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DTM mit GT3 auf Nordschleife? Empfehlung von BMW-Chef an Berger

Die Rückkehr der DTM auf die Nürburgring-Nordschleife ist seit vielen Jahren ein unerfüllter Traum. Wird er mit dem neuen GT3-Reglement Realität?
von Robert Seiwert

Motorsport-Magazin.com - DTM-Rückkehr auf die Nordschleife? In den vergangenen Jahren ein immer wiederkehrender Wunsch vieler Motorsport-Fans, der allerdings nie in Erfüllung gegangen ist. Seit der Entscheidung, die DTM nach dem Ende der kurzen Class-1-Ära mit GT3-Rennwagen fortbestehen zu lassen, ist die berühmteste Rennstrecke der Welt jedoch wieder ein Thema.

Während die DTM-Autos der Vergangenheit nicht für den 20,832 Kilometer langen Eifelkurs ausgelegt waren, starten GT3-Boliden mehrfach pro Jahr auf der Nordschleife. Zuletzt beim durch Regen unterbrochenen 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring, bei dem BMW und ROWE Racing mit dem eigentlich veralteten M6 GT3 den 20. Gesamtsieg errangen.

Am Rande des DTM-Wochenendes in Zolder brachte BMW-Motorsportdirektor Jens Marquardt eine Rückkehr der DTM auf die Nordschleife ins Gespräch und lieferte gleich Vorschläge für den Rennablauf. "Ich denke, das ist jetzt wirklich eine Chance", sagte Marquardt in einer kleinen Medienrunde. "Ich war immer etwas besorgt, wenn Gerhard darüber nachdachte, mit den Class-1-Autos auf die Nordschleife zu gehen, weil diese Autos für eine andere Art des Rennsports entwickelt worden sind."

Bergers Traum: Letzte Runde Nordschleife

Berger hatte in der Vergangenheit kein Geheimnis aus seinem Traum gemacht, mit der DTM auf der Nordschleife zu fahren. 2018 hielt der DTM-Chef im Gespräch mit Motorsport-Magazin.com die Umsetzung für unrealistisch, wünschte sich insgeheim aber ein Rennen auf dem Grand-Prix-Kurs, bei dem die letzte Runde auf der angebundenen Nordschleife ausgetragen wird.

Marquardt, der mit BMW ähnlich wie Audi nach der Neuaufstellung der ITR nun kein direktes Mitspracherecht mehr hat: "Ich würde Gerhard empfehlen, die Nordschleife als ein spezielles Event in Betracht zu ziehen. Selbst, wenn ein Rennen dann mehr als eine Stunde dauern würde, würde ich mir das anschauen. Du müsstest nicht zu viele Stunden fahren, auch ohne Nachtanken oder so. Man kann bei Sprintrennen bleiben, ich würde auf einen vollen Stint gehen."

Neue GT3-Autos: Wie sieht die Zukunft der DTM aus?: (11:58 Min.)

3 Runden WTCR: Komisches Setup

Im Rahmen des 24h-Rennens startet seit einigen Jahren der WTCR Tourenwagen-Weltcup auf der Nordschleife. Die im Vergleich zur aktuellen DTM-Generation wesentlich leistungsärmeren Autos tragen auf dem Eifelkurs mehrere Rennen mit einer Dauer von drei Runden aus. "Für ein Rennen ist das ein etwas komisches Setup", meinte Marquardt. "Man sollte schauen, wie weit man ohne Nachtanken kommt."

Beim 24-Stunden-Rennen legen die GT3-Autos im Nordschleifen-Setup acht Runden pro Stint zurück. Pro Runde benötigt diese Kategorie Autos rund 13 Liter Benzin im Tank. Der zuletzt siegreiche ROWE-BMW legte seine schnellste Rennrunde in 8:18.946 Minuten zurück. Bei einem DTM-Rennen mit acht Runden würde das einer Dauer von etwas über einer Stunde entsprechen.

DTM-Kalender 2021 - Berger: Drei Stellen offen

Der Rennkalender - und zahlreiche weitere Details - für die DTM-Saison 2021 unter dem GT-Pro-Reglement ist offiziell noch nicht bekannt. Weitere Informationen plant Berger beim Saisonfinale Anfang November in Hockenheim bekanntzugeben. In Zolder sagte er zu Sat.1 bezüglich der Kalenderplanung: "Wir sind relativ weit, drei Stellen sind offen. Der Kalender wird sich stark auf Deutschland und Europa konzentrieren."

Böte sich die Gelegenheit, wäre Berger sicherlich der Erste, der 'seine' Rennserie auf die Nordschleife führen würde. Das ist allerdings mit nicht wenigen 'Abers' verbunden. Im Mittelpunkt stehen die immensen Kosten, ein Rennen auf der schwierigsten Rennstrecke der Welt zu veranstalten. Allein Streckenposten und Sicherheitspersonal verursachen einen weitaus höheren Aufwand als bei traditionellen Rundstrecken. Eine weitere Hürde ist der große Aufwand für die entsprechende TV-Produktion.

ROWE Racing gewann das 24h-Rennen Nürburgring 2020 zum ersten Mal - Foto: BMW Motorsport

DTM beim 24h-Rennen Nürburgring

Wenn überhaupt, könnte sich die Austragung im Rahmen eines anderen Events wie dem 24-Stunden-Rennen rechnen. 1992 und 1993 etwa fuhr die DTM schon am Donnerstag vor dem 24h-Rennen - und das vor mehr als 100.000 Zuschauern. Ob die DTM nach all den Machtgerangeln der letzten Zeit in Zukunft einen Platz im Rahmenprogramm des vom ADAC mitorganisierten Events erhalten könnte, ist jedoch äußerst fraglich.

Vor 27 Jahren trug die DTM zum letzten Mal ein Rennen auf der legendären Nordschleife aus. Am 10. Juni 1993 sahen 120.000 Fans entlang der Strecke, wie der spätere italienische DTM-Champion Nicola Larini im Alfa Romeo 155 V6 TI als Nordschleifen-Neuling völlig überraschend beide Rennen auf dem 25,3 Kilometer langen Eifelkurs gewann. Es war der letzte von insgesamt zehn Läufen (fünf Auftritten) der Tourenwagenserie auf der legendären Nordschleife seit 1988.

Das letzte DTM-Auto auf der Nordschleife: Martin Tomczyk 2018 bei einem Show Run - Foto: Andreas Beil

DTM-Rennen mit vier Runden

Bei den zehn Rennen auf der Nordschleife betrug die Renndistanz jeweils vier Runden (101,400 km). Der Erfolgreichste war "Ring-König" Klaus Ludwig mit zwei Pole Positions und zwei Siegen. Dabei schlug der Ringfuchs 1992 bei einem seiner "besten DTM-Rennen" überhaupt den Pole-Setter Johnny Cecotto. In zwei der knappsten Zieleinläufe der DTM-Geschichte mit etlichen Führungswechseln musste sich der Venezolaner im ersten Lauf schließlich um nur 18 und im zweiten Rennen um lediglich 37 Hundertstelsekunden geschlagen geben.

Mit dem Doppelsieg im Mercedes-Benz 190E 2.5-16 Evo2 übernahm Klaus Ludwig damals die Tabellenführung und sicherte sich später auch seinen zweiten DTM-Titel. Ein möglicher weiterer Erfolg wurde 1989 durch einen unfreiwilligen Krankenhausaufenthalt verhindert. Pole-Mann Ludwig musste wegen einer Nierenkolik schweren Herzens auf den Start bei einem seiner Lieblingsrennen verzichten.


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