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WTCR

Gabriele Tarquini: Tourenwagen-Legende beendete Karriere

Mit 59 Jahren ist Feierabend: Der mehrfache Weltmeister Gabriele Tarquini hängt zum Ende der WTCR-Saison 2021 seinen Helm an den Nagel.
von Robert Seiwert

Motorsport-Magazin.com - Es ist das Ende einer eindrucksvollen und Jahrzehnte andauernden Ära im Motorsport: Gabriele Tarquini hat am heutigen Freitag offiziell bekanntgegeben, seine Profi-Karriere als Rennfahrer im Alter von 59 Jahren zum Ende der Saison zu beenden. Die lebende Tourenwagen-Legende startet noch bei den letzten beiden Rennwochenenden des Tourenwagen-Weltcup WTCR in Adria sowie in Sotschi - danach ist endgültig Feierabend.

Tarquini blickt auf eine einzigartige Karriere mit Stationen in der Formel 1, den 24 Stunden von Le Mans und vor allem dem Tourenwagen-Rennsport hinter sich. Der Italiener trat bei mehr als 700 Rennen für die Marken BMW, Alfa, Honda, Seat, Lada und Hyundai in der DTM, der WTCC, nationalen Tourenwagen-Meisterschaften und zuletzt dem WTCC-Nachfolger WTCR an.

Dabei stellte Tarquini neue Bestmarken in der Geschichte der FIA-Rennserien auf und ging 2018 als ältester Weltcup-Sieger in die Geschichtsbücher des Motorsport-Weltverbandes ein. Mit diesem Erfolg löste Tarquini im Alter von 47 Jahren und 265 Tagen die 1995 verstorbene Formel-1-Legende Juan Manuel Fangio als ältesten FIA-Champion ab. Der Argentinier war 1957 bei seinem fünften und letzten Formel-1-Titel 46 Jahre und 41 Tage alt.

Selbst in diesem Jahr gelang dem Veteranen noch ein Rennsieg in der WTCR - bei seinem Triumph in Aragon auf einem Hyundai Elantra N TCR hatte er das Alter von 59 Jahren bereits erreicht.

Foto: ADAC TCR Germany

Weitere Meilensteine in Tarquinis großer Karriere neben dem WTCR-Titel 2018 mit Hyundai: 1994 gewann er die Britische Tourenwagen-Meisterschaft BTCC mit Alfa, 2003 die Tourenwagen-Europameisterschaft auf Alfa Romeo sowie 2009 die WTCC auf einem Seat.

Tarquinis Erfolge in der Formel 1 sind hingegen überschaubar - keine große Überraschung bei den Teams, für die er zwischen 1987 und 1995 bei 38 Grands Prix antritt: Osella (1987), Coloni (1988), AGS (1989-1991), Fondmetal (1991-1992) sowie Tyrrell in seinem letzten F1-Jahr 1995. Seinen einzigen WM-Punkt erzielte er 1989 für AGS auf einem Ford Cosworth DFR 3.5 V8.

Foto: Sutton

Die Entscheidung, nach der Saison 2021 den Rennfahrer-Helm an den Nagel zu hängen, sei bei Tarquini nach seinem bislang letzten WTCR-Sieg im Juli dieses Jahres gefallen. Arbeitgeber Hyundai habe er frühzeitig informiert. "Früher oder später musste ich aufhören", sagte er. "Nichts hält für die Ewigkeit, nicht einmal meine Karriere!"

Tarquini weiter: "Ich bereue nichts. Vielleicht habe ich zu früh aufgehört, vielleicht hätte ich noch ein Jahr dranhängen können. Du kannst immer noch ein Jahr länger fahren. Aber ich hatte Glück, denn ich blicke auf eine sehr lange und dankbare Karriere zurück, selbst in meinen späteren Jahren. Die beiden WM-Titel 2009 und 2018 habe ich gewonnen, als viele andere Fahrer meiner Generation bereits aufgehört hatten."

Foto: FIA

In seiner letzten WTCR-Saison belegt Tarquini mit 94 Punkten den elften Platz in der Gesamtwertung. Statt an den letzten beiden Rennwochenenden zwingend noch weitere Siege anzupeilen, will er Teamkollege Jean-Karl Vernay im Titelkampf gegen Jann Ehrlacher unterstützen.

Tarquini: "Natürlich möchte ich mit einem Highlight aufhören, einem Sieg in Adria oder Sotschi. Aber mir ist klar, dass es Priorität genießt, Jean-Karl bei seinem Kampf um den Titel zu unterstützen. Und das stelle ich vor meine persönlichen Ansprüche in diesen letzten vier Rennen. Genauso, wie ich es auch in der Vergangenheit getan habe."

Herzliche Worte zum Abschied gab es für Tarquini von Serien-Promoter Marcello Lotti, einst sogar dessen Team-Manager: "Ich weiß so viele gute Erinnerungen an unsere gemeinsame Zeit zu schätzen. Er hängt seinen Helm jetzt an den Nagel. Aber mit all seiner Erfahrung und seiner Reputation bin ich sicher, dass er im Motorsport als unschätzbar wertvoller Berater und Testfahrer weitermachen könnte. Ich bin zuversichtlich, dass dies noch nicht das Ende unserer Leidenschaft für den Tourenwagensport ist."


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