WEC

Porsche 919 auf Nordschleife: Bellof-Rekord für die Ewigkeit

Porsche knackt den Strecken-Rekord von Stefan Bellof auf der Nordschleife. LMP1-Leiter Fritz Enzinger über den Kontakt mit der Bellof-Familie.
von Robert Seiwert
Nordschleifen-Rekord: Irre Porsche-Onboard im 919 Hybrid Evo: (05:49 Min.)

Porsche hat unter großer medialer Beachtung den Strecken-Rekord auf der Nordschleife geknackt. Mit dem ungebremsten Monster namens Porsche 919 EVO gelang mit Werksfahrer Timo Bernhard am Steuer eine schier unglaubliche Rundenzeit von 5:19,55 Minuten. Damit brachen die Zuffenhausener den legendären Rekord des verstorbenen Stefan Bellof, der 1983 mit einem Rothmans Porsche 956 C 6:11,13 Minuten benötigte.

Porsche stellte jederzeit klar, dass sich beide Fahrten nicht miteinander vergleichen lassen und Bellofs Erbe bestehen bleibt. Das versicherte nun auch Porsches LMP1-Leiter Fritz Enzinger. "Das Wichtigste war, zuerst die Familie Bellof zu kontaktieren", sagte er in einer Pressemitteilung der Ennstal-Classic. "Wir haben ihnen mitgeteilt, dass wir das versuchen und sie hatten nichts dagegen."

Enzinger weiter: "Die Bellof-Zeit ist für die Ewigkeit, da diese Zeit während eines Rennwochenendes gefahren wurde. Bei uns war es einfach ein Versuch, ein Auto ohne Reglement zu entfesseln und zu sehen, was mit einem Verbrennungsmotor und einem E-Motor gemeinsam mit über 1.000 PS möglich ist."

Rekord-Tour beendet

35 Jahre und 31 Tage blieb Bellofs Rekordrunde unangefochten. Der 1985 in Spa-Francorchamps tragisch verunglückte Gießener fuhr seinen Rekord am 28. Mai 1983 im Training zum 1000-Kilometer-Rennen. Seine Durchschnittsgeschwindigkeit betrug über 200 km/h. Bernhard hatte mit dem 919 EVO im Schnitt 233,8 km/h auf der anspruchsvollsten Rennstrecke der Welt drauf.

Mit dem Nordschleifen-Rekord soll die Jagd des 919 EVO laut Enzinger beendet sein. Zuvor hatte Porsche-Werksfahrer Neel Jani mit dem Rennwagen einen neuen Rekord in Spa-Francorchamps aufgestellt und war damit schneller als Lewis Hamilton 2017 in seinem Formel-1-Mercedes.

Nächste Stopps: Brands Hatch & Laguna Seca

Zuletzt beim Goodwood Festival of Speed hatte Porsche mit dem 919 auf den Versuch eines Rekords verzichtet. Enzinger: "Wir haben noch einen gewissen Übergang bis 2019 und da entstand die Idee von Sponsoren, solche Events zu fahren, weil die Mannschaft ja vorhanden ist. Das Ganze war dann durchfinanziert. Es endet mit einer Fahrt ins Museum, Rekordrunde wird es definitiv keine mehr geben. Gefahren wird dazwischen noch in Brands Hatch und Laguna Seca."

Bernhards Rekordrunde auf der Nordschleife war kein Spaziergang. Das Team hatte sich ausgiebig im Simulator auf den Run vorbereitet und auch auf der Strecke Erfahrung unter Ausschluss der Öffentlichkeit gemacht. Dann war Bernhard bereit für die Fahrt in die Geschichtsbücher.

"Die Runde war schon richtig gut, aber wir haben uns auch ausgiebig vorbereitet", bestätigte Enzinger. "Wir sind immer zuerst die Sektoren gefahren und haben Simulationen gemacht, Timo Bernhard war schon richtig gut. Er ist 5:30, dann 5:24 und dann schlussendlich die 5:19 gefahren - das war super."

369,4 km/h Topspeed auf der Nordschleife

Die Evo-Version des Porsche 919 Hybrid basiert auf dem Le-Mans-Gesamtsiegerwagen und WEC-Langstreckenweltmeister der Jahre 2015, 2016 und 2017. Sie wurde von einigen Reglementrestriktionen befreit, ihr Hybridantriebsstrang erzeugt eine Systemleistung von 1160 PS. Der Evo wiegt nur 849 Kilogramm und seine modifizierte, jetzt aktive Aerodynamik generiert über 50 Prozent mehr Abtrieb im Vergleich zum WEC-Modell. Die Spitzengeschwindigkeit am Nürburgring betrug 369,4 km/h.

Technische Daten: Porsche 919 Hybrid Evo (919 Hybrid WEC)

Kategorie Details
Monocoque Verbundfaser-Konstruktion aus Karbonfasern mit Aluminium-Wabenkern. Das Cockpit ist geschlossen
Verbrennungsmotor V-Vierzylindermotor (90 Grad Bankwinkel) mit Turboaufladung, vier Ventile pro Zylinder, DOHC, ein Garrett-Turbolader, Benzin-Direkteinspritzung, Aluminium-Zylinder-Kurbelgehäuse voll tragend, Trockensumpfschmierung, Höchstdrehzahl: ca. 9.000/min
Hubraum 2.000 cm3 (V4-Motor)
Leistung Verbrennungsmotor: 720 PS Hinterachse (mehr als 500 PS)
MGU: 440 PS Vorderachse (mehr als 400 PS)
Hybrid-System KERS mit Motor-Generator-Einheit (MGU) an der Vorderachse, ERS zur Rückgewinnung von Abgasenergie. Speicherung in flüssigkeitsgekühlten Lithium-Ionen-Batteriepacks mit Zellen von A123 Systems
Antrieb Heckantrieb, Traktionskontrolle (ASR), temporärer Allradantrieb per Boost über E-Maschine an der Vorderachse, sequenzielles, hydraulisch betätigtes Siebengang-Renngetriebe
Fahrwerk Vorne und hinten Einzelrad-Aufhängung, Pushrod-System mit einstellbaren Stoßdämpfern und Pitch-Link-System mit aktivem Sperrsystem (kein aktives System in der WEC-Version des 919)
Bremsanlage Radindividuelles Brake-by-Wire-System (Vorder-Hinterachs-Brake-by-Wire-System), Monoblock-Leichtmetall-Bremssättel, belüftete Kohlefaserbremsscheiben vorne und hinten. Variable Radmomentensteuerung zur Optimierung der Fahrzeugbalance (Bremsmomenten-Verteilung achsindividuell einstellbar)
Räder und Reifen Magnesium-Schmiedefelgen von BBS; Michelin Radialreifen, vorne und hinten: 310/710-18
Gewicht 849 kg (888 kg inklusive Fahrer-Ballast)
Länge 5.078 mm (4.650 mm)
Breite 1.900 mm
Höhe 1.050 mm
Tankgröße 62,3 l

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