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Superbike WSBK

WSBK, Magny-Cours: Razgatlioglu von Kawasaki raus protestiert

Toprak Razgatlioglu verliert nach Protest von Kawasaki seinen Sieg im Superpole-Rennen der Supberike WM in Magny-Cours. Jonathan Rea ist der neue Sieger.
von Toni Börner

Motorsport-Magazin.com - Magny-Cours ist nicht länger das Pflaster, auf dem Pata Yamahan with Brixx WorldSBK-Pilot Toprak Razgatlioglu zum ersten Mal alle drei Rennen des Wochenendes gewinnen konnte: Nach einem Protest von Kawasaki wurde dem Türken der Sieg aberkannt. Razgatligolu wurde auf Rang zwei strafversetzt, Jonathan Rea ist der neue Sieger im Superpole-Rennen. Die Entscheidung fiel rund vier Stunden nach Rennende am grünen Tisch. Und grün ist die Farbe des Themas: Kawasaki hatte protestiert, weil Razgatlioglu im harten - aber immer fairen - Zweikampf mit Jonathan Rea die Piste verlassen hatte und auf den grün lackierten Asphalt gekommen war. Die betroffene Szene ist im Twitter-Video der WorldSBK unten zu sehen.

Es ist zu sehen, wie Razgatlioglu innen über den weißen Strich und kurzzeitig im grünen Asphaltband fährt. Ob er daraus einen Vorteil gezogen hat, lässt sich schwer beurteilen, schließlich wird er in der darauffolgenden Kurve von Rea überholt. Erst später konterte der Türke wieder, um den eigentlichen Sieg davon zu tragen.

In den Klassen der MotoGP-Weltmeisterschaft hätte es in diesem Falle sicher eine Nachricht 'Track-Limits-Warning' auf dem Dashboard gegeben, aber möglicherweise wäre dies ungeahndet geblieben. Auch die FIM-Offiziellen der Superbike WM ahndeten das Vergehen zunächst nicht. Erst als das Kawasaki-Werksteam Protest einlegte, wurde die Causa eröffnet und schließlich zuungunsten von Razgatlioglu entschieden.

Kawasaki-Teammanager Guim Roda ließ später über die Social-Media-Kanäle des Teams verkünden: "Raul, der KRT-Hardware-Techniker, hatte sich das Rennen, wie üblich, in der Box auf dem TV angeschaut und hatte mich darauf hingewiesen, dass Toprak auf der letzten Runde die Streckenlimits verlassen habe", so Roda. "Ich bat ihn, das noch mal zu überprüfen und zu bestätigen." Der Kawasaki-Manager brachte sofort auch ein Gegenbeispiel, als es 'die Grünen' mit gleichem Vergehen getroffen hatte. "In Assen wurde Ana Carrasco auf der letzten Runde von einem Kontrahenten über die Streckenlimits gepusht und dafür bestraft. Damals hatte sie sich beschwert, aber ich musste ihr sagen: Regeln sind Regeln." Roda unterstrich, dass Razgatlioglu dadurch in diesem Streckenabschnitt "unbedingt einen Vorteil" gehabt habe, wenngleich "ein kleiner Vorteil - aber doch ein Vorteil." Roda wies aber darauf hin, dass die finale Entscheidung nicht seine persönliche gewesen sei, sondern die der FIM. "Das ist für alle gleich."

Dennoch lobte Roda Razgatlioglu. "Toprak ist ein unglaubliches Rennen gefahren und jeder im KRT hat riesigen Respekt vor seinen Leistungen und dem unglaublichen Job, den er dieses Jahr macht. Die Show, die Rea und Toprak den Fans geboten haben, war schwer beeindruckend und ich bin mir sicher, dass noch einige enge und spannende Rennen vor uns liegen."

Denning (Yamaha): Wenn Kawasaki so spielen will...

Unverständnis kommt logischerweise aus den Reihen von Yamaha. Teamchef Paul Denning unterstrich klar: "Das hätten wir nicht gemacht, das ist enttäuschend!"

"Wenn ein Fahrer null Vorteil daraus zieht - wir sprechen hier über fünf Millimeter, die der Hinterreifen das Grün berührt hat - und die Rennleitung das im Live-Feed sowieso schon gesehen hatte und kein Problem feststellen konnte, weil es eben keinen Vorteil gab - dann macht man so etwas einfach nicht", erboste sich Denning. "Aber die Stewards haben von Kawasaki den Protest erhalten und mussten dann alle Tools nutzen, die sie zur Verfügung hatten - inklusive der Onboard-Aufnahmen von Jonathans Motorrad. Dort haben sie den kleinen Abschnitt im grünen Bereich gesehen. Wenn Kawasaki so spielen will, dann ändert sich unsere sportliche Einstellung zu dem Ganzen jetzt doch etwas."

Denning unterstrich auch, dass es für Razgatlioglu und Yamaha ein starkes Wochenende war. "Für unser Team war es das erste Mal, dass wir drei Rennen an einem Wochenende gewinnen konnten, genauso war das das erste Mal für Toprak. Eine unglaubliche, sportliche Leistung mit einem unglaublichen Respekt zwischen den beiden Fahrern, den Protagonisten der diesjährigen Weltmeisterschaft."

Für den aktuellen Tabellenstand der Superbike Weltmeisterschaft 2021 bedeutet das, dass Razgatlioglu nun nur noch sieben statt bis gestern Mittag 13 Punkte Vorsprung auf Rea hat. Reddings Rückstand ist damit wieder von 75 auf 72 Punkte geschmolzen.


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