DTM

DTM, Reifen-Regel: Mercedes sieht sich als großen Verlierer

Nach der Pleite am Nürburgring: Mercedes sieht sich durch die neue Reifen-Regel arg benachteiligt. DTM-Chef Gerhard Berger hat dafür kein Verständnis.
von Robert Seiwert & Arno Wester

Motorsport-Magazin.com - Was Mercedes am Freitag auf dem Nürburgring bereits befürchtet hatte, sollte am Samstag tatsächlich eintreten: Der Autobauer aus Stuttgart erlebte im ersten von zwei DTM-Rennen in der Eifel einen herben Rückschlag. Nur Gary Paffett (P3) und Pascal Wehrlein (P7) schafften es unter die punktbesten zehn Fahrer. Mercedes holte die mit Abstand wenigsten Punkte seit Saisonbeginn in der Herstellerwertung.

Eine Folge der neuen Reifen-Regelung, laut der der Mindest-Kaltluftdruck in den Hankook-Reifen mindestens 1,3 bar betragen muss? Mercedes-Teamchef Uli Fritz nach der Samstags-Pleite zu Motorsport-Magazin.com: "Neutral betrachtet, könnte man schon überlegen, dass es ein deutlicher Eingriff in die Meisterschaft ist und uns einfach nicht hilft."

Berechtigte Sorgen bei noch fünf ausstehenden Rennen in der Saison 2018? Mercedes führt die Fahrer-, Hersteller- und Teamwertung weiter deutlich an. Der Vorsprung auf Audi beträgt gigantische 284 Punkte. DTM-Chef Gerhard Berger hat für die Aufregung kein Verständnis. "Mercedes führt alle drei Wertungen mit großem Vorsprung an", sagte er zu Motorsport-Magazin.com. "Auch wenn sie jetzt etwas an Performance verloren haben, für die anvisierten Titel reicht die allemal!"

Am Nürburgring kamen erstmals die neuen Vorgaben von Hankook zum Tragen, dass die Luftdrücke nicht mehr frei gewählt werden dürfen - weil einige Teams, darunter auch HWA, in der Vergangenheit so niedrige Werte gewählt hatten, dass laut Hankook ein Sicherheitsrisiko bestand.

"Dies war nötig geworden, nachdem auf der Suche nach Reifenperformance die bisherige Empfehlung des Herstellers in Bezug auf den Mindestdruck teils massiv unterschritten worden war", sagte DTM-Chef Gerhard Berger. "Damit war das Risiko für Reifenschäden erheblich gestiegen. Der Bogen ist schlichtweg überspannt worden."

Wie genau sich die neuen Vorgaben auf der Rennstrecke auswirken würden, darüber herrschte nach dem Freitags-Training unter nassen Bedingungen Unklarheit. "Es war schon klar, dass die Pace abfällt", sagte Fritz. "Dass es bei uns so viel mehr ist als bei BMW, war sicher unerwartet."

Eine Meinung, die auf der anderen Seite nicht unbedingt bestätigt wurde. Das Rennen gewann tatsächlich Rene Rast im Audi, BMW-Pilot Bruno Spengler wurde Zweiter. "In Zandvoort ist Rene Rast sehr konstant und konsequent zum Sieg gefahren, hier jetzt wieder", sagte BMW Motorsportdirektor Jens Marquardt zu Motorsport-Magazin.com. "Wie Sie daraus sehen, dass BMW der große Gewinner sein soll, kann ich nicht ganz verstehen."

Experten sind sich allerdings einig: Hätte das Rennen zwei Runden länger gedauert, hätte Spengler Rast vermutlich noch kassiert. Der BMW-Pilot holte in der zweiten Rennhälfte mit Riesenschritten auf, beim Zieleinlauf lag er nur 0,9 Sekunden hinter Rast.

Sah auch Rosberg-Teamchef Arno Zensen so. "Wir hatten eigentlich keine Bedenken wegen des jetzt vorgeschriebenen Kaltluftdrucks", sagte er zu Motorsport-Magazin.com. "Allerdings hätte es nicht mehr lange gedauert, bis Bruno (Spengler) ihn (Rene) geschnappt hätte. Dabei haben uns vor allem zwei Dinge in die Karten gespielt: Ich habe mich bei meinem alten Freund Gary (Paffett) dafür bedankt, dass er Bruno so lange aufgehalten hat. Das hat auch dazu geführt, dass er am Ende nicht mehr ins DRS-Fenster gekommen ist."

Bei Mercedes fühlten sich auch einige Fahrer durch die neuen Reifen-Vorgaben benachteiligt, etwa Paffett und Wehrlein. "Man kann klar erkennen, dass die anderen Hersteller mit den neuen Regeln für den Luftdruck einen Vorteil gegenüber uns haben", war Wehrlein überzeugt. Teamchef Fritz überlegte laut, am Sonntag zu experimentieren und Qualifying-Performance für mehr Pace im Rennen zu opfern.

Aus Sicht von BMW war das Samstags-Rennen eine schöne Abwechslung zum bisherigen Saisonverlauf, den der Autobauer aus Stuttgart größtenteils dominiert hatte. Marquardt: "Mal nicht fünf Daimler in den Top-6 zu sehen, finde ich ganz spannend für die Meisterschaft. Dass ein paar BMW wieder vorne dabei sind, ist auch gut."


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