DTM

Audi dominiert DTM - Wittmann: Das will doch niemand sehen

Audi feiert die erste Meisterschaft in der DTM-Saison 2019 - BMW schiebt Frust. Marco Wittmann am Lausitzring findet deutliche Worte zur aktuellen Stimmung.
von Robert Seiwert
DTM 2019: Audis Übermacht - Langeweile im Titelkampf?: (09:55 Min.)

Vierfach-Pole, Dreifach-Sieg, Fünffach-Pole, Fünffach-Sieg. Audi hätte beim drittletzten DTM-Wochenende auf dem Lausitzring kaum dominanter auftreten können. Gegner BMW geriet zur Randerscheinung, war im Kollektiv völlig unterlegen. Die Übermacht führte zwangsläufig zur ersten Entscheidung in der Meisterschaft: Audi ist vier Rennen vor dem Saisonende vorzeitig Markenmeister.

Frust macht sich breit, auch bei Marco Wittmann, BMWs letzter Hoffnung. Der zweifache DTM-Champion holte in den beiden Lausitz-Rennen mit den Plätzen vier und sechs das absolute Maximum heraus.

Doch gegen die Audi-Dominanz ist auch er machtlos. "Letzten Endes will das doch keiner sehen", sagt Wittmann zu Motorsport-Magazin.com. "BMW würde das seinerseits natürlich auch gern so haben, aber im Sinne der Fans wollen wir doch abwechslungsreiche Rennen."

Wittmann spricht aus, was viele denken: Eine derartige Dominanz schadet der DTM. Unter normalen Umständen ist BMW seit geraumer Zeit kaum siegfähig - mit alleiniger Ausnahme von Wittmann, der für vier der sechs BMW-Siege verantwortlich zeichnet. Sein Start/Ziel-Sieg am Samstag in Brands Hatch war das vorerst letzte Highlight.

DTM Lausitzring: Video-Zusammenfassung zu Rennen 2 am Sonntag: (03:05 Min.)

"Wir haben ein paar Mal gezeigt, dass wir das Auto mit einem Wunder auf die Pole stellen können", sagt Wittmann. "Aber seit dem Sonntag in Brands Hatch ist noch mal ein Schritt gekommen, seitdem uns Audi richtig vorführt."

Vor allem in der Breite ist der Unterschied zwischen Audi und BMW eklatant. Die Siege (8 zu 6) und Poles (ebenfalls 8 zu 6) spiegeln nicht die Realität wider. Eher schon ein Blick auf die bislang erzielten Podestplätze: Audi-Fahrer erzielten 31 der 42 möglichen Podiumsplatzierungen!

Mit Ausnahme von Wittmann ist BMW inzwischen weit abgeschlagen. Der Rückstand wird auf drei bis fünf Zehntelsekunden beziffert - eine Welt in der DTM, die sich über viele Jahre über Abstände im Hundertstelbereich definierte.

"Wir müssen verstehen, wo wir noch etwas herausholen können bei den homologierten Fahrzeugen", wirkte Rudi Dittrich, Leiter BMW Motorsport Fahrzeugentwicklung, am Sonntag in der Lausitz ratlos.

DTM 2019: Audi und BMW im Vergleich

Statistik Audi BMW
Siege 8 6
Podestplätze 31 11
Führungskilometer 1204 888
Poles 8 6
Punkte 858 463

Audi feiert unterdessen den ersten von voraussichtlich drei Titelgewinnen in der ersten Saison mit den Class-1-Rennautos. 858 Punkte haben die sechs Werksfahrer und die beiden Rookies vom Kundenteam WRT in den ersten 14 Rennen gesammelt, BMW kommt mit 463 Zählern nur etwa auf die Hälfte. "Das zeigt, dass wir der beste Hersteller sind", bringt es der Meisterschaftsführende Rene Rast auf den Punkt.

Wittmann, der am Sonntag beim Zieleinlauf fast 13 Sekunden Rückstand auf Sieger Rast hatte: "Es ist enttäuschend. Du kämpfst wie ein Löwe, aber aus dem Paket ist nicht mehr herauszuholen. Mit den Plätzen vier und sechs zufrieden sein zu müssen, ist frustrierend. Audi ist dominant und stark, aber da müssen wir uns auch an die eigene Nase fassen." Gekämpft wird bis zum bitteren Ende, doch Wittmanns Hoffnungen auf den Titelgewinn bei 67 Punkten Rückstand auf Rast sind kaum noch vorhanden.

Bei Audi, das BMW und vor allem Wittmann noch vor dem Rennwochenende in der Lausitz als einen extrem gefährlichen Gegner bezeichnete, klingt es schon fast nach Mitleid, wenn Motorsportchef Dieter Gass sagt: "Natürlich will man einen Wettbewerb sehen, das wollen wir auch. Aber das ist ja nicht unser Problem."


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