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DTM - Teures Start-Chaos in Assen: War das nötig?

Der Start-Stau beim Samstagsrennen der DTM in Assen wird durch mehrere Kollisionen zu einer teuren Angelegenheit. Das sagen die Opfer der heiklen Situation.
von Robert Seiwert

Motorsport-Magazin.com - Start-Stau beim Samstagsrennen der DTM auf dem TT Circuit Assen! Ein eher ungewöhnlicher Auftakt ins Rennen sorgte für mächtig Kleinholz, brenzlige Situationen, drei vorzeitige und mehrere weitere Ausfälle sowie eine Safety-Car-Phase, um den teuren 'Scherbenhaufen' von der Strecke zu entfernen.

Einer der Auslöser des Start-Chaos war Pole-Setter Liam Lawson, der mit seinem Ferrari auffällig langsam in Richtung Start/Ziel-Linie schlich und erst nach dem Überqueren dieser Markierung richtig angaste - als die Ampeln schon längst auf grün geschaltet hatten. "Ich bin ziemlich spät losgefahren", sagte der spätere Drittplatzierte und neue Meisterschaftsführende. "Aber uns wurde gesagt, dass wir den Speed auf 60 reduzieren sollen. Das habe ich gemacht."

Laut Reglement kann der Führende innerhalb eines definierten Startkorridors - in Assen durch Schilder an der linken Fahrbahnseite markiert - zu einem von ihm gewählten Zeitpunkt beschleunigen. Das Überholen des Führenden ist erst ab der Start/Ziel-Linie erlaubt. Bis zum Überqueren dieser Linie müssen alle Fahrer innerhalb einer engen Formation in Zweierreihen bleiben, wobei der Abstand innerhalb der Reihen maximal eine Fahrzeuglänge betragen darf.

Lawsons Bummelei blieb nicht ohne Folgen, war aber regelkonform. Die Rennleitung untersuchte den Start, konnte aber kein Vergehen feststellen. "Ich habe nichts falsch gemacht", war sich der 19-Jährige auch keiner Schuld bewusst. "Ich hatte mich dazu entschieden, mal etwas anderes zu machen. Ich denke, das war in Ordnung."

Sieht spektakulär aus, der sogenannte DTM Formation Start, birgt aber immer wieder großes Potenzial für Kollisionen. Assen war das beste Beispiel: Durch Gerempel fielen Daniel Juncadella, Arjun Maini und und Vincent Abril mit ihren jeweiligen Mercedes noch vor der zweiten Runde aus.

"Beim Start gab es einen regelrechten Stau mit mehreren Auffahrunfällen", sagte GetSpeed-Teamchef Adam Osieka. "Dabei wurde Arjun gleich mehrfach getroffen, so dass wir fast rundum neue Teile anbringen müssen. Das war eine absolut unnötige Situation und ich hoffe, dass der Start morgen besser funktioniert."

Rosberg-Audi-Pilot Nico Müller musste das Rennen später wegen eines beim Start erlittenen Schadens an der Front ebenso vorzeitig beenden wie Maxi Buhk im Mücke-Mercedes und Alex Albon (AF Corse-Ferrari).

"Der Führende ist einfach nicht gefahren, als er es sollte", klagte DTM-Rückkehrer Daniel Juncadella nach seinem frühen Ausfall. "Der Startkorridor ist sehr nahe an der letzten Kurve. Wir wussten, dass es eng werden würde. Das hatten wir schon im Fahrer-Briefing besprochen. Ich weiß nicht, warum er so lange gewartet hat. Es wurde grün und niemand fuhr los. Eindeutig ein Fehler der ersten Reihe!"

Was dem Chaos im hinteren Feld nicht zuträglich war: Der spätere Rennsieger Marco Wittmann bremste aus der ersten Reihe sogar kurzzeitig ab, aus Sorge, Nebenmann Lawson früher als erlaubt zu überholen und dadurch eine Strafe zu kassieren. So konnte Hintermann Maximilian Götz von P3 nicht ganz ausweichen und erwischte den BMW am Heck. Wobei die Frage offen bleibt, ob Wittmann beim Erreichen der Start/Ziel-Linie nicht einfach etwas früher hätte beschleunigen und Lawson legal überholen können.

"Ich bekam einen Treffer von Maxi", sagte Wittmann. "Ich denke, er hat da einen Fehler gemacht. Er hat nur antizipiert, früh aufs Gas zu gehen, und fuhr mir dann voll ins Heck. Ich hatte Glück, dass ich das Auto gerade halten konnte. Das war gefährlich von ihm und wir können froh sein, dass es keinen größeren Crash gab."


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