WEC

Dumas/Jani/Lieb gewinnen 6 Stunden von Bahrain - Dramatisches Finale: Porsche erzittert Gesamtsieg

Alles lief beim WEC-Finale in Bahrain gegen den Webber-Porsche. Das Schwesterauto sprang in die Bresche und gewann nach intensivem Duell mit dem Audi Nr. 7.
von Tobias Ebner

Motorsport-Magazin.com - Alfred Hitchcock hätte das Drehbuch dieses Rennens nicht besser schreiben können. Sah es in den Trainings noch nach einer Porsche-Dominanz beim 6-Stunden-Rennen von Bahrain aus, so mussten die Zuffenhausener im Rennen ein ganz dickes Fell und Nerven aus Drahtseilen beweisen. Die Titelfavoriten Bernhard/Webber/Hartley mussten zwei Mal im Laufe des Rennens wegen Problemen am Auto in die Garage geschoben werden. Am Ende reichte dem Duo Platz fünf, da das Schwesterauto das Rennen für sich entschied.

Spannend ging es auch in der LMP2-Kategorie zu. Letztendlich sicherte sich G-Drive die Plätze eins und drei. Rusinov/Bird/Canal bezwangen eine Viertelstunde vor Schluss Howson/Bradley/Tandy vom KCMG-Team im Kampf um den Sieg. Das Porsche-Team Manthey gewann die GTE-Pro-Wertung. Der 911 RSR mit der #92 von Pilet/Makowiecki setzte sich am Ende in seiner Klasse ebenso durch wie das Aston Martin-Trio Dalla Lana/Lamy/Lauda in der schwächeren GTE-Am-Kategorie.

Die Highlights der 6 Stunden von Bahrain 2015: (04:08 Min.)

LMP1: Happy-End nach sechsstündiger Strapaze für Porsche

Bei den großen Prototypen änderte sich am Start nichts an der Reihenfolge. Porsches #17 setzte sich vor dem Schwesterauto in Führung, dahinter lagen die beiden Audis und die beiden Toyotas. Auch bei den privaten LMP1 blieb die Reihenfolge unverändert, die Rebellion-Autos hielten sich vor dem Boliden des ByKolles-Teams. Großes Drama spielte sich nach einer halben Stunde ab! Timo Bernhard im Porsche #17 wurde langsam und musste zur Reparatur die Box ansteuern. Damit übernahm Lucas Di Grassi im Audi #8 die Führung, nachdem er zuvor schon den Porsche #18 überholt hatte. Der Porsche #17 verlor fünf Runden an der Box.

Den Reigen der regulären Boxenstopps eröffnete der Audi #8 nach 45 Minuten. Fast alle anderen LMP1-Boliden zogen direkt nach. Erst nach 50 Minuten kamen die Toyotas und der Porsche #18 an die Box. Nach den Stopps führten beide Audi vor dem Porsche #18 und den Toyotas, während sich der Porsche #17 wieder nach vorne kämpfte. Nach eineinhalb Stunden übernahm der Audi #7 die Spitzenposition von seinem Schwesterauto. Porsches #17 fuhr mit vier Runden Rückstand inzwischen wieder auf Platz zwölf insgesamt - das war jedoch noch nicht genug für die Meisterschaft.

Nach zwei Stunden führte der Audi #8 das Feld wieder vor dem Schwesterauto an, Brendon Hartley im Porsche #17 hatte sich inzwischen auf Rang sechs gearbeitet. Auf die Toyotas fehlten den Titelaspiranten aber noch drei Runden. Nach Porsche ereilten bald auch Audi Probleme. Die #8 musste nach 2:45 Stunden mit Problemen an den Bremsen zurück in die Garage geschoben werden und verlor acht Runden. Damit übernahm der Audi #7 die Führung vor dem Porsche #18 und beiden Toyotas. Porsche #17 kletterte auf Platz fünf. Zur Halbzeit gab es eine Full Course Yellow-Phase wegen Trümmerteilen auf der Strecke. Audi, die stets sehr früh zum Boxenstopp kamen, nutzte das sofort aus und holte die #7 rein.

Dadurch kam es beim Restart zu einem packenden Duell zwischen der #7 und der #18. Der Porsche rang den Audi nieder und übernahm die Führung, doch der Konter des R18 ließ nicht lange auf sich warten. Die zwei Spitzenreiter lieferten sich über mehrere Runden ein herzerfrischendes Duell, bis Marc Lieb sich im Porsche durchsetzte. Die zweite Full Course Yellow-Phase nach 3:30 Stunden nutzten die beiden Führenden zu einem weiteren Stopp, danach setzten sie ihr Duell unbeirrt fort. Nach vier Stunden lag der Porsche #18 mit einem kleinen Vorsprung vorne, das Schwesterauto war noch immer auf Rang fünf unterwegs.

Am Ende durften Mark Webber, Brendon Hartley und Timo Bernhard doch über den Titel jubeln - Foto: Porsche

Kurz darauf musste der Audi #8 einem sich drehenden LMP2-Wagen ausweichen, indem er sich selbst in einen Dreher zwang. Doch Oliver Jarvis konnte weiterfahren. In der Privatwertung schlitterte Rebellion von einem Missgeschick ins Nächste. Nachdem beide Fahrzeuge an die Box mussten, weil ihr Licht ausgefallen war, wurde das Team von der Rennleitung angewiesen, das Auto #12 wegen eines möglichen Flüssigkeitsverlustes zu checken. Aber auch ByKolles hatte zu kämpfen. Hier bereiteten die Bremsen Schwierigkeiten. 70 Minuten vor dem Ende die nächste dramatische Wende im Titelkampf - und wieder traf es den Porsche #17! Der 919 Hybrid musste erneut in Garage geschoben werden, konnte aber nach wenigen Minuten wieder als Fünfter auf Strecke zurückkehren. Jedoch mit einem nicht mehr optimal funktionierenden Hybridsystem.

An der Spitze führte das Schwesterauto mit der #18 nach fünf Stunden deutlich vor dem Audi #7 und beiden Toyotas. Ein waidwunder Porsche #17 quälte sich über die letzte Rennstunde, zwei Mal kam der 919 Hybrid gar für kurze Zeit zum Stillstand. Zwölf Minuten vor dem Ende steuerte Mark Webber sogar noch einmal die Box an! Der Australier rollte umgehend, aber langsam wieder auf die Strecke zurück. Audis #8 erhielt wenige Minuten vor Schluss noch eine Drei-Minuten-Stop-and-Go-Strafe. Offenbar wurde ein Reifen aufgezogen, der nicht zu einem zugeteilten Satz gehörte.

An der Spitze änderte sich jedoch nichts mehr. Dumas/Jani/Lieb holten im Porsche #18 den Sieg vor Fässler/Lotterer/Tréluyer im Audi #7 und Wurz/Sarrazin/Conway im Toyota #1. Die Porsche-Fahrer machten damit ihre Markenkollegen im Schwesterauto mit der #17, Bernhard/Webber/Hartley, zu den Fahrer-Weltmeistern der WEC-Saison 2015. Das zweite Porsche-Trio sah am Ende trotz all der Probleme und Zwischenfälle die Zielflagge als Fünfter hinter dem zweiten Toyota von Davidson/Buemi/Nakajima.

LMP2: G-Drive ringt KCMG nieder

Nick Tandy eroberte am Start im Oreca-Nissan des KCMG-Teams die Führung vor beiden Ligier-Nissan des G-Force-Teams. Pole-Setter Signatech mit Tom Dillmann am Steuer fiel bis auf Platz vier zurück. Die ersten Beiden konnten nach der ersten Stopp-Runde ihre Positionen behaupten, doch der zweite Ligier-Nissan fiel auf Platz fünf in seiner Klasse zurück. Die beiden Spitzenreiter mit Matthew Howson und Roman Rusinov lieferten sich ein erfrischendes Duell um die Führung. Howson konnte sich am Ende behaupten und setzte sich in der Folge leicht von Rusinov ab.

Das KCMG-Team verlor seine Führung und lag nach zwei Stunden hinten dem Alpine-Nissan des Signatech-Teams und dem G-Drive-Ligier-Nissan. Das sollte sich nach zweieinhalb Stunden wieder ändern. Der Toyota #1 drehte Alpine-Nissan in Turn eins um. KCMG nahm das Geschenk an und schnappte sich die Klassenführung. Die #1 erhielt daraufhin die schwarz-weiße Flagge von der Rennleitung. Kurz darauf wurde der Alpine-Nissan auch von beiden G-Drive-Boliden aufgefressen. Parallel zum Audi #8 war auch der ESM-Ligier in größeren Problemen und musste mit defekter Aufhängung die Box ansteuern. Nach dreieinhalb Stunden sorgte der Morand Morgan mit der #43 mit einem furchteinflößenden Unfall Ende Start-Ziel für Trümmerteile auf der Strecke und die nächste Full-Course-Yellow-Phase.

Die Führung in dieser Klasse hatte auch nach vier Stunden die KCMG-Truppe inne, vor dem G-Drive-Ligier von Rusinov/Bird/Canal, doch der Alpine-Nissan konnte immerhin den zweiten Ligier-Nissan wieder für P3 passieren. Mit noch 1:40 Stunden auf der Uhr lieferten sich Sam Bird und Richard Bradley an der Spitze der LMP2-Wertung einen packenden Zweikampf. Bird konnte sich durchsetzen und die Klasse nach fünf Stunden mit einem kleinen Vorsprung auf Bradley anführen. Doch das sollte es in diesem Zweikampf noch nicht gewesen sein. Eine Viertelstunde vor Rennende wurde der Klassensieg noch einmal zwischen dem Oreca-Nissan #47 und dem Ligier-Nissan #26 ausgefochten. Am Ende hatte G-Drive das bessere Ende für sich. Rusinov/Bird/Canal holten sich den Klassensieg vor Howson/Bradley/Tandy und Yacaman/Gonzalez/Derani.

Am Ende lief es wie bei den LMP1: Der Porsche #92 machte das Schwesterauto zum Titelträger - Foto: Porsche

GTE-Pro: Überraschungs-Sieg von Manthey in Bahrain

Der AF-Corse-Ferrari #51 konnte seine Spitzenposition am Start behaupten. Großer Sieger der Anfangsphase war aber der Manthey-Porsche #92. Patrick Pilet stürmte auf Platz zwei nach vorne, vorbei an beiden Aston Martin. Nach 20 Minuten übernahm Pilet sogar die Führung. Der Porsche #91 von GTE-Pro-Leader Richard Lietz lag auf Platz fünf in seiner Klasse, wurde aber schon bald von heranpreschenden Ferrari #71 geschluckt. Der Ferrari #71 wurde jedoch nach ca. 40 Minuten in eine Kollision mit dem LMP2-Boliden von Nicolas Minassian verwickelt und verlor dadurch einige Sekunden. Nach einer Stunde führte der Porsche #92 vor beiden Ferraris von AF Corse und beiden Aston Martins. Der Porsche #91 folgte erst am dem sechsten Rang.

Die zweite Stunde brachte keine Änderung im GTE-Pro-Klassement. Der Manthey-Porsche drehte immer noch als Klassenführender seine Runden, gefolgt von beiden Ferraris und beiden Aston Martins. Richard Lietz war jedoch auf dem Vormarsch. Der Deutsche am Lenkrad des Porsche #91 kämpfte nach drei Stunden mit dem zweiten Aston Martin um die fünfte Position in der Klasse. Eine Position bekamen der Porsche #91 und beide Aston Martins geschenkt, als Ferrari den Reifenwechsel bei der #71 verpatzte und der F458 kurzfristig als Dreirad unterwegs war. Calado/Rigon verloren dadurch eine Runde.

Nach vier Stunden hatte diese Reihenfolge immer noch Bestand Porsche #92 führte vor dem Ferrari #51 und beiden Aston Martins, Lietz/Christensen waren noch immer auf Position fünf unterwegs. Das Manthey-Duo im Porsche #91 kämpfte sich jedoch nach vorne und lag nach fünf Stunden schon auf Platz vier in seiner Klasse. Das Schwesterauto #92 führte 60 Minuten vor Ende noch immer vor dem Ferrari #51 und dem Aston Martin #97 und holte am Ende einen sicheren Sieg. Pilet/Makowiecki triumphierten vor Bruni/Vilander und Turner/Adam.

GTE-Am: Aston Martin setzt sich am Ende gegen Porsche durch

In der GTE-Am-Wertung setzte sich am Start die Corvette von Paolo Ruberti in Führung. Platz zwei übernahm der Porsche #77 mit Patrick Long am Steuer vor dem AF-Corse-Ferrari #83, der von Emmanuel Collard gesteuert wurde. Auch nach dem ersten Boxenstopp-Reigen blieb die Corvette #50 vorne, doch der Ferrari konnte sich am Porsche vorbei schieben. Nach zwei Stunden sah die Reihenfolge in der GTE-Am-Klasse unverändert aus. Die Corvette festigte ihre Führung vor dem Ferrari #83. Dahinter lagen aber nun beide Porsche-Autos, die sich weiter nach vorne arbeiteten. Nach drei Stunden führten die Autos aus Zuffenhausen vor dem Aston Martin #98 und dem US-Dampfhammer.

Die Porsche des Proton-Teams dominierten auch nach vier Stunden die GTE-Am-Wertung. Die #77 lag noch immer vor dem Schwesterauto mit der #88 und dem Aston Martin #98. Die Corvette #50 war inzwischen hinter beide Ferraris zurückgefallen. Nach fünf Stunden hatte der Aston Martin #98 die Führung vor beiden Porsches und beiden Ferraris übernommen. Am Ende holten sich Dalla Lana/Lamy/Lauda knapp den Klassensieg in Bahrain vor den beiden Proton-Racing-Porsche von Mapelli/Bachler/Al Qubaisi und Reid/Long/Seefried.

6h von Bahrain: Die Top-3 aller Klassen im Rennen

LMP1

Pos.FahrerAutoDistanz
1.Dumas/Jani/LiebPorsche 919 Hybrid 199 Runden
2.Fässler/Lotterer/TréluyerAudi R18 e-tron quattro199 Runden
3.Wurz/Sarrazin/ConwayToyota TS040 Hybrid196 Runden

LMP2

Pos.FahrerAutoDistanz
1.Rusinov/Bird/CanalLigier-Nissan183 Runden
2.Howson/Bradley/Tandy Oreca-Nissan183 Runden
3.Yacaman/Gonzalez/DeraniLigier-Nissan182 Runden

GTE-Pro

Pos.FahrerAutoDistanz
1.Pilet/Makowiecki Porsche 911 RSR173 Runden
2.Bruni/Vilander Ferrari F458 Italia173 Runden
3. Turner/AdamAston Martin Vantage V8173 Runden

GTE-Am

Pos.FahrerAutoDistanz
1. Dalla Lana/Lamy/LaudaAston Martin Vantage V8170 Runden
2. Mapelli/Bachler/Al QubaisiPorsche 911 RSR170 Runden
3.Reid/Long/Seefried Porsche 911 RSR170 Runden

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