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VLN zieht Einstellfahrten durch: Gegen das (Gesundheits-)System

Die ersten beiden Rennen der VLN-Saison 2020 können nicht stattfinden. Der Probe- und Einstelltag wird trotz Teamabsagen und Kopfschütteln durchgeprügelt.
von Robert Seiwert

Motorsport-Magazin.com - In Deutschland und Europa ruht ab diesem Wochenende der Ball in den Fußballstadien. Veranstaltungen rund um den Globus wurden abgesagt und auch die Welt des Motorsports erlebte in den vergangenen Tagen eine wahre Absagen-Flut mit mehr als 70 Events, die bis mindestens Ende April in Folge der Coronavirus-Pandemie nicht ausgetragen werden können.

Und dann gibt es die Nürburgring Langstrecken-Serie, besser bekannt als VLN. Die bei Motorsportfans beliebte Breitensportserie, die sich trotz aller Bedenken und prominenter Absagen aufgemacht hat, am heutigen Samstag ihren angekündigten Probe- und Einstelltag durchzuprügeln.

Zwar wie zuvor angekündigt ohne Zuschauer auf den Tribünen und im Fahrerlager und ohne die Fahrzeugpräsentation im ring-boulevard und auch ohne die sonst obligatorische Fahrerbesprechung. Aber doch mit rund 30 Rennautos, Fahrern, Mechanikern, Medienvertretern und weiterem Personal, die sich in der Boxengasse und im Paddock tummeln. Im Vorfeld gab es rund 60 Nennungen.

Auf die Frage von Motorsport-Magazin.com, ob der Probe- und Einstelltag angesichts der aktuellen Coronavirus-Situation zu rechtfertigen sei, teilte Christian Stephani, Geschäftsführer der VLN VV GmbH & Co. KG mit: "Aus unserer Sicht war die Durchführung der Probe- und Einstellfahrt vertretbar. Wir haben in Abstimmung mit den verantwortlichen Stellen einen umfangreichen Maßnahmenkatalog zum Infektionsschutz erstellt, um die größtmögliche Sicherheit für die Fahrer und Teams zu gewährleisten. Mit der Absage der Präsentation im ring°boulevard sowie der Schließung von Tribünen und Fahrerlager für Zuschauer haben wir große Menschenansammlungen im direkten Umfeld der Teilnehmer ausgeschlossen."

Bilder vom heutigen Probe- und Einstelltag auf dem Nürburgring - Foto: Felix Maurer

Dabei wurden die Teams nicht von der VLN Veranstaltungs- und Vermarktungsgesellschaft mbH, die gemeinsam mit der capricorn Nürburgring Besitz GmbH die VLN VV GmbH ins Leben gerufen hat, verpflichtet, an den heutigen Fahrten teilzunehmen. Für das Risiko waren letztendlich die Teilnehmer selbst verantwortlich, wenngleich aufgrund finanzieller Verpflichtungen gerade kleinen Teams ein überschaubareres Handlungsfenster zur Verfügung steht. Aber: Die Plattform zur Austragung blieb bestehen.

Es wird das vorerst letzte Mal in den nächsten Monaten gewesen sein, dass vereinzelte Teilnehmer der VLN auf der Nordschleife zusammenkommen. Am Freitagnachmittag hatte die Landesregierung in Rheinland-Pfalz angekündigt, ab dem kommenden Montag Veranstaltungen mit mehr als 75 Teilnehmern zu verbieten. Events mit kleinerer Teilnehmerzahl sollen ebenfalls untersagt werden, falls nicht nötig.

Bilder vom heutigen Probe- und Einstelltag auf dem Nürburgring - Foto: Felix Maurer

Nun stellt sich die Frage, was genau die VLN und die Teams an diesem Samstag auf der Nordschleife zu einstellen und proben gedenken. Die ersten beiden Rennen der Saison 2020 werden nicht stattfinden. Das betrifft die 66. ADAC Westfalenfahrt am 21. März und das DMV 4-Stunden-Rennen, datiert auf den 04. April, wie bereits am Freitag klar war und am Samstagmittag schließlich offiziell mitgeteilt wurde.

Ob VLN 3 (18. April) und das für den 25./26. April anberaumte Qualifikationsrennen für den 24-Stunden-Klassiker (21.-24. Mai) nach all den weltweiten Rennabsagen bis in den Mai hinein über die Bühne gehen werden, kann man sich derzeit nur ausmalen.

Bilder vom heutigen Probe- und Einstelltag auf dem Nürburgring - Foto: Felix Maurer

Der Deutsche Motor Sport Bund stellte jüngst fest: "Der DMSB empfiehlt Veranstaltern, bei anstehenden Veranstaltungen zunächst bis Mitte April 2020, über die Möglichkeit einer Verlegung nachzudenken." Und auch: "Zusätzlich rät der DMSB dringend, Engpässe zu analysieren, die sich durch die aktuelle Situation ergeben. Das betrifft insbesondere das notwendige notfallmedizinische Personal für Motorsportveranstaltungen, das ggf. an anderer Stelle gebunden ist."

Selbst am frühen Samstagmorgen, wenige Stunden vor dem Beginn des Probe- und Einstelltages, herrschte in den sozialen Netzwerken im Zuge der allgemeinen Verunsicherung Unklarheit, ob dieser wirklich ausgetragen würde. Doch die VLN verzichtete auf Updates oder sonstige Informationen. Mit der Bekanntgabe vom Freitagmorgen, 13. März, dass der Probe- und Einstelltag ohne Zuschauer stattfinde, war offenbar alles gesagt.

Wie Krisenkommunikation nicht funktioniert, hatte kurz zuvor die Formel 1 mit der viel zu späten Melbourne-Absage eindrucksvoll unter Beweis gestellt.

Bilder vom heutigen Probe- und Einstelltag auf dem Nürburgring - Foto: Felix Maurer

Im Laufe des Freitages kündigten einige prominente Teams wie Zakspeed, Manthey und Falken ihr Fernbleiben von der Nordschleife an. "Aufgrund der aktuellen Gesundheitssituation haben wir beschlossen, in den kommenden Wochen nicht an Veranstaltungen teilzunehmen", teilte etwa die Falken-Mannschaft mit.

Während die VLN auf eine rechtzeitige Aufklärung im Zuge der sich rasant fortschreitenden Entwicklungen besonders am Freitag verzichtete, trafen andere Veranstaltungen am Nürburgring eine klare Entscheidung. Am Freitagmittag sagte etwa der Fisherman's Friend StrongmanRun sein für den 09. Mai geplantes Großevent ab und kündigte eine Verschiebung auf den 14. November an.

So schmerzhaft die aktuellen Entwicklungen rund um die COVID-19-Krankheit - auch - für die VLN und alle Beteiligten rund um den Nürburgring sind: Den Probe- und Einstelltag trotz zahlreicher Bedenken, Absagen und in der aktuell mehr als angespannten weltweiten Lage durchzuziehen, sorgt für Unverständnis und großes Kopfschütteln in der Motorsportszene. Das gilt ebenso für die Rallye Mexiko der WRC, die an diesem Wochenende als einziges Rennen einer größeren Serie weltweit startet.


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