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DTM

DTM: Albon gewinnt Ausfall-Chaos am Sonntag auf dem Nürburgring

Ausfälle und Unfälle ohne Ende beim Sonntags-Rennen der DTM auf dem Nürburgring! Alex Albon umschifft das Chaos und siegt. Porsche wieder im Pech.
von Robert Seiwert
DTM Nürburgring 2021: Zusammenfassung des Chaos-Rennens: (04:03 Min.)

Was für ein chaotisches DTM-Rennen am Sonntag auf dem Nürburgring! Beim Sieg von Pole-Setter Alex Albon (AF Corse Ferrari) sahen ganze neun von 23 Autos nicht die Zielflagge, darunter die Titelanwärter Kelvin van der Linde (Abt-Audi) und Liam Lawson (AF Corse Ferrari) nach einer direkten Kollision sowie Michael Ammermüller (SSR-Porsche), der mit Porsche zum ersten Mal in der DTM antrat und einen glücklosen Gaststart absolvierte.

Hinter DTM-Debütsieger Albon komplettierten mit vier Sekunden Rückstand Daniel Juncadella (GruppeM-Mercedes) und Marco Wittmann (Walkenhorst-BMW) das Podium in einem Rennen, das durch zwei Safety-Car-Phasen unterbrochen werden musste.

"Gestern sah es ein bisschen düster aus, vor allem bei der Rennpace", sagte Albon, der als erster DTM-Sieger aus Thailand in die Geschichtsbücher einging. "Den Start und den ersten Restart hatte ich unter Kontrolle. Aber der zweite Restart war tricky und ich durfte nicht zu aggressiv sein. Dann konnte ich ein Auto nach dem anderen mit deren alten Reifen aufschnupfen."

Verrückt: Trotz des großen Chaos ab der ersten Runde liefen die Top-3 aus dem Qualifying in ebendieser Formation ins Ziel ein. Maximilian Götz (HRT-Mercedes) machte als Vierter trotz Kollisionen mit Ammermüller und Lawson als Vierter Boden in der Meisterschaft gut. DTM-Überraschung Esteban Muth (T3-Lamborghini) jagte den Mercedes-Piloten in den Schlussminuten mit aller Kraft, musste sich aber mit P5 zufriedengeben.

"Es scheint, als sei mein Talent mit einem Finger weniger zurückkehrt", sagte Juncadella, der sich vorletzte Woche nach einem Unfall in Zolder einer OP an der Hand unterziehen musste. "Der zweite Restart war chaotisch, wir sind zu fünft durch die erste Kurve durch! Mein Hirn sagte, dass ich nicht zu viel riskieren soll. Gleichzeitig musste ich auch überholen. Ich war ein bisschen enttäuscht, wie manche Autos da zu Werke gingen."

Wittmann: So etwas noch nie in der DTM erlebt

Wittmann, der in Zolder seinen ersten Saisonsieg mit dem vermeintlich unterlegenen BMW M6 GT3 gefeiert hatte: "Ein ziemlich chaotisches Rennen. Der zweite Restart war so wild, wie ich es noch nie zuvor in der DTM erlebt habe. Das war verrückt! Rückblickend hat es Spaß gemacht, immerhin konnte ich da sechs Autos innerhalb der ersten drei, vier Kurven überholen."

Die beiden Mercedes-Piloten Lucas Auer (Winward-Mercedes) und Arjun Maini (GetSpeed-Mercedes) sowie Timo Glock (ROWE-BMW) nach Start von P20 komplettierten die Top-8. Die letzten beiden Plätze in den Punkterängen gingen an Vincent Abril (HRT-Mercedes) und Nico Müller (Rosberg-Audi). "In den ersten Runden wurde ich von einigen Autos getroffen", sagte Glock. "Das fühlte sich mehr wie Stockcar als wie DTM an. Aber ich bin happy, jetzt meine ersten Punktegeholt zu haben."

Mercedes-Debakel in den ersten Runden

Für vier der neun Mercedes lief das erste Renndrittel überhaupt nicht nach Plan. Maxi Buhk verunfallte zu Beginn der zweiten Runde nach einem Kontakt mit Markenkollege Lucas Auer und fiel aus. "Zur allgemeinen gegenwärtigen Fahrweise in der DTM möchte ich mich nicht äußern, dazu sollte sich jeder Beobachter seine eigene Meinung bilden", sagte ein frustrierter Buhk.

Kurz nach der ersten Safety-Car-Phase rasselten Luca Stolz und Philip Ellis beim Kampf um die Punkte zusammen - Feierabend für zwei weitere Mercedes! In der neunten Runde rollte mit Gaststarter und DTM-Rückkehrer (letztes Rennen vor 20 Jahren) Hubert Haupt ein vierter Mercedes-AMG GT3 auf der Strecke aus. Der Vorfall löste die zweite und langanhaltende Safety-Car-Phase innerhalb der ersten 15 Rennminuten aus.

Porsche auf Podestkurs abgeschossen

Und die Ausfall-Orgie setzte sich munter fort. Beim Restart nach dem Safety Car fiel Michael Ammermüller nach einem weiteren Kontakt aus - das zweite Porsche-Rennen in der DTM vorzeitig beendet, nachdem der Bayer nach Start von Platz vier zwischenzeitlich sogar auf Podestkurs lag, bevor er schon nach der ersten Safety-Car-Phase einen Schlag von Max Götz erhalten hatte. Schon am Samstag war Ammermüller frühzeitig ausgefallen.

Van der Linde schießt nach Unfall gegen Lawson

Neben Ammermüller fiel in dieser Phase auch Sheldon van der Linde (ROWE-BMW) nach einem Kontakt in der wilden Restart-Phase vorzeitig aus. Dann knallte es noch einmal richtig, als der Meisterschaftsführende Kelvin van der Linde (Abt-Audi) von Titelanwärter Liam Lawson (AF Corse Ferrari) auf der Strecke gedreht wurde und auch Abt-Teamkollege Mike Rockenfeller in die Karambolage involviert war.

Während Lawson, der zuvor bereits zwei Reifenschäden erlitten hatte, für den Vorfall eine Durchfahrtsstrafe kassierte, mussten van der Linde und Rockenfeller ihre Audis abstellen. "Der Typ dreht uns erst im Qualifying und dann noch mal im Rennen rum", ärgerte sich van der Linde am Sat.1-Mikro. "Ich weiß nicht, was der überhaupt will! Sein Rennen war eh im Arsch! Und dann kommt er innen über die Wiese an..."

DTM Nürburgring: So lief das Rennen am Sonntag

Die Startaufstellung: Alex Albon erzielte im regnerischen Qualifying am Sonntagmorgen seine erste Pole Position in der DTM sowie die zweite für Ferrari. Vier Marken in den ersten beiden Startreihen: Hinter Albon folgten Daniel Juncadella (Mercedes), Marco Wittmann (BMW) und DTM-Debütant Michael Ammermüller (Porsche) auf den weiteren Plätzen. Maximilian Götz und Luca Stolz sorgten für eine reine Mercedes-Startreihe drei. Der Meisterschaftsführende Kelvin van der Linde kam als bestplatzierter Audi-Pilot nicht über den siebten Startplatz hinaus und kollidierte auf der Strecke sogar mit Titelrivale Liam Lawson (Startplatz 11).

Das Wetter: Am Sonntag war es kühler als am Vortag in der Eifel: 17 Grad Außentemperatur bei 25 Grad warmem Asphalt. Während das Qualifying von Regenfällen durchzogen war, blieb es zum Rennstart am Sonntagmittag um 13:30 Uhr und in der weiteren Folge durchweg trocken.

Der Start: Pole-Setter Alex Albon erwischte einen Traum-Start aus der engen Zweier-Reihe heraus und machte schon auf den ersten Metern Boden auf Verfolger Dani Juncadella gut. Dahinter rauschte Michael Ammermüller mit seinem Porsche von P4 auf dem Weg zur ersten Kurve heran und überholte Marco Wittmanns BMW auf der Außenbahn. Christian Klien machte von P8 zwei Plätze gut, Liam Lawson kam von P11 auf P8 nach vorne, während Philip Ellis mit seinem Mercedes durchs Kiesbett rumpelte und Teile seines Mercedes verlor. Der Ausfall von Maxi Buhk auf Start/Ziel sorgte für eine Safety-Car-Phase in der zweiten Runde.

Der erste Restart zur 4. Runde: Chaos in den ersten Kurven! Maximilian Götz drehte Michael Ammermüller beim Kampf um den dritten Platz, der Porsche fiel bis auf den 16. Platz zurück. Zeitgleich kamen sich die beiden Mercedes-Markenkollegen Luca Stolz und Philip Ellis ins Gehege, was zu einem Ausfall beider Fahrer führte.

Der zweite Restart zur 17. Runde: Christian Klien führte das Feld mit seinem McLaren vor Nico Müller und Kelvin van der Linde an, die allesamt ihren Pflicht-Boxenstopp noch nicht absolviert hatten. Markus Winkelhock zog zu früh aus der Startformation heraus und kassierte eine Durchfahrtstrafe. Porsche-Pilot Michael Ammermüller fiel nach einem Kontakt aus, Sheldon van der Linde nach einem Kontakt ebenfalls. Kelvin van der Linde und Mike Rockenfeller mussten ihre Abt-Audis nach einer Massen-Karambolage mit Beteiligung von Liam Lawson vorzeitig an der Box abstellen. Und Liam Lawson ereilte ein weiterer Reifenschaden - völliges Chaos beim Restart!

Die Boxenstopps: Maximilian Götz, Mike Rockenfeller, Lucas Auer und Arjun Maini absolvierten schon in der 5. Runde ihren Pflicht-Boxenstopp. In Runde 6 ließen Vincent Abril und Esteban Muth frische Michelin-Reifen aufziehen. Die frühe Boxenstopp-Orige setzte sich im 7. Umlauf fort: Daniel Juncadella, Marco Wittmann, Liam Lawson und Hubert Haupt bogen von der Strecke ab. Der zu diesem Zeitpunkt Führende Alex Albon absolvierte in Runde 10 seinen Pflicht-Reifenwechsel, Sheldon van der Linde folgte - kurz vor der zweiten Safety-Car-Phase - einen Umlauf später und übernahm die virtuelle zweite Position hinter Albon.

Nach der chaotischen ersten Rennhälfte ließen Esmee Hawkey und Timo Glock (beide Runde 18), Markus Winkelhock und Vincent Abril (beide Runde 22) sowie Christian Klien (Runde 31) neue Reifen aufziehen, als absehbar war, dass es trocken bleiben würde.

Die Zwischenfälle: Lucas Auer fuhr Markus Winkelhock beim Start den Spiegel an seinem Audi ab und kachelte wenig später mit dem Lamborghini von Esmee Hawkey zusammen. In Runde 7 kamen sich Liam Lawson und Max Götz nahe, daraus resultierte ein Reifenschaden am Ferrari des Neuseeländers, der umgehend die Boxengasse aufsuchte. Götz konnte die Fahrt mit seinem HRT-Mercedes auf der zwölften Position fortsetzen.

Markus Winkelhock kassierte nach dem zweiten Restart eine Durchfahrtstrafe, weil er zu früh aus der Startformation herausgezogen war. Ungeplant durch die Box musste auch Liam Lawson, nachdem er Kelvin van der Linde gedreht und dabei noch dessen Abt-Teamkollege Mike Rockenfeller aus dem Rennen genommen hatte. Christian Klien erhielt nach dem Rennende eine 5-Sekunden-Zeitstrafe wegen eines Verstoßes gegen die Boxenstopp-Regularien.

Die Ausfälle: Maximilian Buhk fiel nach einer Kollision mit Lucas Auer - wie schon in Zolder und am Samstag in der Eifel - zu Beginn der zweiten Runde aus. Der Mücke-Pilot knallte in die Streckenbegrenzung und musste das Rennen aufgeben. Nach dem Restart in Folge des ersten Safety Cars kollidierten Philip Ellis und Luca Stolz - für beide Autos war damit vorzeitig Feierabend. In Runde 9 rollte mit Gaststarter und DTM-Rückkehrer Hubert Haupt ein vierter Mercedes-AMG GT3 aus und musste aufgeben. Der Vorfall führte zur zweiten Safety-Car-Phase des Rennens.

Michael Ammermüller und Sheldon van der Linde fielen nach dem chaotischen Restart in Folge der zweiten SC-Phase aus. Eine durch Liam Lawson verantwortete Kollision mit Kelvin van der Linde führte zum Ausfall des Abt-Piloten sowie seines Teamkollegen Mike Rockenfeller. Auch der Ferrari-Youngster stellte seinen 488 GT3 wenig später vorzeitig an der Boxengasse ab.


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