (Winward-Mercedes) und Morris Schuring (Manthey-Porsche).
Horror-Rennen für Abt-Lamborghini - Ausfälle ohne Ende
Ein Horror-Wochenende erlebte das ohnehin gebeutete Team Abt Sportsline: Nicki Thiim fiel in der 12. Runde mit einem Reifenschaden in Folge eines Kontakts vorzeitig aus. Nur Minuten später flog Teamkollege Mirko Bortolotti mit einem technischen Problem von der Strecke und schlug seitlich in die Reifenstapel ein. Der Ausfall des amtierenden DTM-Champions, der mit P6 sein bestes Saisonergebnis im Qualifying erzielt hatte, löste eine nachfolgende Safety-Car-Phase aus.
Für Timo Glock (Dörr-McLaren) war das Rennen ebenfalls vorzeitig beendet. Bei seinem Boxenstopp kam es zu technischen Schwierigkeiten, die eine Weiterfahrt verhinderten. Weitere Ausfälle: Arjun Maini (HRT-Ford), Tom Kalender (Landgraf-Mercedes) mit einem frühen Reifenschaden, Maximilian Paul, Ricardo Feller und Nicolas Baert.
Die DTM biegt nach dem Sachsenring-Event auf die Zielgerade der Saison 2025 ein. Auf dem Red Bull Ring in Spielberg (12.-14. September) steht das vorletzte Rennwochenende des Jahres bevor. Der Formel-1-Kurs in Österreich bildet 2026 erstmals den Auftakt in eine DTM-Saison (zum DTM-Rennkalender 2026).
DTM Sachsenring: So lief das Rennen am Sonntag
Die Startaufstellung: Jack Aitken im Emil-Frey-Ferrari ergatterte im Qualifying seine dritte Pole Position der DTM-Saison 2025. Vor dem Rennen gab es für den Meisterschaftsführenden aber eine kleine Hiobsbotschaft. Im Rahmen einer Anpassung der Balance of Performance bekam sein Ferrari 296 GT3 zehn Kilo mehr Gewicht verpasst. Hinter ihm lauerte das Manthey-Porsche-Duo Thomas Preining und Samstagssieger Ayhancan Güven auf ihre Chance.
Aitkens erster Meisterschaftsverfolger Jordan Pepper (GRT-Lamborghini) und Aitkens Teamkollege Ben Green schlossen die Top-5 im Grid ab. Der amtierende DTM-Champion Mirko Bortolotti im Abt-Lamborghini konnte sich als Sechster über seine beste Startposition dieser Saison freuen. Weit hinten startete hingegen der Meisterschaftsdritte Lucas Auer von Landgraf-Mercedes. Der Österreicher nahm nur P15 ein.
Der Start: Aitken verteidigte beim Start problemlos die Führung. Dahinter wurde es zwischen den beiden Manthey-Boliden eng, Güven ging letztlich an Preining vorbei auf die zweite Position. Dahinter kam es in den Top-10 zu weiteren Positionswechseln: Green kassierte Pepper für P4, Paul ließ Bortolotti auf P6 hinter sich und Gounon überholte Manthey-Junior Schuring im Kampf um Rang neun. Ganz hinten krachte es, als zahlreichen nebeneinander fahrenden Piloten der Platz ausging. Tom Kalender (Landgraf-Mercedes) wurde mehrfach getroffen, erlitt einen Reifenschaden hinten rechts und beendete das Rennen frühzeitig. Gewinner des Starts war Rene Rast im Schubert-BMW, der von Platz 17 auf Rang 12 nach vorne fuhr. Lucas Auer machte zwei Plätze gut und belegte P13.
Die erste Rennhälfte:Nach wenigen Runden verbuchte das Rennen den ersten Neuzugang in den Top-10. Bortolotti-Teamkollege Nicki Thiim schoss vom elften Platz nach vorne und lies sowohl Schurring als auch Gounon hinter sich. An der Spitze setzte sich Aitken leicht von seinen Verfolgern ab und hatte nach sechs Runden rund 1,5 Sekunden Vorsprung auf Güven.
Als anschließend das erste Boxenstopp-Fenster öffnete, gehörte Aitken zu den ersten Piloten, die bereits am Ende der achten Runde an die Box kamen. Auch Bortolotti absolvierte in dieser Runde seinen ersten Stopp. Wie am Samstag ging dieser mit 10,3 Sekunden Standzeit aber wieder langsam vonstatten. Bortolotti verlor dadurch an der Box Positionen gegn Schurring, Thierry Vermeulen und Thiim. Thiim erlitt wenige Runden später jedoch einen Reifenschaden und beendete das Rennen.
In den beiden darauffolgenden Runden kamen schließlich auch Güven und Preining an die Box. Während Güven dabei hinter Aitken blieb, funktionierte der Overcut bei Preining, auch dank eines schnelleren Boxenstopps als bei seinem Teamkollegen, wodurch Preining sogar kurz die Führung übernahm. Auf kalten Reifen musste sich Preining aber kurz darauf wieder hinter Aitken einsortieren.
In der zwölften Runde erlitt schließlich mit Jordan Pepper ein Titelkandidat den nächsten Reifenschaden, nachdem er im Zweikampf von Green getroffen wurde. Auch Pepper stellte seinen Boliden anschließend ab. Nur eine Runde später war das Rennen auch für Bortolotti beendet, der ins Kiesbett abkam und in die Barrieren einschlug. „Etwas ist gebrochen“, beschwerte sich Bortolotti am Funk. Da das Boxenstopp-Fenster noch geöffnet war, wurden zunächst nur gelbe Flaggen geschwenkt, anstatt eine Safety-Car-Phase auszurufen.
Zuvor kam es beim Stopp von Timo Glock allerdings zu einem Desaster. Nachdem es beim Stopp zu einem Problem gekommen war, rauchte es an seinem McLaren, der Routinier fuhr im Anschluss nicht mehr weiter. In der 20. Runde wurde es schließlich im Kampf um den Sieg dramatisch. Nachdem Preining die Lücke zu Aitken geschlossen hatte, versuchte er in Kurve 1 mit einem späten Bremsmanöver vorbeizugehen, wobei es jedoch zum Kontakt mit Aitken kam! Aitken wurde ins Kiesbett gedreht und konnte sich aus diesem erst befreien, als er bereits mehr als eine Runde Rückstand auf den Rest des Feldes hatte. Im Anschluss wurde schließlich das Safety-Car auf die Strecke beordert, wodurch sich Aitken wieder zurückrunden konnte.
Der weitere Rennverlauf: Die Führung behielt Preining zu diesem Zeitpunkt vor Güven und Green, wobei aufgrund der Kollision jedoch eine Untersuchung der Rennleitung lief. Dörr, Rast, Schuring, Gounon, Vermeulen, Engel und Paul belegten die Positionen vier bis zehn. Noch vor dem Ende der Safety-Car-Phase gab es schließlich Gewissheit: Preining wurde für die Kollision mit Aitken mit drei Penalty Laps bestraft. Dadurch übernahm Güven in der 26. Runde die Führung. Dahinter konnte sich Schuring vorbei an Rast auf die vierte Position schieben.
Am Ende der 26. Runde war es dann Zeit für das zweite Boxenstopp-Fenster, wobei erneut Aitken gemeinsam mit Marco Wittmann (Schubert-BMW) und Ricardo Feller (Land-Audi) als erster Pilot zum Stopp kam. Auch bei diesem Stopp kam es jedoch zu Problemen, wodurch Aitken rund acht Sekunden auf die direkte Konkurrenz verlor. Feller wurde währenddessen in der 28. Runde im Kampf gegen Paul und Fabio Scherer (HRT-Ford) von Lokalmatador Paul umgedreht. Feller fiel auf P16 zurück, eine Strafe wurde nicht ausgesprochen.
An der Spitze verschob sich bei den Boxenstopps nichts, Güven blieb klar vorne. Dahinter konnte Schuring allerdings an Dörr und Green vorbeigehen konnte. Der Niederländer kreuzte jedoch am Boxenausgang die weiße Linie, weswegen er eine Penalty Lap absolvieren musste. Dies warf ihn zwischenzeitlich auf die neunte Position zurück. Dörr, Gounon, Green und Rast bildeten so wieder die ersten Güven-Verfolger. Güven konnte sich an der Spitze jedoch immer weiter absetzen und hatte nach 32 Runden rund 3,5 Sekunden Vorsprung auf Dörr. Preining belegte seinerseits nach seiner Strafe nur noch den zehnten Platz.
Im anschließenden Schlussspurt, der durch die Safety-Car-Phasen von der Rennleitung um zwei Runden verlängert wurde, kam noch einmal Spannung auf. Zwei Minuten vor dem Ablauf der Zeit (nach 36 Runden) hatte Dörr den Rückstand auf Güven auf weniger als 1,5 Sekunden reduziert. In ernsthafte Schlagdistanz kam der Youngster aber nicht mehr, Güven gewann vor Dörr und Gounon. Auer belegte den neunten Platz, Preining überquerte die Ziellinie nur auf P11. Aitken verpasste als 16. leer die Punkte.
DTM-Tabelle 2025 nach 12/16 Rennen (Top-5)
| Pos. | Fahrer | Team | Punkte |
|---|---|---|---|
| 1 | Lucas Auer | Landgraf-Mercedes | 151 |
| 2 | Jack Aitken | Emil-Frey-Racing | 149 |
| 3 | Ayhancan Güven | Manthey-EMA | 145 |
| 4 | Jordan Pepper | GRT-Grasser-Racing | 145 |
| 5 | Thomas Preining | Manthey EMA | 136 |

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