Diesmal keine Van-der-Linde-Show: Luca Stolz hat das turbulente Sonntagsrennen der DTM auf dem Nürburgring gewonnen. Der Neueinsteiger aus dem Team HRT-Mercedes siegte souverän vor Dennis Olsen (SSR-Porsche) und Lucas Auer (Winward-Mercedes). Für Stolz war es nach zuvor zwei Podestplätzen der erste Sieg in der DTM.

Stolz profitierte nicht nur von einem starken Start vom siebten bis auf den fünften Platz, sondern auch von einer frühen Safety-Car-Phase, die für massenweise Pflicht-Boxenstopps sorgte. Der AMG-Fahrer erwischte nicht nur den richtigen Zeitpunkt, sondern übernahm dank eines schnellen Reifenwechsels seiner HRT-Truppe sogar die Führung von Pole-Setter Sheldon van der Linde.

"Unser Team hat den schnellsten Boxenstopp geschafft, das hat den Unterschied ausgemacht", sagte Stolz, der neben den 25 Punkten für den Sieg auch den einen Extra-Zähler für die schnellste Rennrunde kassierte. "Ich konnte dadurch Preining und van der Linde überholen. Danach flog das Auto nur noch!"

Keine Van-der-Linde-Show im Sonntagsrennen

Der Sieger des Samstagsrennens aus dem BMW-Team Schubert konnte nicht von seiner guten Ausgangslage profitieren, fiel beim hart umkämpften Re-Start nach dem Safety Car zurück und musste sich beim Zieleinlauf nach 40 Runden mit dem neunten Platz begnügen. Etwas besser machte es Bruder Kelvin van der Linde, der mit dem vierten Platz hinter Auer weitere Punkte sammelte. Der Abt-Audi-Pilot hatte das Rennen von P2 aufgenommen, verlor aber schon früh einige Plätze.

Im Samstagsrennen war Sheldon und Kelvin ein historischer Bruder-Doppelsieg gelungen, am Sonntagmorgen hatten sie mit einer Doppel-Pole nachgelegt.

Bortolotti verliert Platz fünf in letzter Runde

Erneut für Schlagzeilen sorgte Mirko Bortolotti. Der GRT-Star, nach einer Strafe nur von P9 gestartet und zwischenzeitlich bis auf den 15. Platz zurückgefallen, lag bis zur letzten Runde auf dem fünften Platz. Dann zog sich der Lamborghini-Werksfahrer einen Reifenschaden nach einer Kollision mit Kelvin van der Linde zu und musste seinen GT3-Huracan vorzeitig abstellen.

Am Samstag fiel Bortolotti bereits nach einer Kollision beim Sieg-Duell mit Felipe Fraga vorzeitig aus. Zuvor im Sonntagsrennen zählte der in Wien lebende Italiener wie auch der Drittplatzierte Auer zu den Profiteuren der frühen Boxenstopp-Phase, in der innerhalb von zwei Runden alle Fahrer ihre Reifen wechselten. Der späte Ausfall bedeutete einen weiteren Rückfall für den 'Halbzeit-Meister'.

Die Punkteränge in den Top-10 komplettierten als Sechster der amtierende Meister Maximilian Götz (Winward-Mercedes), Nico Müller (Rosberg-Audi), Thomas Preining (Bernhard-Porsche), Mikael Grenier (GruppeM-Mercedes), Sheldon van der Linde und der zweifache DTM-Champion Marco Wittmann (Walkenhorst-BMW).

Rast und Schumacher nach Kollision raus

Titelanwärter Rene Rast sah nach einer Kollision mit David Schumacher (Winward-Mercedes) die Ziellinie nicht. Der Abt-Pilot war vom 17. Platz gestartet und früh bis auf P20 durchgereicht worden. Der Crash sorgte für eine Safety-Car-Phase. Ein schwieriges Wochenende für Rast, der im Samstagsrennen nicht über den neunten Platz hinauskam, nachdem er von Laurens Vanthoor gedreht worden war.

Rast war nach seinem Ausfall außer sich und schimpfte am ProSieben-Mikro drauf los: "Ich bin enttäuscht. Die Verhaltensweise der Fahrer hier hat nichts mit professionellem Fahren zu tun. Manche sollten erst mal in die Nachwuchsserien, um Erfahrung zu sammeln. Es gibt keinen Respekt, man lässt sich keinen Platz. Es wird einfach alles durchgehen gelassen. Jeder macht, was er will. Wie ein kleiner Hundehaufen. Es macht keinen Spaß mehr! Es muss einfach härtere Strafen geben, damit sich die Jungs und Mädels an die Regeln halten."

Schumacher, der für den Kontakt eine 5-Sekunden-Zeitstrafe kassierte und ebenfalls vorzeitig ausfiel, muss unterdessen weiter auf seine ersten Zähler in der DTM warten. Ebenfalls nicht die Zielflagge sahen Philipp Eng (von P5 gestartet, durch Boxenstopps zurückgefallen, dann Kollision), Clemens Schmid (Kollision mit Eng), Maro Engel (Kollision mit Cassidy) und Ricardo Feller (Bremse), der im Samstagsrennen den dritten Platz belegte. Ebenso fielen Dev Gore und Nick Cassidy vorzeitig aus.

DTM-Tabelle 2022 nach 10/16 Rennen (Top-8)

PositionFahrerPunkte
1Sheldon van der Linde110
2Mirko Bortolotti89
3Lucas Auer85
4Rene Rast81
5Luca Stolz73
6Nico Müller70
7Kelvin van der Linde66
8Ricardo Feller63

DTM 2022: So geht die Saison weiter

Das sechste von acht Rennwochenenden in der DTM-Saison 2022 findet vom 09. Bis 11. September im belgischen Spa-Francorchamps statt, wo die Formel 1 an diesem Wochenende parallel zur DTM am unweit gelegenen Nürburgring gastierte. Nach Spa stehen noch zwei weitere Veranstaltungen im österreichischen Spielberg (23.-25.09.) sowie auf dem Hockenheimring (07.-09.10.) im Rennkalender.

DTM Nürburgring: So lief das Rennen am Sonntag

Die Startaufstellung:Gleiches Spiel wie im Samstagsrennen: Sheldon vor Kelvin van der Linde! Das Brüderpaar belegte schon einmal, 2021 auf dem Lausitzring, die erste Startreihe. Dahinter die beiden Porsche 911 von Dennis Olsen und Thomas Preining, weil Mirko Bortolotti wegen einer Strafe vom Samstag vom vierten auf den neunten Startplatz zurückfiel. Philipp Eng, Maximilian Götz, Luca Stolz und Laurens Vanthoor komplettierten die Top-8 im Grid. Titelanwärter Rene Rast musste sich mit P17 begnügen - bei einem Rückstand von nur 0,281 Sekunden auf die Pole-Zeit. Das Qualifying war eine brutal enge Kiste: Die Top-6 innerhalb einer Zehntelsekunde, die Top-18 innerhalb von drei Zehnteln und 26 der 28 Autos weniger als eine Sekunde auseinander.

Das Wetter: Nach dem Nebel des Grauens am Samstag, der am gesamten Tag einzig das DTM-Rennen zuließ, sah es am Sonntag ganz anders aus - keine witterungsbedingten Einschränkungen. Bei eher kühlen Temperaturen von 18 Grad (Strecke: 38 Grad) ging das DTM-Starterfeld am Sonntag um 13:30 Uhr pünktlich auf die Reise ins zweite Rennen des Wochenendes.

Der Start: Diesmal war Philipp Eng der Blitzstarter! Der Schubert-Pilot stürmte auf dem Weg in die erste Kurve vom fünften bis auf den zweiten Platz hinter Pole-Setter Sheldon van der Linde nach vorne. Kelvin van der Linde büßte mit seinem Abt-Audi von P2 zwei Positionen ein. Dennis Olsen behauptete Platz drei, während Thomas Preining zu Beginn der zweiten Runde den dritten Rang von Kelvin van der Linde zurückeroberte.

Maximilian Götz fiel von P6 bis auf P10 zurück, während Luca Stolz zwei Plätze gutmachte und die erste Runde auf dem fünften Platz beendete. Mirko Bortolotti fiel von P9 bis auf P15 zurück, ebenso Rene Rast von P17 auf P20.

Die erste Rennhälfte: Dev Gore fiel mit seinem Rosberg-Audi wie schon am Samstag frühzeitig aus. Der auf der Strecke gestrandete US-Amerikaner wurde mit doppelten gelben Flaggen abgesichert, während der Rest des Feldes vorbeirauschte. Gore gelang es wenig später, das Auto wieder ans Laufen zu bekommen. Heikel wurde es in Runde 4 auch bei einem Dreher von Nick Cassidy, der von Maro Engels Mercedes angeschoben worden war. Engel zog sich dabei einen Reifenschaden zu.

Es ging munter weiter! Rene Rast wurde wenig später von David Schumacher im Zweikampf von der Strecke gekegelt. Rasts Abt-Audi im Kiesbett löste eine Safety-Car-Phase aus. Während der SC-Phase öffnete sich das Boxenstopp-Fenster. Nick Cassidy und Dev Gore erwischten das Fenster gerade so und absolvierten in Runde 6 ihre Pflicht-Boxenstopps.

In Runde 7 folgten Sheldon van der Linde, Stolz, Olsen, Auer, Kelvin van der Linde, Wittmann, Preining, Müller, Götz, Bortolotti, Grenier, Schmid, Fraga, Buhk und Zug an die Box. Cassidy (10-Sekunden-Zeitstrafe) und Gore konnten von den Stopps eine Runde früher nicht entscheidend profitieren, weil sie sich auf dem Weg in die Box sehr viel Zeit gelassen hatten, um die Öffnung des Boxenstopp-Fensters zu erwischen.

In Runde 8 absolvierten Eng, Ineichen, Feller, Muth, Maini, Vanthoor und Deledda ihre Pflicht-Reifenwechsel. Laut Reglement darf immer nur ein Auto pro Runde am Boxenplatz abgefertigt werden.

Damit hatten alle Fahrer mit Ausnahme von Rookie Theo Oeverhaus ihre Boxenstopps während des Safety Car absolviert. Die Top-10 beim Re-Start zur 9. Runde: Oeverhaus, Stolz, Sheldon van der Linde, Olsen, Auer, Kelvin van der Linde, Wittmann, Preining, Müller, Gore. Großer Verlierer war Eng, der von einstmals Platz 2 bis auf P24 zurückfiel. Und damit nicht genug: Der Schubert-BMW-Pilot kollidierte mit Clemens Schmid und dessen GRT-Lamborghini - vorzeitiger Ausfall für den völlig frustrierten Eng.

Olsen übernahm unterdessen den zweiten Platz von Sheldon van der Linde und legte zur Jagd auf Spitzenreiter Stolz los. Der Südafrikaner fiel wenig später bis auf P10 zurück. Gut machte es Bortolotti, der sich aus dem Restart-Getümmel heraushielt und heimlich bis auf den fünften Platz verbesserte. Ebenso Maximilian Götz, der direkt dahinter die sechste Position belegte. Dev Gore fiel unterdessen bis ans Ende des Feldes zurück.

Der weitere Rennverlauf: Nach der turbulenten ersten Rennhälfte mit den Boxenstopps, ordnete sich das Feld bis zur 17. Runde allmählich. Stolz führte mit 3 Sekunden vor Olsen, dahinter Auer, Kelvin van der Linde, Bortolotti, Götz, Müller, Preining, Grenier und Sheldon van der Linde.

In Runde 21 musste Ricardo Feller seinen Abt-Audi vorzeitig in der Garage parken. In der 26. Runde kam es zu zwei weiteren Ausfällen: Dev Gore musste nach einem Dreher abstellen, auch für Nick Cassidy war das Rennen vorzeitig beendet. Die Renndistanz wurde auf 55 Minuten plus drei Runden verlängert, während das Rennen an der Spitze vor sich hinplätscherte. Am spannendsten ging es zwischen Kelvin van der Linde und Bortolotti beim Kampf um die vierte Position zu.

Dan das Drama in der vorletzten Runde! Bortolotti zog sich beim Angriff gegen van der Linde einen Reifenschaden zu und musste seinen Lamborghini abstellen. Sein Audi-Kontrahent konnte die Fahrt auf dem vierten Platz fortsetzen, dahinter gewann Götz automatisch eine Position.