Roman Rusinov, Fahrer und Teamchef von G-Drive Racing, wird dieses Jahr nicht bei den 24 Stunden von Le Mans und nicht in der European Le Mans Series an den Start gehen. Diese Entscheidung gab der 40-jährige Russe am Samstag auf seiner Instagram-Seite bekannt. Am Sonntag verkündete auch das Team G-Drive Racing per Instagram-Statement, nicht an der nächste Woche beginnenden WEC-Saison 2022 teilzunehmen.

"Die Entscheidung wurde angesichts der inakzeptablen Bedingungen des internationalen Automobilverbandes getroffen", teilte das russische Team mit, ohne dabei näher ins Detail zu gehen. Ähnlich klang es bei Teamchef/Fahrer Rusinov, der zuvor mitgeteilt hatte: "Heute habe ich, der Fahrer des russischen Teams G-Drive Racing, mich geweigert, die diskriminierenden Bedingungen der FIA zu akzeptieren."

Vor dem Hintergrund der russischen Invasion in der Ukraine hat der Automobil-Weltverband unter anderem beschlossen, dass Fahrer, Teams und Offizielle aus Russland und Belarus nur unter neutraler Flagge und unter der Voraussetzung, dass sie keine Unterstützung zu den beiden kriegsführenden Nationen kundtun, an FIA-Wettbewerben teilnehmen dürfen.

Außerdem mussten alle betroffenen Personen schriftlich bestätigen, dass sie "keine Erklärungen oder Kommentare abgeben und keine Handlungen vornehmen, die den Interessen der FIA, eines Wettbewerbs und des Motorsports im Allgemeinen widersprechen".

G-Drive wollte mit zwei Autos zu den 24h Le Mans

G-Drive Racing hatte im Jahr seines zehnjährigen Bestehens angekündigt, in der WEC sowie bei den 24 Stunden von Le Mans an den Start gehen zu wollen. Teamnamens- und Geldgeber 'G-Drive' ist eine Kraftstoffmarke von Gazprom Neft, einer Tochtergesellschaft des russischen staatlichen Energieunternehmens Gazprom. Alexander Krylov ist gleichzeitig Motorsport-Projektleiter von G-Drive Racing und Regional Sales Director von PJSC Gazprom Neft.

Für das Highlight des Jahres, die 24 Stunden von Le Mans, sollte ein zweiter LMP2-Rennwagen gemeldet werden. Als Fahrer-Trio für diesen zweiten Entry kündigte das Team die deutsche Nachwuchspilotin Sophia Flörsch, Rusinov sowie den amtierenden Formel-E-Weltmeister Nyck de Vries an.

Rusinov war als Teamkollege von Flörsch eingeplant

Flörsch und Rusinov hätten sich das Auto zudem in der gesamten Saison der European Le Mans Series mit einem dritten, namentlich noch nicht genannten Fahrer teilen sollen. In der Sportwagen-Weltmeisterschaft sollten laut Ankündigung des Rennstalls der ehemalige Formel-1-Fahrer aus Russland, Daniil Kvyat, Rene Binder aus Österreich sowie der Australier James Allen alle WEC-Rennen inklusive der 24h Le Mans bestreiten.

'G-Drive Racing by Algarve Pro Racing' war zuletzt unter der neutralen Flagge des Russischen Automobil-Verbandes (RAF) in der WEC sowie in der European Le Mans Series eingeschrieben. Algarve Pro Racing mit Sitz in Portugal unter dem Briten Stewart Cox stellt dem Team seit geraumer Zeit technische Unterstützung.

Foto: LAT Images
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G-Drive raus: Wie geht es mit Algarve Pro Racing weiter?

Weder das Team noch die jeweiligen Veranstalter haben sich bislang öffentlich zum weiteren Engagement geäußert, Anfragen von Motorsport-Magazin.com blieben unbeantwortet. Denkbar wäre etwa, dass Kvyat beziehungsweise Rusinov bei einer Einschreibung von Algarve Pro Racing in den Rennserien durch andere Fahrer ersetzt werden.

Eine möglicherweise ausbleibende finanzielle Unterstützung durch Sponsor G-Drive könnte dadurch ebenfalls kompensiert werden. Binder und Flörsch haben nach Informationen von Motorsport-Magazin.com Verträge direkt mit Algarve Pro Racing, nicht mit G-Drive Racing oder den Sponsoren des Teams.

Die für vergangenen Montag angekündigte Präsentation der offiziellen Starterliste für die 24 Stunden von Le Mans hat der Veranstalter verschoben und bis dato nicht veröffentlicht. Am heutigen Montag könnte es Neuigkeiten geben. Die WEC startet am 18. März in Sebring in die neue Saison nach einem Vortest an gleicher Stelle am 12./13. März, die European Le Mans Series beginnt am 17. April in Paul Ricard.

Update, Montag 15:00 Uhr: Wie der Le-Mans-Veranstalter ACO bekanntgab, soll die Starterliste zu einem späteren Zeitpunkt bekanntgegeben werden. Durch die Beschlüsse internationaler Sportverbände in Folge des Ukraine-Krieges nimmt das Auswahlkomitee neue Bewerbungen für die 24h Le Mans 2022 (11./12. Juni) entgegen. Interessenten können sich bis Mittwochnachmittag um einen möglichen freigewordenen Startplatz bewerben.

Rusinov-Statement: "Dann lieber gar nicht fahren"

Neben Rusinov soll laut Angaben von RacingNews365 auch Ex-F1-Fahrer Kvyat das FIA-Dokument bis zum Ablauf der gesetzten Frist nicht unterschrieben haben. In diesem Fall könnten beide Fahrer nicht an der WEC und nicht an weiteren FIA-Veranstaltungen teilnehmen. Zuletzt verlor der russische Formel-1-Fahrer Nikita Mazepin sein Cockpit bei Haas. Das US-Team trennte sich im gleichen Zuge von Sponsor Uralkali.

"In 10 Jahren internationaler Erfahrung hat unser Team das viele Male gemacht: Wir haben die russische Flagge gehisst, wir haben die russische Hymne gehört und gesungen. Im Interesse meiner Fans, im Interesse meiner Teamkollegen und der sportlichen Ehre werde ich dieses Dokument nicht unterschreiben. Dann lieber gar nicht fahren", schrieb Rusinov, der auf eine Rückkehr in den internationalen Motorsport hoffte, "wenn der Sportsgeist und die gleichen Bedingungen für alle Teilnehmer dort zurückkehren".