Portrait
David Alonso zählt zu jenen Motorradrennfahrern, deren Weg in die Weltmeisterschaft sich schon früh abzeichnete. Laut eigener Aussage schon so lange an motorisierten Zweirädern interessiert, wie er denken kann, saß er im Alter von fünf Jahren erstmals auf einem und verliebte sich sofort. Er trat der KSB Sportschule in Madrid bei und startete schon ein Jahr später in seiner ersten regionalen Meisterschaft.
Stets von Eltern und Großeltern unterstützt, stellten sich schnell erste Erfolge ein. Das Aspar-Team von WM-Ikone Jorge Martinez wurde auf Alonso aufmerksam und verpflichtete ihn für die hauseigene Nachwuchsmannschaft. Gerade die 'Spanish Speed Championship' gewonnen, ging Alonso ab 2019 im 'European Talent Cup' an den Start und unterstrich dort gleich in seiner Rookiesaison mit vier Podien und Rang fünf in der Gesamtwertung sein großes Talent. 2020 gewann er die Serie überlegen und wurde 2021 in seiner Debütsaison schließlich auch Red-Bull-Rookies-Cup-Champion.

Der WM-Einstieg wäre nun die logische Folge gewesen, mit erst 15 Jahren war Alonso aber schlicht noch nicht alt genug und absolvierte somit noch eine Saison in der JuniorGP. Zur Saison 2023 war es dann aber soweit: Der gebürtige Madrilene, der zu Ehren seiner Mutter unter kolumbianischer Flagge fährt, erhielt beim Aspar-Team einen Stammplatz in der Moto3.
David Alonso: Erfolgreichster Moto3-Pilot der Geschichte
In der kleinsten WM-Klasse wartete keine leichte Aufgabe auf Alonso, denn er folgte im Aspar-Team immerhin auf Weltmeister Izan Guevara. Jorge Martinez traute seinem Schützling aber zu, sich behaupten zu können - und er sollte Recht behalten. Bereits im vierten Grand Prix des Jahres raste Alonso erstmals auf das Podium und im neunten GP gab es in Silverstone dann den ersten Sieg, und wie: Im Qualifying war Alonso am Vortag auf nasser Strecke infolge eines Sturzes keine Rundenzeit gelungen. Er musste also vom 28. und letzten Startplatz ins Rennen gehen. Was dann folgte, war schlichtweg sensationell: Alonso stürmte durch das Feld, war nach vier Runden schon Dritter und behauptete sich letztlich in einer packenden Schlussphase in einer 17 Mann großen Kampfgruppe gegen gestandene Größen wie Ayumu Sasaki, Deniz Öncü oder Diogo Moreira.

In Barcelona, Misano und Buriram folgten drei weitere Siege, die Alonso am Jahresende zu Gesamtrang drei verhalfen. Besser hatte seit Anbeginn der Klasse im Jahr 2012 nur Pedro Acosta (Weltmeister 2021, Anm.) debütiert. Kein Wunder also, dass Alonso 2024 als einer der großen Titelfavoriten in seine zweite Moto3-Saison ging. Würde der 17-Jährige dem Druck standhalten? Ja, und wie! Alonso krönte sich bereits in Motegi zum Weltmeister und brach bis zum Saisonende in Barcelona noch so manchen Rekord. Nie zuvor waren einem Moto3-Piloten 14 Saisonsiege oder sieben Siege in Serie gelungen. Mit insgesamt nun 18 Siegen stieg der Kolumbianer auch zum erfolgreichsten Piloten überhaupt in der kleinsten WM-Klasse auf. Das war zuvor 27 Jahre lang Valentino Rossi mit 17 Siegen gewesen. Mit 15 Podien in einer Saison stellte Alonso auch noch den Podestrekord von Sandro Cortese aus 2012 ein. Ein wahrlich verdienter Weltmeister also!

Hochgehandelter Alonso tut sich in der Moto2 schwer
2025 ging es für Alonso natürlich weiter in die Moto2, er stieg Aspar-intern auf und wurde nach seiner geschichtsträchtigen Moto3-Saison im Vorjahr von nicht wenigen als Außenseiter auf den WM-Titel gehandelt. Nun auf einer Kalex fahrend, tat sich Alonso in der mittleren WM-Klasse aber erstmal schwer. Es dauerte bis zum siebten Rennen, ehe er erstmals im vorderen Feld mitmischte. Dann aber gleich so richtig: In Silverstone kämpfte er bis zum Schluss um den Sieg, musste sich erst in der Schlusskurve Senna Agius geschlagen geben. Fortan besserten sich Alonsos Leistungen merklich, das Qualifying blieb aber eine Schwäche. Oft von weit hinten startend, konnte er seine starke Rennpace so nur selten in Topresultate ummünzen. Nach seinem Debütsieg in Ungarn dauerte es bis zu den letzten vier Grands Prix des Jahres, ehe er konstant auf das Podium marschierte.

Am Ende WM-Neunter, war die Moto2-Debütsaison aber dennoch als voller Erfolg zu verbuchen. Einziges Makel: Rookie-Teamkollege Daniel Holgado, den Alonso 2024 in der Moto3 noch klar im Griff gehabt hatte, schnitt noch besser ab. 2026 starteten die beiden Aspar-Piloten als Titelfavoriten in die Moto2-Saison und unterzeichneten alsbald auch MotoGP-Verträge: Holgado bei Gresini, Alonso bei Honda. Speziell um Letzteren hatten sich viele Teams geprügelt, auch KTM und Ducati in Form von Kundenrennstall VR46 hätten ihn künftig gerne im eigenen Line-Up begrüßt. Den Zuschlag erhielt letztlich aber Honda, wo Alonso mit ordentlich Geld und der Perspektive Werksteam gelockt wurde.
Während es 2027 also in der MotoGP weitergeht, stand und steht 2026 erstmal noch die zweite und letzte Moto2-Saison an. Diese verlief für Alonso bislang nicht wirklich nach Plan. Mit Titelambitionen gestartet, konnte er einzig die Dutch TT in Assen - in einem spektakulären Last-Corner-Showdown mit den beiden Intact-Piloten Manuel Gonzalez und Senna Agius - gewinnen und nur zwei weitere Male auf das Podium fahren. In der Weltmeisterschaft hinkt er dem Führenden Gonzalez deshalb deutlich zurück, hat kaum noch Chancen auf den WM-Gewinn.

