DTM

Am Ende Eki geschlagen - Scheider: Audi-Zukunft, Donut-Wette, Akte Opel

Timo Scheiders Rücktritt aus der DTM gehörte zu den emotionalsten Momenten der letzten Jahre. Motorsport-Magazin.com hat die Geschichten rund um den Abschied.
von Robert Seiwert

Motorsport-Magazin.com - Marco Wittmann sicherte sich die DTM-Meisterschaft 2016 in einem spannenden Finish. Für die Schlagzeilen beim Finale in Hockenheim sorgte allerdings Timo Scheider. Sein kurzfristig einberufener und höchst diskutabler Abschied aus der DTM war das große Thema am letzten Rennwochenende. Motorsport-Magsazin.com war live dabei und erlebte einige Randgeschichten mit, die bislang noch nicht bekannt waren.

1. - Es könnte weitergehen mit Audi

Zunächst wirkte es ganz nach totalem Abschied. Timo Scheider und Audi - das Tischtuch schien nach den Vorkommnissen rund um sein DTM-Ende komplett zerschnitten. So ließ es Scheider bei seinem höchst emotionalen PK-Auftritt auch im ersten Moment durchblicken. Tatsächlich aber gab es bereits Gespräche über eine weitere Zusammenarbeit. Am Sonntag in Hockenheim traf sich Scheider mit Vertretern aus der Audi-Chefetage.

Gut möglich, dass der zweimalige Champion in anderer Funktion dem Hersteller erhalten bleibt - als Markenbotschafter, im GT-Projekt oder gar mit Audi-Unterstützung in der WRX. Für DTM-Leiter Dieter Gass war am Sonntag kurz nach Rennende bereits klar gewesen, dass es eine gemeinsame Zukunft mit Scheider geben kann. "Auf jeden Fall", so Gass auf Nachfrage von Motorsport-Magazin.com. "Für mich war das ein Abschied von der DTM, nicht von Audi. Wir werden schauen, was wir mit ihm zukünftig noch machen können. Ich bin optimistisch, dass das klappt."

Emotionaler Rücktritt von Timo Scheider aus der DTM - Foto: Audi

2. - Donut-Challenge mit Ekström

Nach dem Sonntagsrennen genoss Scheider seinen Abschied von den Fans, die den DTM-Veteran frenetisch bejubelten. Scheider fabrizierte einen Donut nach dem anderen, sorgte für mehr Rauch als das Feuerwerk auf der Start/Ziel-Geraden, warf Handschuhe und sogar Schuhe auf die Zuschauertribüne. Es war ein würdiger Abschied. Hinter der schier endlosen Donut-Orgie steckte aber noch ein bisschen mehr, wie Scheider im Gespräch mit Motorsport-Magazin.com verriet.

Scheider: "Es gab vor einigen Jahren mal einen Wettbewerb mit Mattias (Ekström;d.Red.). Wir haben darum gewettet, wer es schafft, beim Donut-Drehen in den höheren Gang zu schalten. Damals war Mattias im fünften Gang und ich im sechsten. Das musste ich noch mal wiederholen! Er hat mir auch vor dem Rennen geschrieben, dass er auf jeden Fall Donuts bis in den sechsten Gang sehen möchte. Die Datenaufzeichnungen lasse ich mir auf jeden Fall noch ausdrucken, denn das war der sechste Gang mit meinen Donuts."

3. - Scheider-Crash tat Farfus leid

"Ooooh, nein! Das warst du! Oh man, das tut mir echt leid. Aber hey, kein Problem, alles gut." Eigentlich war Augusto Farfus der Leidtragende nach seinem Crash mit Scheider im Sonntagsrennen. Doch dem sympathischen Brasilianer tat es sichtbar leid, dass ausgerechnet er der Fahrer war, dem der Audi-Pilot ins Heck gerasselt war. Für den Zwischenfall kassierte Scheider eine Durchfahrtsstrafe - um Punkte ging es aber ohnehin nicht mehr. Scheider und Farfus umarmten sich während der großen Presserunde nach dem Rennen, da war der Unfall völlige Nebensache.

4. - Scheiders kleines Opel-Geheimnis

Scheider begann seine DTM-Karriere im Jahr 2000 mit Opel. Nach einer Anlaufphase belegte er mit dem Team Holzer und zwischenzeitlich Phoenix dreimal in Folge den achten Gesamtrang. Für ein Podest reichte es nicht mit Opel, doch 2004 war er immerhin der bestplatzierte Fahrer des Herstellers aus Rüsselsheim. Trotzdem musste Scheider am Ende der Saison seinen Hut packen und notgedrungen ein Jahr DTM-Auszeit nehmen.

Im Rahmen seiner Abschiedsrede in Hockenheim rutschte ihm dabei ein kleines Geheimnis raus. "Das habe ich noch nie erzählt, aber ich wurde bei Opel entlassen trotz eines bestehenden Vertrages für 2005. Da ist für mich eine kleine Welt zusammengebrochen, weil ich meinen DTM-Job noch nicht erledigt hatte."

Damit wird klar, was Scheider in all den Jahren meinte, wenn er immer wieder von einer schwierigen Phase in dieser Zeit sprach. Ohne eigenes Budget kam er 2005 in der FIA GT-Meisterschaft unter und empfahl sich für eine DTM-Rückkehr mit Audi. Der Rest ist Geschichte.

Timo Scheider 2001 im Opel unterwegs - Foto: Sutton

5. - Papa filmt mit

Als Scheider seinen Rücktritt verkündete, waren alle Augen auf ihn gerichtet. Auch die von seinem Vater Wolfgang. Der filmte den emotionalen Abschied komplett mit der eigenen Kamera - es gab weitaus schönere Momente in der DTM-Karriere seines Sohnes. Damit drängte sich auch die Frage auf, was Scheider Junior und Senior 2017 mit ihrem Engagement in der deutschen Formel 4 machen. Bislang war das junge Formelprojekt nicht allzu erfolgreich. Ob sich das ändert, wenn Timo Scheider nächstes Jahr mehr Zeit fürs Team hat? Oder endet es ebenso wie seine DTM-Karriere?


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