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WEC

Sprung auf acht Megajoule schwerer als gedacht - Welche Hybridklasse? Hersteller rätseln

Nismo-Chef Darren Cox glaubt nicht an eine schnelle Entscheidung der Hersteller für eine Hybridklasse. Die Superbowl-Werbung sieht er als Erfolg.
von Heiko Stritzke

Motorsport-Magazin.com - Zwei, vier sechs oder acht - das ist die große Frage, vor der die WEC-Hersteller stehen. Nachdem in der Vorsaison sich die Topteams von Porsche und Toyota mit sechs und Audi mit deren zwei noch recht vorsichtig herangetastet haben, werden dieses Jahr die ersten 8MJ-Hybridsysteme erwartet. So einfach ist es aber nicht. Nismo-Boss Darren Cox zufolge ist eine Entscheidung über die endgültige Wahl bei noch keinem Hersteller gefallen. Nissan selbst werde sich erst kurz vor Saisonstart entscheiden.

Selbst bei Toyota wissen sie nicht, was sie fahren werden.
Darren Cox

Darren Cox hat ein strammes Programm vor sich: Der neu zusammengestellte LMP1-Kader wird sich mit dem höchst ungewöhnlichen Nissan GT-R LM Nismo anfreunden müssen, ein letzter Fahrer muss noch verkündet werden, und mit Audi steht bei Testfahrten in Sebring die erste Bewährungsprobe auf dem Programm. Zwischenzeitlich präsentierte Nissan noch seinen LMP1 auf der Chicago Motorshow nebst einem 370Z Roadster. "Ich würde sagen, er ist der Star der Show", sagte ein zufriedener Cox gegenüber Sportscar365 über den GT-R LM Nismo.

Angesichts einer Systemleistung mittlerweile "nur" noch 1250 kommunizierten PS sollte man eigentlich erwarten, dass Nissan die acht Megajoule voll ausschöpfen würde. Doch so sicher ist die Sache mitnichten: "Wir werden das in der letztmöglichen Minute entscheiden, wie übrigens auch alle anderen", überrascht Cox mit einem weitreichenden Statement. Konkret: Bislang weiß wohl noch keiner so richtig, in welcher Kategorie er starten will. "Ich war letzte Woche beim WEC-Meeting in Paris, und selbst bei Toyota wissen sie nicht, was sie fahren werden, und die haben ein Jahr Vorsprung."

Werbestrategie hat funktioniert

Die Werbekampagne erregte viel Aufmerksamkeit - Foto: Darren Cox/Twitter

Cox sieht das aber positiv: "Das ist eben das Großartige an dieser Meisterschaft. Man hat vier verschiedene Verbrennungsmotoren, vier verschiedene Hybridsysteme und vier mögliche Energieklassen." Nicht auszuschließen ist allerdings, dass die Entscheidung schon gefallen ist, aber geheim gehalten wird. Täuschen und Tarnen wird in der WEC noch größer geschrieben als in der Formel 1.

In seinem Marketing-Konzept, das neue Fahrzeug im Rahmen des Super Bowls präsentiert zu haben, sieht sich Cox bestätigt: "Die Kampagne ist weitaus erfolgreicher als wir erwartet haben. Die Superbowl-Werbung kam auf 22 Millionen Klicks [bei Youtube]. Das heißt, dass sich die Leute sie mehrfach ansehen!" Auch sei die Stimmung eine völlig andere als in der Vergangenheit: "Beim DeltaWing wollten alle, dass wir versagen, weil er so anders war und das nicht in ihre Köpfe wollte. Jetzt wollen sie, dass er [der LMP1] funktioniert, weil er so anders ist. Die Reaktion der Fans war fantastisch."