Matchball Nummer eins ist abgewehrt. Marco Bezzecchi und Jorge Martin haben im Großen Preis von Katar abgeliefert und verhindert, dass Marc Marquez bereits als feststehender Weltmeister zu den letzten zwei Grands Prix des Jahres nach Portimao (20. - 22.11.) und Valencia (27. - 29.11.) reist. Der Kampf um den MotoGP-Titel 2026 geht also weiter, aber wie lange noch? Im Sprint zum Portugal-GP wird es schließlich schon den nächsten Matchball für Marquez geben. Ist die Entscheidung also nur um 13 Tage aufgeschoben?
Blicken wir zunächst einmal auf die Fakten. In der Weltmeisterschaft führt Marquez nach dem Katar-GP nun 60 Punkte vor Martin und 74 Punkte vor Bezzecchi. Exakt 74 Zähler sind in der restlichen MotoGP-Saison 2026 auch noch zu vergeben, nach dem Sprint in Portimao sind es noch 62 Zähler. Damit kann Marquez am Samstag in Portugal Weltmeister werden, wenn er zwei Punkte mehr als Martin sammelt, denn bei Punktegleichstand am Saisonende würde er aufgrund der höheren Anzahl an GP-Siegen den Vorzug erhalten. Was Bezzecchi dann macht, ist irrelevant. Denn er kann Marquez nur noch am Titelgewinn hindern, wenn dieser 2026 keinen einzigen Punkt mehr holt.
Marc Marquez auf Titelkurs, aber WM-Kampf noch nicht zu Ende!
Für Marquez ist die Aufgabe also recht simpel: Gewinnt er den Sprint in Portimao, steht er als MotoGP-Weltmeister 2026 fest. Bei bereits zehn Sprintsiegen in der laufenden Saison [die mit Abstand meisten aller MotoGP-Piloten, Anm.] vermeintlich nur Formsache, doch der Ducati-Pilot warnt davor, sich schon zu sicher zu fühlen. Marquez glaubt nämlich nicht, dass das letzte Wort im Kampf um die Weltmeisterschaft schon gesprochen ist.
"Das ist eine schwierige Saison, in der jeder Fahrer viele Höhen und Tiefen hatte", erinnerte er am Sonntag und Eile, den WM-Titel bereits im Sprint von Portugal einzutüten, verspüre der 33-Jährige aus Cervera ohnehin nicht: "Nein, die gibt es nicht. Ich bin in den letzten Rennen viel Risiko eingegangen. Jetzt will ich mir die Ausgangslage erstmal bewusst machen. Wir gehen jetzt auf zwei Strecken, auf denen die Bedingungen kritisch sein könnten - speziell in Portimao. Es wird kalt, es geht hoch und runter. Das muss ich im Kopf behalten und die Rennen primär einmal beenden."

Dank der Ergebnisse der letzten Wochen hat Marquez nun genügend Vorsprung in der Weltmeisterschaft, um die Rennen verwalten zu können. Er ist nicht mehr zwingend auf Siege angewiesen und muss sich keinen Druck machen. "Wir gehen Schritt für Schritt", lautet die Vorgabe für Portimao und Valencia. "Das Wichtigste ist, dass ich dieses Wochenende der Fahrer bin, der die meisten Punkte gesammelt hat. Das war ein Wochenende, dass deinen Gegnern nochmal einen Boost geben kann, wenn sie in der Weltmeisterschaft auf dich aufholen. Ich bin aber dieses Extra-Risiko gegangen, um [Raul] Fernandez noch zu überholen. Denn du weißt nie, ob du diese vier Punkte noch brauchen wirst."
Marco Bezzecchi schreibt WM-Titel ab, Jorge Martin denkt nur ans Siegen
Marquez wähnt sich in Summe also in einer guten Position, hat seine Verfolger aber längst noch nicht abgeschrieben. Und die? Nun ja, die offenbarten am Sonntag unterschiedliche Ansichten. "Ich brauche jetzt ein Wunder und in dieser Saison sieht es leider danach aus, als wären die Wunder nicht auf meiner Seite", gab sich Bezzecchi nach seinem sechsten Saisonsieg quasi geschlagen. Wie gesagt: Er muss nun alle vier verbleibenden Rennen gewinnen und gleichzeitig auf vier Nullnummern von Marquez hoffen, um noch Weltmeister werden zu können. Ohne eine Verletzung von des Spaniers wohl nahezu unmöglich. "Es ist schon eine Ehre, überhaupt noch mit diesen beiden Legenden kämpfen zu können", schloss 'Bezz' ab.
Stallgefährte Martin wollte den Titelgewinn derweil noch nicht vollständig abschreiben. Priorität verordnete er am Sonntag aber anderen Dingen. "Ich werde alles versuchen, aber zunächst einmal möchte ich mein Kapitel mit diesem Team, mit Aprilia, auf bestmögliche Art und Weise abschließen. Ich will nicht an die WM denken und einfach das Maximum rausholen. Ich will vor Saisonende noch ein paar Rennen gewinnen, das ist mein Ziel", gab er an. Alles auf Sieg also und dann erst schauen, ob sich in der Weltmeisterschaft dadurch nochmal eine Möglichkeit eröffnet. Aber wie realistisch sind Rennsiege für den angeschlagenen 'Martinator' überhaupt?

"Ich hoffe, dass mich mein körperlicher Zustand darum kämpfen lassen wird. Das Potenzial ist jedenfalls da, das hat Marco heute wieder gezeigt. Wäre ich bei 100 Prozent gewesen, hätte ich heute auch gewinnen können", kommentierte er. Nur zwei Wochen nach dem Speichenbruch auf Phillip Island war der nächstjährige Yamaha-Pilot in Katar laut eigener Aussage aber eben nur bei "50 Prozent" und deshalb nicht in der Lage, ganz vorne mitzumischen. Wie sieht das in Portimao aus? Martin gibt sich zuversichtlich: "Ich habe jetzt zwei Wochen, um mich zu erholen. Der Knochen heilt schnell und ich werde meine Therapien so weiter fortführen. Ich denke, dass ich in Portimao dann fast schon wieder bei 100 Prozent sein werde."
Was meint ihr: Reichen beinahe 100 Prozent, um das WM-Rennen noch längere Zeit offen halten zu können oder krönt sich Marquez bereits im Sprint von Portugal zum MotoGP-Weltmeister 2026? Sagt es uns in den Kommentaren! Wieso eine WM-Entscheidung zugunsten der Nummer 93 dann dramatische Auswirkungen haben könnte, erfahrt ihr im nachfolgenden Artikel:



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