Superbike WSBK

WorldSBK 2020 - Der Saisoncheck vor dem Auftakt in Australien

Die beiden offiziellen Testtage auf Phillip Island sind absolviert, am Wochenende startet die FIM Superbike Weltmeisterschaft in die Saison 2020.
von Toni Börner

Motorsport-Magazin.com - So viel gleich vorweg: Die Superbike-WM 2020 schickt sich an, eine extrem spannende zu werden. Erstmals waren diese Woche alle Teams und Fahrer gemeinsam bei einem Test unterwegs, alle bislang vorhandenen 19 Startplätze sind nun besetzt. Als letztes rutschte der Deutsche Sandro Cortese vorige Woche noch ins Stammaufgebot und unterschrieb einen Vertrag bei Pedercini Kawasaki.

Hatte sich am Montag am ersten Testtag noch Yamaha-Neuzugang Toprak Razgatlioglu den Platz an der Sonne geholt, stellte Jonathan Rea aus dem Kawasaki-Werksteam die Hackordnung am Dienstag wieder her. Der fünffache Weltmeister setzte in 1:30,448 die Bestzeit und landete damit nur 0,076 Sekunden vor Ten Kate Yamaha-Pilot Loris Baz.

Rea ist nach fünf Titeln in Folge klar der Gejagte und unterstrich das nun wieder mit der Test-Bestzeit. Und der Brite macht Angst, sagt, dass man die ZX-10RR ein weiteres Mal verbessern konnte. "Besonders bei der Balance, das Bike lenkt jetzt viel leichter und natürlicher ein", sagte er am Dienstag. "Wir haben auf allen Reifensorten Rennsimulationen abgespult und ich bin immer schnell und konstant gewesen. Aber bei diesem Rennen hier weiß man nie. Hier kommen die Probleme meist erst am Ende der Distanz. Ich denke, wir haben ein Nutzerfreundliches Motorrad und das ist mehr als positiv."

Neu-Teamkollege Alex Lowes hat derweil ein solch gutes Gefühl noch nicht in Grün: Er wurde nur Zwölfter.

Tom Sykes (BMW): Noch nie so auf den Punkt gebracht

BMW ist gerüstet und will Podeste und Siege - Foto: BMW

Stark und konstant zeigte sich an beiden Testtagen BMW-Werksfahrer Tom Sykes, der mit der Doppel-R an den Top-Drei fest hielt. Sykes gelang es am Ende nur 0,120 Sekunden auf seinen ehemaligen Teamkollegen und Dauerrivalen Rea zu verlieren. "Für mich ist das ein absolut guter Anfang hier auf Phillip Island, so auf den Punkt gebracht habe ich es noch nie", sagte der Brite. "Wir haben im Winter sehr hart an vielen Punkten an der S 1000 RR gearbeitet und haben uns da aber aus allem Ärger raus gehalten. Andere haben beeindruckende Zeiten abgedrückt, aber wir haben uns einfach auf die Rennreifen und die Entwicklung konzentriert. Das Motorrad ist jetzt einfach unglaublich leicht zu fahren."

Sykes hält sich daher mit Zielen und Ansprüchen auch nicht zurück. "Natürlich versucht hier jeder, Rennen zu gewinnen", so der Weltmeister von 2013. "Ich möchte nur über die Saison konstanter sein. Aber: Wir müssen immer das Podium zum Ziel haben und immer versuchen, aus diesem Podium einen Sieg zu machen. Und das ist hier nicht anders."

Haslam die Honda-Hoffnung

Razgatlioglu beendete den Test auf Rang vier, ebenfalls in Schlagdistanz zu Rea ganz vorn. Aufhorchen ließ derweil Leon Haslam, der mit der neuen Fireblade CBR1000RR-R des offiziellen "Team HRC" Honda Teams auf Platz fünf landete. Sicher ist dies ein brandneues Motorrad, doch den Verantwortlichen stand deutlich Erleichterung ins Gesicht geschrieben - nicht zuletzt aufgrund der schon peinlich-schlechten letzten Jahre für die alte Fireblade. Haslam sagte nach Rang fünf: "Leider hast du nie genug Zeit, besonders nicht, wenn du so viel zu testen hast, wie wir hier - aber wir haben trotzdem ordentlich etwas abgearbeitet." Der fünffache WorldSBK-Laufsieger lobte die Konstanz, mit der die neue Honda die Reifen nutzen könne. "Noch wissen wir natürlich nicht, wo wir stehen, das wissen wir erst im Rennen - aber das wird hochinteressant", versprach der Brite.

Kann Leon Haslam die Honda-Dürre-Periode in der WorldSBK beenden? - Foto: WorldSBK.com

Haslam riss es beim Test aber nicht nur sprichwörtlich raus: Der amtierende Vizeweltmeister und 16-fache Laufsieger im letzten Jahr, Alvaro Bautista, kam über den zehnten Platz nicht hinaus und verlor als Erster über eine Sekunde auf Rea. MIE Racing Satelliten-Pilot Takumi Takahashi hielt als 19. die rote Laterne hoch.

Ducati mit neuem Star

Mit Scott Redding hat sich Ducati die Dienste eines weiteren ehemaligen MotoGP-Piloten gesichert. Und der hat auf der Panigale doch schon einige Erfahrung. Redding wechselte 2019 aus der MotoGP in die British Superbikes (BSB), wo er für Be Wiser Ducati am Ende auch den Meistertitel gewann - vor Josh Brookes und Tommy Bridewell, allesamt auf Ducati Panigale.

Scott Redding soll Ducati endlich den ersten WM-Titel seit Carlos Checa 2011 einheimsen. - Foto: Ducati

Beim Test auf Phillip Island wurde Redding Sechster, nur 0,437 Sekunden hinter Rea. Am Dienstag stürzte er am Nachmittag in Turn 10 nach den Lukey Heights, blieb aber unverletzt. "Zwei wichtige Tage, an denen wir an vielen Aspekten arbeiten konnten", gab Redding zu Protkoll. "Wir müssen auf eine einzelne, schnelle Runde noch besser werden, aber die Race-Pace stimmt mich mehr als positiv." Da dürfte am Rennwochenende selbst wohl noch etwas gehen. Ducati will unbedingt den Titel in der Superbike-WM zurückerobern. Bei Teamkollege Chaz Davies sitzen die Sorgenfalten derzeit noch etwas tiefer: Der Brite wurde Elfter.

Erstkontakt für Cortese

Nach langem Bangen wird es 2020 in der Superbike-WM nun doch eine deutsche Fahrerbeteiligung geben: Sandro Cortese hat im Team von Lucio Pedercini unterschrieben und fährt dort Kawasaki ZX-10RR. Durch den späten Vertragsabschluss, konnte Cortese erst am letzten Montag erstmals auf seinem neuen Arbeitsgerät Platz nehmen. Von zunächst 1:33,344 ging es bis auf 1:31,565 Minuten herunter. Das bedeutete beim Test den 13. Abschlussrang und 1,117 Sekunden Rückstand auf Markenkollege Rea ganz vorn.

WorldSSP: Projekt Titelverteidigung bekommt Konkurrenz

Randy Krummenacher nimmt das Projekt Titelverteidigung auf MV Agusta auf. - Foto: WorldSBK.com

Ein Spaziergang wird das Projekt Titelverteidigung für den Schweizer Randy Krummenacher dieses Jahr nicht. Die Test-Bestzeiten gingen an Yamaha-Pilot Andrea Locatelli. Mit seiner MV Agusta F3 675 verlor Krummenacher als Zweiter bereits 0,657 Sekunden - blieb aber drei Tausendstel vor seinem Vorjahresrivalen Jules Cluzel.

Beim Test-Einstand lieferte Moto2-Umsteiger und Supersport-Rookie Philipp Öttl als Sechster eine ordentliche Leistung ab und blieb unter einer Sekunde Rückstand auf die Testbestzeit Locatellis. "Das Motorrad ist hier ganz anders zu fahren, als eine Moto2, mit der ich zuletzt hier war", grübelte Öttl. "Wir konnten beim Test alle Reifen probieren und am Dienstagnachmittag habe ich mich dann auch steigern können. Auf das erste Rennwochenende der Saison fühle ich mich gut vorbereitet."

Interessant wird das Mittelfeld der Supersport-WM: Von Platz acht bis 16 lag man innerhalb einer halben Sekunde. Unter diesen Fahrern ist auch der ehemalige GP-Pilot, Isle of Man TT-Fahrer und IRRC-Superbike-Champion Danny Webb, der als 15. mit einem Rückstand von nur 1,831 Sekunden zeigte, dass er auch Rundstrecke noch kann.

Zeitplan

Samstag, 29. Februar 2020

WorldSBK - Superpole: 02:15 - 02:40
WorldSSP - Superpole: 02:55 - 03:20
WorldSBK - Rennen 1: 05:00

Sonntag, 01. März 2020

WorldSBK - Superpole-Rennen: 02:00
WorldSSP - Rennen: 03:15
WorldSBK - Rennen 2: 05:00

Zeitangaben in Mitteleuropäischer Zeitzone.


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