24 h von Le Mans

Le-Mans-Panne: Toyota vergibt falschem Marshal

Eine sportlich gemeinte Geste nahm indirekt Toyotas größte Sieghoffnung aus dem Rennen. So reagieren die Japaner:
von Michael Höller

Motorsport-Magazin.com - Toyota schließt vier Tage nach dem Zieleinlauf mit der neuerlichen Niederlage in Le Mans endgültig Frieden. Besonders der Ausfall von Kamui Kobayashi schmerzte, fiel er doch in der zehnten Rennstunde in Führung liegend aus. Unter unglücklichen Umständen, wie sich in den Tagen nach dem Rennen herausstellte, denn ein "falscher Marshal" hatte indirekt zum Ausfall geführt. Sein Name: Vincent Capillaire.

Wir akzeptieren diese Entschuldigung und erkennen an, dass diese sportliche Geste nie die Absicht hatte, negative Konsequenzen für unser #7-Auto nach sich zu ziehen.
Statement von Toyota

"Toyota kann bestätigen, dass wir eine Entschuldigung von Vincent Capillaire bezüglich seines Verhaltens während der 24 Stunden von Le Mans erhalten haben. Wir akzeptieren diese Entschuldigung und erkennen an, dass diese sportliche Geste nie die Absicht hatte, negative Konsequenzen für unser #7-Auto nach sich zu ziehen. Wir verbleiben mit Vincent in gutem Verhältnis und sehen diesen Fall als abgeschlossen ab", ließ Toyota in einem Statement am Donnerstag verlautbaren.

Der Ausfall des führenden Toyota

Was war passiert? Kobayashi stellte sich während einer Safety-Car-Phase mit dem #7-Toyota nach einem Stopp an der Boxenausfahrt an. Da das Safety Car gerade über Start/Ziel heranbrauste, wurde der Japaner von einem Marshal zum Anhalten aufgefordert. Dieser ging in Folge weitere gestoppte Fahrzeuge ab, um ihnen das gleiche Signal zu geben. Dann wurde es kurios: Ein zweiter Marshal tauchte plötzlich auf und deutete Kobayashi, er solle losfahren. Der Japaner folgte der Anweisung, wurde aber sofort per Boxenfunk von seinem Team gestoppt, da die Ausfahrt noch nicht frei war.

Jetzt wird es technisch: Durch Verlassen der Boxengasse beendete die Elektronik des Toyota den Boxenmodus, in dem das Auto rein elektrisch losfährt. Als die Ampel tatsächlich auf Grün sprang, musste Kobayashi also nur mit der Power des Verbrennungsmotors losfahren. Da die Autos darauf nicht ausgelegt sind, ging die Kupplung kaputt. Denn die Kupplung sollte erst ab einem gewissen Tempo benutzt werden, um den Verbrenner dazu zu holen. Aus dem Stand damit anzufahren ist nicht vorgesehen. Kobayashi konnte aufgrund der defekten Kupplung keinen Gang mehr einlegen und schleppte sich nur mit dem elektrischen Antrieb über die Strecke. Doch es war nicht genug Strom in der Batterie um die volle Runde zurück an die Box zu schaffen und so musste er nach kilometerlangem Kampf im Schneckentempo aufgeben.

Falscher Marshal war Fahrer

Der zweite Marshal stellte sich nach der Analyse von Fotos und Videos als ein Fahrer des LMP2-Teams Algarve Pro Racing heraus, das seine Box am Ende der Gasse hatte: eben jener Vincent Capillaire. Dabei hatte der Franzose gar nichts Böses im Sinn, als er Kobayashi am Ende der Boxengasse den Daumen nach oben zeigte.

"Ich habe am Samstagabend an der Box mit aufgesetztem Helm auf meinen Einsatz gewartet. Ich wollte dem Spitzenreiter im Rennen meine Unterstützung zeigen, der nur ein paar Meter vor meiner Box an der roten Ampel zum Halten kam. Das war eine spontane Geste zur Aufmunterung, wie es unter Piloten üblich ist", entschuldigte sich Capillaire nach dem Zwischenfall.

Für Toyota war der Zwischenfall der Gipfel eines pannenbehafteten Le-Mans-Auftritts. Zuvor hatte das Schwestern-Auto #8 bereits mit defektem Elektroantrieb an der Vorderachse rund eineinhalb Stunden an der Box verloren, wenig später beschädigte ein Auffahrunfall in der ersten Kurve Toyotas #9 so schwer, dass dieses aufgeben musste. Der japanische Auto-Gigant wartet damit weiter vergeblich auf seinen ersten Sieg in Le Mans. Bisher hat man fünf zweite Plätze als beste Platzierung zu Buche stehen.


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