Motorsport-Magazin.com Plus
DTM

Das ändert sich 2016 - Wie stark ist der neue Mercedes C 63?

Mercedes greift in der DTM-Saison 2016 mit einem Facelift des aktuellen Autos an. Wie gut ist der Neue, und wo wurden den Ingenieuren die Grenzen aufgezeigt?
von Robert Seiwert

Motorsport-Magazin.com - Mercedes hat für die DTM-Saison 2016 umgebaut und seinem Mercedes-AMG C 63 ein Facelift verpasst. Nun werden sich einige Fans fragen: Dürfen die das? Schließlich sind die Boliden der aktuellen Generation per Reglement eingefroren und dürfen nicht verändert werden. Kostenreduzierungen lassen grüßen. Und doch besteht die Möglichkeit, gewisse Veränderungen vorzunehmen. Etwa, um ein neues Serienmodell zu bewerben, wie es bei Mercedes nun der Fall war.

Die Entwicklung des Neuen begann im April 2015. Dabei durften Motor, Fahrwerk, Aerodynamik sowie die Einheitsbauteile jedoch nicht angetastet werden.

Mit Blick auf die Aerodynamik schreibt das extrem strikte DTM-Reglement vor, dass eine Änderung unterhalb der sogenannten Designlinie nicht erlaubt ist - damit eingeschlossen sämtliche Aero-Teile wie Flaps an der Frontschürze oder Winglets am Chassis. Oberhalb dieser festgelegten Linie durfte Mercedes die Aerodynamik auf die neue Form des C-Klasse Coupés anpassen. Die auffälligsten Unterschiede des Facelift C 63 DTM sind sicherlich die neuen Scheinwerfer sowie der Grill in der Frontschürze.

Kein Vorteil - aber Veränderungen

Sowohl Mercedes als auch den DTM-Verantwortlichen war es angesichts des Umbaus äußerst wichtig zu betonen, dass für die Stuttgarter dadurch kein Wettbewerbsvorteil entsteht. Möglichst hohe Chancengleichheit als oberstes Gebot der Tourenwagenserie - siehe etwa BMW, denen es erlaubt wurde, Gewicht auszuladen, um mit der Konkurrenz mithalten zu können. Per Reglement durfte Mercedes mit dem C 63 also keinen Vorteil erzielen. Änderungen in der Aerodynamik und damit dem Fahrverhalten brachte das Facelift allerdings durchaus mit sich.

Durch das neue Design an der Front dürfte sich etwa die Anströmung verändert haben - ohne dass dabei die Aero-Elemente am unteren Teil des Chassis entsprechend angepasst werden durften. "Die Herausforderung für uns ist es nun, die Aerodynamik des alten Autos mit der Form des neuen Autos in Einklang zu bringen", sagte auch Teamchef Ulrich Fritz. "Das Auto sieht jetzt natürlich wirklich super aus, aber stellt uns auch vor die eine oder andere Aufgabe, die es zu lösen gibt."

Wie machen sich die Änderungen bemerkbar?

Riesengroße Aero-Änderungen dürften sich nicht ergeben, doch die Fahrer berichteten nach den Testfahrten von einem veränderten Fahrverhalten in gewissen Bereichen. "Durch das neue Design ändert sich doch etwas", sagte Maximilian Götz gegenüber Motorsport-Magazin.com. "Vor allem in den schnellen Kurven fühlt sich das Auto anders an. Bei den Tests bestand die Aufgabe darin, die bestmögliche Balance zu finden. Wir sind da auf dem richtigen Weg."

Insgesamt sprachen die Mercedes-Piloten von leichten Veränderungen beim Fahrgefühl, ohne zu sehr auf eine spürbare Verbesserung zu pochen - wäre theoretisch ja auch nicht erlaubt. In der DTM, wo oftmals Hundertstelsekunden entscheiden, gilt es nun, sich möglichst schnell an das neue Feeling des Autos zu gewöhnen. Durch die Anpassung von BMW könnte es sonst gerade in den ersten Qualifyings der neuen Saison eng werden. "Es gibt Unterschiede, aber wir müssen noch ein wenig testen", sagte Lucas Auer zu Motorsport-Magazin.com. "Ich persönlich habe mich wohlgefühlt und denke, dass das Auto meinem Fahrstil entgegenkommt."

Tests nicht ohne Probleme

Die Testfahrten in Monteblanco und Hockenheim gaben nur sehr bedingt Aufschluss über die Performance der drei Hersteller. Niemand wollte die Karten auf den Tisch legen - Rundenzeiten standen deutlich im Hintergrund. "Wir schauen da gar nicht so auf die Zeiten, sondern eher auf die Eindrücke, die wir als Fahrer sammeln und was die Ingenieure auf dem Computer sehen", erklärte HWA-Neuling Götz. "Wir haben unsere Qualifying- und Rennsimulationen. Im Endeffekt geht es aber darum, unser Programm abzuspulen."

Sagen lässt sich allerdings, dass Mercedes die Tests nicht problemfrei durchführen konnte. An den vier Tagen in Hockenheim legte die Marke mit dem Stern die wenigsten Kilometer aller drei Hersteller zurück. Am Ende kamen die acht AMG-Fahrer auf 1.724 Runden. Dass keine der Bestzeiten auf das Konto von Mercedes ging, dürfte verschmerzbar sein. Die Saisonziele formulierte Teamchef Fritz so: "Ich denke, es wäre unglaubwürdig, wenn wir uns hinstellen und behaupten, dass wir die Titel nicht verteidigen wollen. Schließlich sind wir genau deswegen in der DTM - um Titel und Rennen zu gewinnen."


Weitere Inhalte: