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DTM

DTM Norisring: Max Götz siegt - Titelentscheidung vertagt

Maximilian Götz gewinnt sein Heimrennen auf dem Norisring und vertagt die Entscheidung in der DTM-Meisterschaft 2021. Liam Lawson auf dem Podium.
von Robert Seiwert
DTM Norisring: Rennen 1 als Video-Zusammenfassung: (03:52 Min.)

Titelentscheidung in der DTM vertagt! Beim Samstagsrennen auf dem Norisring ist es Liam Lawson nicht gelungen, vorzeitig die Meisterschaft einzusacken. Der DTM-Spitzenreiter fuhr beim Sieg von Maximilian Götz auf den dritten Platz. Mit Podest-Debütant Arjun Maini auf Platz zwei schafften es zwei Mercedes beim vorletzten Rennen der Saison 2021 auf das Podium.

Kelvin van der Linde kam auf dem Nürnberger Stadtkurs nicht über den vierten Platz hinaus und erlitt damit einen Rückschlag im Kampf um die Meisterschaft. Vor dem Sonntagrennen führt Lawson die Gesamtwertung mit 224 Punkten an. Zweiter ist weiter van der Linde mit nun 206 Zählern, gefolgt von Götz (205 Punkte). Am Sonntag gibt es noch maximal 28 Zähler zu holen.

"Das war der wichtigste Sieg meiner Karriere! Es war sehr emotional, ich habe unter dem Helm geweint", jubelte Lokalmatador Götz. "Es fühlt sich verrückt an. Jetzt will ich den Moment genießen und morgen die Chance nutzen, an der Spitze zu sein. Das wird ein großer Kampf!"

Götz erzielte von Startplatz fünf seinen zweiten Saisonsieg - ausgerechnet bei seinem Heimrennen in Nürnberg. Der HRT-Pilot hielt sich in der hektischen Startphase schadlos und übernahm in Runde 11 erstmals die Führung. Der zu diesem Zeitpunkt führende Mercedes-Markenkollege Philip Ellis leistete wenig Gegenwehr und konzentrierte sich in der Folge darauf, die Verfolger hinter sich zu halten.

Heikel wurde es in Runde 22, als Lawson beim Angriff das Heck des Winward-Mercedes erwischte und Ellis sich auf der Strecke drehte. Die Rennleitung untersuchte den Vorfall, verteilte aber keine Strafe. Unterdessen profitierte Kelvin van der Linde von einer geschickten Strategie und gewann in der Boxenstopp-Phase zwei Plätze, nachdem er beim Start vom zweiten bis auf den sechsten Platz durchgereicht worden war.

Während der Pflicht-Reifenwechsel blieb Götz vorne, nachdem er sich mit Hilfe von Ellis einen komfortablen Zeitvorteil erarbeitet hatte. DTM-Rookie Maini stoppte wenige Runden später als die Spitzengruppe und übernahm dadurch sogar den zweiten Platz. Der erste Inder in der Geschichte der DTM verteidigte sich tapfer gegen das Verfolgerfeld bestehend aus Lawson, van der Linde und Cassidy, der erst in der 66 Runde seinen Pflicht-Boxenstopp absolvierte.

Der Neuseeländer, der auf dem Norisring für Alex Albon einspringt, kehrte kurz vor dem Rennende direkt vor dem Abt-Piloten als Vierter auf die Strecke zurück, verlor die Position aber nach einem harten Duell. Lucas Auer, Daniel Juncadella und Nico Müller komplettierten die Top-8.

Kelvin van der Linde war nach dem Rennen am Sat.1-Mikro komplett frustriert: "Schade für den Sport, ich bin echt enttäuscht. Wenn man das mit Hockenheim vergleicht (5-Sek-Strafe für ihn)... Heute wird einer (Ellis von Lawson; d. Red.) umgedreht. Das haben viele gesehen und das war schade für den Sport. Wir haben auch mal was gemacht, aber das war immer im grünen Bereich. Wenn man so verliert, ist man nicht enttäuscht..."

Mit Mike Rockenfeller, Sheldon van der Linde und Esmee Hawkey sahen drei Fahrer nicht die Ziellinie. Am Sonntag steht auf dem Norisring das letzte Rennen der DTM-Saison 2021 bevor - erst dann entscheidet sich, wer als erster DTM-Champion mit einem GT3-Auto in die Geschichtsbücher der deutschen Traditionsserie eingehen wird. Klar ist nur: Marco Wittmann hat nach Platz 11 keine rechnerischen Chancen mehr.

"Ab heute ist Maxi mein größter Gegner", war Lawson überzeugt. "Die sind superschnell, vor allem im Rennen. Im Qualifying hatte Kelvin auch eine gute Pace, im Rennen dann aber nicht mehr so. Ich weiß nicht, ob er nach dem Start einen Schaden am Auto hatte."

DTM-Meisterschaft 2021 nach 15/16 Rennen (Top-4)

Position Fahrer Team Punkte
1 Liam Laswon AF Corse-Ferrari 224
2 Kelvin van der Linde Abt-Audi 206
3 Maximilian Götz HRT-Mercedes 205
4 Marco Wittmann Walkenhorst-BMW 165

Norisring DTM: So lief das Rennen am Samstag

Die Startaufstellung: Besser hätte die Ausgangslage nicht sein können: Liam Lawson erzielte seine dritte Saison-Pole und startete direkt vor Titel-Herausforderer Kelvin van der Linde. Meisterschafts-Anwärter Maximilian Götz kam nicht über den dritten Platz hinaus, hatte in der Startaufstellung mit Lucas Auer und Arjuni Maini aber zwei Mercedes-Markenkollegen vor der Nase. Marco Wittmann konnte seine theoretischen Titelchancen als Vorletzter im Qualifying praktisch begraben. Fünf Mercedes schafften es in die Top-8, die von Nick Cassidy bei seinem ersten DTM-Einsatz anstelle von Alex Albon komplettiert wurde.

Das Wetter: Nach dem morgendlichen Qualifying bei kühlen Bedingungen sorgte die Sonne für wärmere Temperaturen in Nürnberg. Der Rennstart erfolge bei rund 15 Grad Außentemperatur (Strecke: 18 Grad). Zuschauer waren beim Finale erneut auf den Tribünen und im Fahrerlager erlaubt, wobei der Ticket-Vorverkauf überschaubar ausgefallen war.

Der Start: In einer hektischen Startphase - in der sich zahlreiche Autos aus dem hinteren Feld viel zu spät in den Zweierreihen einreihten - griff Kelvin van der Linde den Pole-Setter Liam Lawson ab der ersten Kurve an. In Kurve 2 verbremste sich der Audi-Pilot, wurde dabei auch noch aufgehalten und fiel auf den siebten Platz zurück. Im Getümmel kämpfte sich Philip Ellis vom sechsten Startplatz nach vorne und übernahm die Führung. Lawson profitierte vom einem Blitzstart von Teamkollege Nick Cassidy und hatte mit ihm auf P3 eine perfekte Absicherung nach hinten. Maximilian Götz von Startplatz fünf erfuhr keine größere Gegenwehr von seinen Mercedes-Markenkollegen und belegte in den ersten Runden den vierten Platz. In Runde 5 gelang ihm ein erfolgreiches Überholmanöver gegen Cassidy für P3, wenig später kassierte er auch Lawson.

Die Boxenstopps: Daniel Juncadella und Sheldon van der Linde begannen zur erstmöglichen Gelegenheit nach Runde 5 den Boxenstopp-Reigen. Spannend wurde es in Runde 22, als Kelvin van der Linde von P6 seinen Pflicht-Reifenwechsel einlegte. Der Führende Maximilian Götz und Liam Lawson reagierten und ließen in Runde 23 frische Reifen aufziehen. Götz kehrte als virtuell Führender auf die Strecke zurück, gefolgt von Maini (Boxenstopp in Runde 26), Lawson und van der Linde, der dank der Strategie zwei Positionen gutmachte. Nick Cassidy zögerte seinen Stopp bis zur 66. Runde und damit wenige Minuten vor dem Rennende heraus.

Die Zwischenfälle: Beim Rennstart in den eigentlich engen Zweierreihen schloss ein Teil des hinteren Feldes viel zu spät auf. Die Rennleitung untersuchte den Start zwar, Konsequenzen gab es aber nicht. In Runde 17 sorgte Esmee Hawkey für einen Highspeed-Dreher, konnte einen Einschlag in die Mauer mit ihrem Lamborghini aber gerade so verhindern. Weil sie im direkten Anschluss zu schnell in der Boxengasse fuhr (Tempo-Limit 40 statt 60 km/h), kassierte sie eine Durchfahrtsstrafe.

In Runde 22 kollidierte Liam Lawson mit Vordermann Philip Ellis und drehte den Mercedes auf der Strecke. Lawson übernahm die zweite Position, die Rennleitung untersuchte den Vorfall, verteilte aber keine Strafe. "Die Stewards haben meiner Meinung nach richtig entschieden. Das war kein absichtlicher Kick, um ihn rauszuschieben, sondern ein Rennzwischenfall, weil es eng wurde", fand Sat.1-Experte Christian Danner während des Rennens.

Die Ausfälle: Mike Rockenfeller musste seinen Abt-Audi bereits nach der fünften Runde vorzeitig in der Box abstellen. Sheldon van der Linde wurde seinem Ruf als Pechvogel der Saison einmal mehr gerecht, als er seinen ROWE-BMW nach 28 Runden mit einem Defekt abstellen musste. Auch Esmee Hawkey sah nach einem Dreher und einer folgenden Durchfahrtsstrafe nicht die Ziellinie.


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