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DTM Spa: Wie sich Rene Rast zum Sieg getrickst hat

Zum Sieg gelupft - Rene Rast gewinnt das Sonntags-Rennen der DTM in Spa durch einen cleveren Schachzug. Spa-Regel bringt Nico Müller um letzte Sieg-Chance.
von Robert Seiwert

Motorsport-Magazin.com - Zum Sieg getrickst! Mit all seiner Cleverness hat Rene Rast das Sonntags-Rennen beim DTM-Saisonauftakt in Spa-Francorchamps gewonnen. Ein taktischer Schachzug in der letzten Runde verhalf dem amtierenden Champion im eng geführten Duell mit seinem Audi-Markenkollegen Nico Müller, der zuvor das Rennen am Samstag für sich hatte entscheiden können.

Der Rast-Trick: lupfen. In der letzten Runde nahm der 33-Jährige bei der Anfahrt auf die berühmte Eau-Rouge-Kurve für einen kurzen Moment etwas Gas raus und schaltete sogar in den vierten Gang runter statt wie in den Runden zuvor mit Vollgas durch die berühmteste Kurve der Welt zu fahren.

Dieser Lupfer kostete Hintermann Müller effektiv den letzten Push-to-Pass-Schuss, den er sich für diesen Moment aufgehoben hatte. Als Rast plötzlich verlangsamte, musste auch Müller den Gasfuß kurz anheben, um einen Auffahrunfall zu vermeiden. Das Momentum war dahin. "Ich habe den Ausgang aus Eau Rouge etwas anders vorbereitet und das Momentum mitgenommen", sagte Rast. "Nico konnte nicht mehr zurücküberholen, das war der Schlüssel zum Sieg."

Der Schweizer gab trotz dieser Aktion jedoch nicht auf und leitete an der nachfolgenden Bergkuppe einen weiteren Angriff ein. Der Plan, den DRS-Flügel flachzustellen und auf der langen Kemmel-Geraden die siegbringende Führung zu übernehmen, ging jedoch nicht auf. Ein kleiner Quersteher machte alles zunichte!

Müller räumte ein: "Ich habe versucht, den Schwung mitzunehmen und im kleinen Knick oben das DRS aufgemacht. Mit heißen Reifen hatte ich einen kleinen Rutscher, dadurch ging das DRS automatisch zu. Ein kleiner Fehler, der uns den Sieg gekostet hat. Wir hatten das schnellste Auto im Feld. Ich war noch nie so unglücklich über einen zweiten Platz."

Hier machten die Vorgaben im Sportlichen Reglement Müller einen Strich durch die Rechnung, denn: der DRS-Flügel muss automatisch in seine Setuplage zurückkehren, wenn der Bremsdruck in einem Bremskreis 15 bar übersteigt, oder wenn eine Querbeschleunigung von mehr als 2,5 G herrscht.

In Spa-Francorchamps gelten jedoch bereits 1,5 G als Maximalwert. "Wir Fahrer würden es ans Limit treiben", erklärte Audi-Fahrer Mike Rockenfeller. "Die Offiziellen haben gesehen, dass es vor allem in der Blanchimont-Kurve an der Grenze wäre. Deshalb sind die Regeln für Spa etwas anders, das halte ich für eine gute Entscheidung."

DTM Spa 2020 - Sonntags-Rennen: Zusammenfassung und Highlights: (02:54 Min.)

Den letztendlich verpassten Angriff hatte sich Müller zuvor über viele Runden parat gelegt. In der sechstletzten Runde hatte er die Führung an Rast verloren, hing dem Doppel-Champion aber dauerhaft im Heck. Zwischen Runde 21 und beim Zieleinlauf nach Runde 26 war das Duo nie mehr als acht Zehntelsekunden voneinander getrennt.

"Ich konnte Nico überholen und es fühlte sich zunächst danach an, als ob er nicht zurücküberholen wollte", sagte Rast. "Er hat es aber clever gemacht und wollte bis zur letzten Runde warten."

Müller gab das Lob postwendend an seinen Titelgegner von 2019 zurück: "Rene war auch clever. Ich hätte nicht gedacht, dass er so spät etwas versucht. Ich dachte, er würde schon in La Source etwas probieren. Ich habe dann Push-to-Pass aktiviert und eine Millisekunde später ging er vom Gas! Er hat da gezeigt, warum er Derjenige ist, den es zu schlagen gilt."

Der Sieg in Spa war für Rast ein versöhnliches Ende nach dem fünften Platz am Samstag, den er als einen Albtraum bezeichnete: "Der Start am Samstag war sehr schlecht, aber heute lief es fast perfekt. Vor allem haben wir herausgefunden, was zu tun ist, um Nicos Pace im Rennen zu erreichen."

Rast und der DTM-Meisterschaftsführende Müller zusammen mit dem dritten Podestfahrer, Robin Frijns, machten sich kurz nach dem Rennende auf in Richtung Berlin, wo am kommenden Mittwoch das Saisonfinale der Formel E mit sechs Rennen innerhalb von nur neun Tagen (05.-13. August) beginnt.

DTM-Podium in Corona-Zeiten: Rene Rast, Nico Müller und Robin Frijns - Foto: Audi Communications Motorsport

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